Hamburg: Gemeinsam helfen

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Steffi Ahlf, Ulrich Bartels und Runhild Jasper-Koch Foto: Christa Möller

Projekt „Lebendige Nachbarschaft“ startet

Von Christa Möller
Hamburg. Wenn Karin Krause ihren Mann Georg (Namen von der Redaktion geändert) ansieht, dann kommen ihr die Tränen. Denn der 72-Jährige ist nicht mehr der Mann, den sie einst geheiratet hat. Georg Krause geht aus der Tür und vergisst den Schlüssel, parkt sein Auto und findet es nicht wieder, will Freunde besuchen und weiß den Weg nicht mehr: Er hat beginnende Demenz. In dieser Situation braucht seine Frau Hilfe. „Der erste Schritt ist immer der schwerste“, sagt Ulrich Bartels, 1. Vorsitzender des Trägerverbundes Hamburger Osten am Moorende 4 in Hamm. Der Griff zum Telefonhörer, sagen, „ich komme allein mit meinem Mann nicht mehr klar, mit dem ich seit über 40 Jahren verheiratet bin, das sei nicht leicht. „Dem Trägerverbund gehören 23 Mitglieder an, die mit Altenpflege, Altenbetreuung und Gesundheit zu tun haben“, erläutert Geschäftsstellenleiterin Runhild Jasper-Koch. Hier gibt es für Ältere und ihre Angehörigen kostenlose Informationen und Beratung aus einer Hand. Dazu zählen auch Entlastungsangebote für pflegende Angehörige und der Umgang mit Demenzkranken. Fünf Seniorenheime gehören dem Verbund an. Ulrich Bartels leitet das Alten- und Pflegeheim Haus Weinberg des Rauhen Hauses, das einen Wohnbereich für Demenzkranke hat. Es sei wichtig, sich in die Lebenswelt der Demenzkranken hineinzudenken, sagt Bartels. Beispielsweise fällt es Erkrankten schwer, sich in einem weißen
Toilettenraum zu orientieren. Was hilft? „Schwarze Klobrillen, wie es sie früher gab.“ Hilfreich ist auch der Hundetherapeut im Hause, denn das Tier bringt oftmals Menschen zum Sprechen, die seit langem nicht mehr geredet haben.
Doch ein Heimaufenthalt muss nicht zwingend sein, zur Entlastung von Angehörigen wie Karin Krause gibt es Tagespflegeeinrichtungen. Ulrich Bartels ist wichtig, „dass diese Menschen ihren Platz zwischen uns haben. Wir alle müssen lernen, mit einem bestimmten Maß an Unsicherheit, Verrücktheit, umzugehen.“ Hilfreich für das Ehepaar Krause wäre möglicherweise auch der Hausbesuchsdienst geschulter ehrenamtlicher Helfer, die Runhild Jasper-Koch gern vermittelt. Beim wöchentlichen Betreuungsnachmittag des Trägerverbundes wird gespielt, gesungen, getanzt. „So werden die alten Zeiten wieder zum Leben erweckt“, weiß Steffi Ahlf, Praktikantin beim Trägerverbund Hamburger Osten.
Nähere Infos beim Trägerverbund, Telefon 655 73 36.

Lebendige Nachbarschaft

Demnächst wird es ein weiteres Angebot des Trägerverbundes in Kooperation mit der SAGA-Tochter ProQuartier und dem Pflegedienst medicur geben: LeNa. Das steht für „Lebendige Nachbarschaft im Quartier Vierbergen“ und meint ein neues Haus an der Legienstraße in Billstedt. Hier entstehen im Rahmen eines Modellprojektes 88 barrierefreie Zwei-Zimmer-Wohnungen für eine bis zwei Personen. „Es soll eine Mischung sein aus Menschen über 60, die noch fit sind, und Menschen, die Hilfsbedarf haben, damit eine lebendige Nachbarschaft entstehen kann, erklärt Runhild Jasper-Koch. Einen 200 Quadratmeter großen Gemeinschaftsraum gilt es mit Leben zu füllen, hier könnte ein Nachbarschaftscafé entstehen, denkbar sind auch Kochgruppen und Spielenachmittage. Noch sind nicht alle der im Sommer bezugsfertigen Wohnungen vermietet. Bewerber benötigen einen Paragraph-5-Schein. Infos unter Telefon 42 66 66 66.
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