Hamburg: Ihr großes Vermächtnis

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Das Porträt zeigt Stiftungsgründerin Ida Schmidt (1828 - 1904) in jungen Jahren Foto: Privatbesitz der Familie Schön
 
Jana (26) erinnert sich gern an ihre drei Jahre im Therapeutischen Wohnheim für Mädchen und junge Frauen zurück. In dieser Küche ging sie ihrem Hobby Kochen nach Foto: Grewe

140 Jahre Alida Schmidt-Stiftung – eine Erfolgsgeschichte

Von Elke Grewe
Hamburg. „Im Mittelpunkt unserer Stiftungsarbeit stehen heute Menschen in besonderen – oft schwierigen – Lebenslagen. Junge Frauen mit ihren Kleinstkindern und psychisch kranke Frauen, alkohohl- und medikamentenabhängige Menschen, alte und pflegebedürftige Männer und Frauen vertrauen sich uns an und erhalten Hilfestellungen“. So formuliert Geschäftsführerin Christina Baumeister die Aufgaben der Alida-Schmidt-Stiftung. Ziel ist es, dass die Menschen wieder ein selbst bestimmtes Leben führen. Mit dem Vorsatz, Menschen in schwierigen Situationen zur Seite zu stehen, gründete Ida Schmidt, eine Frau aus der Hamburger Oberschicht, Witwe eines Konsuls, am 15. April 1874 die Stiftung, die heute eine der ältesten Stiftungen der Hansestadt ist und die in diesem Jahr ihr 140-jähriges Bestehen feiert.
Jana, heute 26, gehört zu jenen Mädchen, die der Einrichtung viel zu verdanken hat. Als sie zum Interview mit dem Hamburger Wochenblatt in ihr einstiges Zuhause an der Bürgerweide 19 in Borgfelde kommt, gibt es herzliche Umarmungen mit den Mitarbeiterinnen.

Ein Weg für Jana

Jana war 15 Jahre und schwanger, als sie in das Haus in der Bürgerweide 19 einzog und dort drei Jahre lang lebte. Zuvor wohnte Jana in Klein Flottbek bei ihren Eltern, die mit der Schwangerschaft ihrer Tochter nicht zurecht kamen. Noch vor der Geburt ihres heute zehnjährigen Sohnes Massimo hat Jana den Hauptschulabschluss gemacht. Dann zog sie in eine eigene Wohnung, wurde aber noch drei Jahre von der Alida Schmidt-Stiftung betreut.
Für die junge Frau ging es zielstrebig weiter: Nach dem Abitur fing sie 2010 mit dem Studium der Politikwissenschaften an, das sie durch eine erneute Schwangerschaft unterbrach. Inzwischen hat sie einen festen Freund und einen zweiten fünf Monate alten Sohn. Alle leben harmonisch zusammen in Wilhelmsburg. „Ich bin in der Bürgerweide 19 erwachsen geworden“ sagt sie rückblickend und auch ihre Eltern freuen sich über die Entwicklung ihrer Tochter und beschenken die Mitarbeiter in der Bürgerweide zu Weihnachten mit einem großen Paket. Sie widmete sie ihrer Tochter Alida, die 1873 nach längerer Krankheit starb - mutmaßlich an Tuberkulose. Als die Satzung der Stiftung 1974 vom Hamburger Senat genehmigt wurde, wurde ein Jahr später das Alida Schmidt-Stift mit 34 Wohnungen „zur Unterstützung hülfsbedürftiger, unbescholtener Witwen und Jungfrauen“ eröffnet. In der Bürgerweide 23 in Borgfelde lag die „Keimzelle“ der fortschrittlichen Stiftung.
Heute sind in dem historischen Gebäude Privatwohnungen, aber nur ein paar Häuser weiter, in der Bürgerweide 19, lebt der Gedanke von Ida Schmidt, die 1904 starb und in Wiesbaden begraben ist, weiter. Hier wurde 1954 ein Mädchenwohnheim eröffnet. 1975 wurde es umgewandelt in ein Therapeutisches Wohnheim für Mädchen und junge Frauen „mit besonderen sozialen Schwierigkeiten“. Heute leben dort 20 bedürftige Mädchen, die von acht Sozialbetreuerinnen umsorgt werden, später auch außer Haus ambulant.
Gleich neben der Bürgerweide 19 befindet sich eine von neun Stiftungseigenen Seniorenwohnanlage. Ab den 1970er Jahren beschritt die Alida Schmidt-Stiftung neue Wege in den Bereichen Jugend, Sucht- und Altenhilfe. „Eine prägende Persönlichkeit bis in die 80er Jahre war damals Geschäftsführer Harald Wehking“, so urteilt der heutige Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Strenge. Harald Wehking führte den Bereich Suchtkrankenhilfe völlig neu ein. 1973 war die Gründung des Sozialtherapeutischen Wohnheims Jenfeld (STW) für alkoholkranke Männer herausragend für die damalige Zeit. 1995 erfolgte die Umbennung in „Therapeutische Gemeinschaft Jenfeld“ (TGJ). 2009 fand ein Komplett-Umbau statt. Vorstandsvorsitzender Strenge: „Etwa zwei Drittel der Alkoholkranken trinken nach einem Aufenthalt hier dauerhaft nicht mehr – das ist ein großer Erfolg.“ Eine weitere neue Richtung schlug die Alida Schmidt Stiftung 1976 mit dem Max-Brauer-Heim im Bramfeld ein, im Jahr 2000 umbenannt in Max-Brauer-Haus. Zum ersten Mal betrieb sie eine zweistufige Anlage mit Wohnungen für ältere Menschen, die sich selbst versorgen konnten, und einen gesonderten Pflegebereich. Zur Einweihung kam auch die Witwe Erna von Max Brauer. Hans-Peter Strenge: „Die Einrichtung verfolgte den Gedanken, dass ältere Menschen möglichst lange selbstständig in der eigenen Wohnung leben und durch Gemeinschaftsräume und kulturelle Veranstaltungen am sozialen Leben teilnehmen sollen.“
Geschichte aufgeschrieben
Das 140-jährige Bestehen der Stiftung wird mit den 350 Mitarbeitern erst im September groß gefeiert. Dafür hat sich die Stiftung zu dem Jubiläum einen besonderen, lang gehegten Wunsch erfüllt: Sie brachte eine eigene Broschüre über ihre Historie heraus. Titel: „Vom Hamburger Wohnstift zum sozialwirtschaftlichen Unternehmen. Alida Schmidt-Stiftung 1874-2014.“ Ein Jahr intensiver Recherche hat es gebraucht, bis das 78 Seiten starke Werk fertig war. Hans-Peter Strenge, Vorstandvorsitzender der Stiftung seit 2000: „Die vielen Informationen über die Stiftung haben wir in erster Linie den Nachforschungen der Historikerin Dr. Kristina Vagt zu verdanken. Sie hat sogar mit einem Nachfahren der Stiftungsgründerin Ida Schmidt gesprochen“. Nach seiner 14-jähriger ehrenamtlichen Amtszeit zieht der Vorstandsvorsitzende Strenge rückblickend zum Jubiläum der Stiftung Bilanz: „Trotz aller Sparpolitik haben wir immer versucht notbedürftigen Menschen in allen Lebenslagen zu helfen. Heute haben wir eine gesunde finanzielle Struktur.“ (eg)

Kontakt: Alida Schmidt-Stiftung,Tel.: (040) 227 10 10, alida.de
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