Hamburg: Der Kupferhof gibt Kraft für den Alltag

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Am liebsten tobt Magdalena mit Kinderkrankenschwester Stella-Marie Tatjen im großen Bällebad herumFotos: Blume
 
Steffen Schumann, Initiator und Geschäftsführer des „Neuen Kupferhofes“ wurde im Dezember vom TV-Sender „Hamburg 1“ als Hamburger des Jahres ausgezeichnet

Deutschlands erste Kurzzeit-Wohneinrichtung für schwerbehinderte Kinder und ihre Familien

Von Claudia Blume
Ohlstedt. „Komm’, ich zeig’ Dir das Haus“, sagt Magdalena selbstbewusst und ist mit ihrem Rollstuhl schon unterwegs zum Fahrstuhl. „Mama, wieviele Nächte bin ich schon hier? Drei?“, fragt das schmächtige Persönchen mit leuchtenden Augen. Die Mama, Bianca Paul, lächelt. Bereits seit eineinhalb Wochen ist sie mit ihrer achtjährigen Tochter im „Neuen Kupferhof“ in Hamburg-Ohlstedt. Für beide scheint die Zeit wie im Flug zu vergehen in der ersten Kurzzeit-Wohneinrichtung Deutschlands, in der neben schwerbehinderten Kindern und Jugendlichen auch deren Eltern und Geschwisterkinder bis zu 28 Tage pro Jahr Aufnahme finden.
Seit Mai 2013 können zwölf Gastkinder und ihre Angehörigen in großzügigen Zimmern und Appartements untergebracht werden. Sozialhilfeträger und Pflegekassen tragen die Kosten der kleinen Patienten, Mitreisende zahlen eine kleine Pauschale.
Magdalena und ihre Mutter bleiben vier Wochen am Stück in dem wunderschön gelegenen Herrenhaus in der Alsterniederung. Wertvolle Zeit für Bianca Paul, um eine Auszeit zu nehmen vom anstrengenden Alltag, der von einer 24-Stunden-Pflege geprägt ist. Ihre Tochter kam als Frühchen mit nur 495 Gramm auf die Welt, erlitt beidseitige Hirnblutungen, bekam einen künstlichen Darmausgang – und die schlimmsten Prognosen für ihren Lebensweg. „Die haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet“, sagt die 49-jährige Wandsbekerin dankbar. Das zierliche Mädchen ist zwar nicht altersgerecht entwickelt und auf den Rollstuhl angewiesen, geht jedoch in die zweite Klasse einer regulären Grundschule. Hilfe benötigt sie dennoch rund um die Uhr – von Schulbegleitung über Pflegedienst und vor allem von ihrer Mutter.

Entlastung für die Mutter

„Wir haben eine extrem enge Bindung“, beschreibt die Alleinerziehende, „und schlafen sogar in einem Bett.“ In ihrem Kurzzeit-Zuhause im „Neuen Kupferhof“ haben die beiden zum ersten Mal getrennte Betten, sogar getrennte Zimmer. Was zunächst unvorstellbar für die Hamburgerin war, klappt erstaunlich gut. Magdalena fühlt sich wohl, umsorgt von liebevollen Kinderkrankenschwestern und Heilerziehungspflegern, die ihr manchen Wunsch von den Augen ablesen: Toben im Bällebad, Kuscheln im Snoezelen-Raum, Kinobesuche. Die Aufmerksamkeit des Personals liegt nicht nur bei den Gastkindern, sondern auch auch bei deren Familien. Neben psychologischer Hilfestellung wird ein großes Aktivitäten- und Ausflugsprogramm angeboten. „Ich habe vergessen, was Spaß macht und muss lernen, mir etwas Gutes zu tun“, bekennt Bianca Paul. Steffen Schumann weiß, wie wichtig eine Auszeit ist. „Jeder sehnt sich nach Erholung, die neue Kraft und Stärke für den Alltag gibt“, sagt der Initiator und Geschäftsführer des „Neuen Kupferhofes“, der selber einen schwerstbehinderten Sohn hat. Gemeinsam mit Frank Stangenberg, einem ebenfalls betroffenen Vater, gründete der Ohlstedter 2008 den Förderverein „Hände für Kinder e.V.“ und kaufte 2011 die Immobilie, die bis dato als Seminarhaus der Stadt Hamburg genutzt wurde. Im Juni 2012 folgte der Umbau, im Mai 2013 war Eröffnung. Knapp fünf Millionen Euro sind bisher in das einzigartige Projekt geflossen, das fast ausschließlich durch Spenden finanziert wird. Schumann ist sehr dankbar für die großzügige Unterstützung. „Wir werden immer auf Zuwendungen angewiesen sein, denn auch unter Vollauslastung arbeitet der Betrieb nicht kostendeckend.“ Auch müsse noch einiges getan werden, Fenster erneuert, die Fassade saniert, weitere Zimmer möbliert werden.
Auch an Spielgeräten besteht noch Bedarf. Das Team wünscht sich einen Bollerwagen, einen Basketballkorb, Gokarts, einen Kleinbus. „Wir freuen uns auch über jegliche ehrenamtliche Unterstützung. Einige Beete in unserem großen Garten brauchen dringend regelmäßige Pflege. Jeder, der sich engagieren möchte, ist herzlich willkommen“, sagt Schumann.

Weitere Informationen gibt es unter Tel.: 040/645 325 20 und haendefuerkinder.de

Info:
In Norddeutschland leben rund 10.000 Kinder und Jugendliche, die schwer- und mehrfachbehindert sind, allein in Hamburg etwa 3100. Im „Neuen Kupferhof“ können sie Kraft schöpfen.
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