Hamburg: Hilfe für bosnische Flutopfer

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Vier der vielen ehrenamtlichen Helfer vor den vielen Paketen: Sadina Kovac, Ilda Kapur, Adem Geko und Husein Talic (von links)Foto: Grewe

Islamisches Kulturzentrum der Bosniaken mit Sitz in Horn startet beispielhafte Hilfsaktion

Von Elke Grewe
Hamburg. Die dramatischen Überflutungen in Bosnien und Herzegowina der vergangenen Wochen führten zu verheerenden Schäden im Land. Die Jahrhundertflut hat zahlreiche Städte von der Außenwelt abgeschnitten. Die Menschen erleben zurzeit wohl die schwerste Zeit seit Kriegsende.

„Für uns war sofort klar, dass wir in dieser dramatischen Situation den Menschen helfen mussten.“Zijad Zuberovic, Vorstandsmitglied des Islamischen Kulturzentrums der Bosniaken

„Für uns war sofort klar, dass wir in dieser dramatischen Situation den Menschen helfen mussten“, sagt Zijad Zuberovic, einer der Vorstandsmitglieder des Islamischen Kulturzentrums der Bosniaken in Hamburg und Umgebung, mit Sitz in Horn. Er wie viele Bosnier, die in Hamburg leben, haben Verwandte in den Krisengebieten und erfahren unmittelbar, wie schlimm es ist: Begleitet von Erdrutschen und schwer passierbaren Zufahrtswegen dauern die katastrophalen Zustände in Dörfern und Städten noch immer an.
Menschenleben sind gefährdet, zahlreiche Häuser völlig zerstört. Nach Rückzug der Wassermassen sind aufwendige, jahrelang dauernde Aufräumarbeiten notwendig. Das Islamische Kulturzentrum hat bereits am 17. Mai auf Facebook einen Aufruf zur Hilfe gestartet. „Schon einen Tag späten kamen viele Menschen aus Hamburg und dem Norden - zum Beispiel Bremerhaven, Lüneburg, Kiel, Lübeck - um mit Sach- und Geldspenden zu helfen“, so Zijad Zuberovic. Hygieneartikel, Windeln, Seifen, Zahnpasta, Socken, Kleidung, Lebensmittel, Konserven und Medikamente - alles wird gebraucht. Und natürlich Geldspenden, um vor Ort Hilfsmittel für den Aufbau zu kaufen.

70 Tonnen Hilfsgüter

Bereits ein paar Tage später war es soweit: Zwei Lastwagen verlassen voll bepackt den Hof des Islamischen Kulturzentrums Richtung Bosnien. Ziel ist der Ort Maglaj, der besonders stark von der Flut betroffen ist. Zirka 20 Stunden dauert die Fahrt dorthin. 70 Tonnen Hilfsgüter kamen in Maglaj an und wurden von dort verteilt. „Die Leute vor Ort waren zu Tränen gerührt über die Welle der Hilfsbereitschaft“, erzählt Zijad Zuberovic. „Unsere Gemeinde hat einfach großartige Arbeit geleistet!“
Über 100 ehrenamtliche Helfer sind an der Hilfsaktion be-teiligt, sortieren und verpacken die gespendeten Hilfsgüter.
Die Hilfe erreicht ohne Zwischenstation jeden Betroffenen, darauf ist man besonders stolz. Durch sein Engagement für die Flutopfer stand das Islamische Kulturzentrum plötzlich selbst im Fokus des allgemeinen Interesses. Auch der Sender HH1 berichtete über die Hilfsaktion und das Kulturzentrum. Es existiert bereits seit 1993 in Hamburg, seit 2002 am Horner Brückenweg 6. Das Kulturzentrum mit Moschee ist ein wichtiger Treff für alle Menschen aus Bosnien-Herzegowina. Es finden dort regelmäßig Sportveranstaltungen statt, es werden Jugend-Treffs und Kinder-Feste organisiert, im Sommer Grillfeste. Längst ist das Kulturzentrum eine feste Institution geworden.

Viele helfen

Dank der vielen Hilfsgüter konnte inzwischen ein dritter Lkw und am vergangenen Wochenende ein vierter Hamburg voll bepackt verlassen. Viele Privatpersonen und Institutionen helfen. Geplant ist, diese Hilfsaktion für die Flutopfer noch die nächsten Wochen weiter zu organisieren. Denn auch wenn die Flut zurückgeht, brauchen die Menschen dringend Hilfe. Es sind aufwendige Aufräumarbeiten notwendig und bei steigenden Temperaturen könnte von Tierkadavern verunreinigtes Wasser zum Ausbruch von Krankheiten wie Typhus oder Hepatitis führen, warnte der Leiter des Gesundheitsamtes in Sarajevo im
bosnischen Fernsehen.

Täglich zwischen 10 und 22 Uhr ist das Islamische Kulturzentrum im Horner Brückenweg 6 geöffnet und es können Spenden abgegeben werden.
Tel.: (040) 229 65 64, www.ikc-hamburg.de Achtung: Bei Geldspenden unbedingt den Verwendungszweck angeben: „Spende für die überfluteten Gebiete in Bosnien und Herzegowina“, Bankverbindung: Hamburger Sparkasse, IBAN: DE09 2005 0550
1224 1258 05, BIC: HASPDEHHXXX
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