Erst Gospel, dann Bunkerbesuch

Anzeige
In der Wichernkirche gaben die „Gospolitans“ aus Winterhude ein mitreißendes Gospelkonzert Fotos: Wulf
 
Die zwei Hammer Mattis-Thore Siebel und Maria Ehrhard nutzten die Gelegenheit und entdeckten das Bunkermuseum, das in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft liegt

Wichernkirche zeigt sich nicht nur bei der „Nacht der Kirchen“ als vielseitige Anlaufstätte

Von Mai-Britt Wulf
Hamburg. „Willkommen in dieser kleinen, pfiffigen Gemeinde“, begrüßt Pastor Michael Kempkes die Gäste in der Wichernkirche. Viele Besucher sind gekommen, um die „Gospolitans“ zu hören. Das Gospelkonzert war nur einer der besonderen Programmpunkte, die in der Nacht der Kirchen Hamburg in der Wichernkirche stattfanden.
Die Nacht der Kirchen Hamburg gilt als die größte ökumenische Feier des Nordens. Insgesamt besuchten rund 85.000 Gäste die 11. Nacht der Kirchen. 125 Gemeinden nahmen an dem Kulturfest teil und öffneten bis nach Mitternacht ihre Türen.
„Wir überlegen uns für jede Nacht der Kirchen etwas Neues“, sagt Uta Uderstadt. Die Sozialpädagogin ist für die Gemeindeorganisation verantwortlich. Dieses Jahr präsentierte die Wichernkirche unter anderem den längsten Büchertisch Hamburgs und hatte das Duisburger Kindertheater KOM’MA eingeladen. Besonders viele Besucher zog auch das Bunkermuseum an, das auf dem Gelände der Wichernkirche liegt, und kostenlos geöffnet hatte.

Was Besucher sagten

Die zwei Hammer Mattis-Thore Siebel und Maria Ehrhard nutzten den Anlass, um ihre Nachbarschaft besser kennenzulernen. Sie nahmen zum ersten Mal an der Nacht der Kirchen teil. „Ich wohne direkt um die Ecke und wollte schon immer mal ins Bunkermuseum“, erklärt der 25-Jährige seine Motivation. „Jetzt wissen wir, dass der Besuch sich lohnt und möchten noch mal eine Führung mitmachen“, ergänzt Maria Ehrhard.
Die Wichernkirche war bereits bei der ersten Nacht der Kirchen dabei. Das Backsteingebäude liegt in einer ruhigen Seitenstraße unweit der Hammer Landstraße im Grünen und wurde 1954 wieder aufgebaut, nach dem das erste Gebäude im Krieg zerstört wurde. Ihrem Motto „Offen, lebendig, überschaubar“ will die Hammer Kirche gerecht werden. „Die Kirche ist 40 Stunden wöchentlich geöffnet und erfüllt eine soziale Funktion im Stadtteil“, erklärt Sozialpädagogin Uderstadt. Pastor Kempkes ergänzt, dass das von der Gemeinde entwickelte Konzept genau auf den Stadtteil und die Bedürfnisse der Hammer passe. Gerade für einkommensschwache oder einsame Menschen sei die Kirche eine Anlaufstelle. „Im Kirchencafe können Besucher günstig Kaffee trinken und finden immer jemanden, mit dem sie einen Klönschnack halten können“, erzählt Uta Uderstadt.
In der Kleidertruhe der Kirche wird günstig Kleidung verkauft und in der Bücherstube gibt es seit 1997 preiswerte Bücher zu entdecken. Pastor Michael Kempkes hebt eine weitere Besonderheit der Kirche hervor: „Bei uns ist alles unter einem Dach. Unsere Kirche ist unten sozialer Marktplatz, oben Kirchenraum.“ Mit 2.270 Mitgliedern zählt die Wichernkirche tatsächlich zu den kleineren überschaubaren Gemeinden. Aber darin sehen die Mitglieder zahlreiche Vorteile.
„Die Entscheidungswege sind kurz“, sagt Uderstadt. „So haben wir uns spontan entschlossen einen Kleidertransport in die Ukraine zu unterstützen, ohne dass solche Entscheidungen durch langwierige Gremien laufen müssen.“ Auch für Obdachlose stehe immer ein Kaffee parat, denn gerade das tatkräftige Helfen wird in der Wichernkirche geschätzt und praktiziert.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige