Hamburg: Malerinnen über Mümmels Dächern

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Ingrid Ehmke (l.) und Heidi Ziolkowski auf der Dachterrasse des Ateliers
 
Ein Blick ins Atelier der Frauen-Malgruppe Fotos: Ch. Möller

Frauenmalgruppe „Wir“ stellt aus – und ist auch im Ausland aktiv

Von Christa Möller
Hamburg. Ingrid Ehmke (65), Dagmara Michaliczak (64) und Heidi Ziolkowski (75) haben ein gemeinsames Hobby: die Kunst. Seit 23 Jahren treffen sich die drei Frauen in der Frauenmalgruppe „WIR“, die ihren Ursprung in der Malgruppe der Elternschule Mümmelmannsberg hat. Damals waren sie zu sechst. Leiter Mike Holland habe ihnen sehr viel vermittelt. „Wir haben in der Eltern-
schule klassischen Kunstunterricht gehabt“, sagt Ingrid Ehmke. Kurz nach dem Start fand die Gruppe ihr künstlerisches Zuhause in einem Atelier an der Kleinen Holl 8, das ihr von der SAGA GWG zur Verfügung gestellt wurde. „Dafür machen wir Stadtteilarbeit“, erläutert die 65-Jährige, die feststellt: „Das ist eine Sahneschnitte hier oben.“ Denn die Räumlichkeiten bieten Platz, Licht und von der großen Dachterrasse aus einen bemerkenswerten Ausblick auf den Stadtteil, in dem die Gründungsmitglieder auch wohnen.

Aktuelle Ausstellung

Dort entstehen nicht nur Bilder in verschiedensten Techniken, sondern auch andere Kunstwerke wie die „Paula“ mit „Wut im Bauch“, die Ingrid Ehmkes Tochter Nina Mariko vor zwölf Jahren aus Styropor und Polyester gestaltete und die auf dem Skulpturenhof in Mümmelmannsberg zu bewundern ist. Dass Mümmelmannsberg ein toller Stadtteil ist, zeigen die Frauen mit einer Wanderausstellung unter dem Titel „Mein Mümmelmannsberg“, die gerade bis zum 21. Juni verlängert wurde, im Café EigenArt am Havighorster Redder 50 jeden Sonnabend und Sonntag von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zum Abschluss der Ausstellung sind die Bilder im Rahmen des Internationalen Freundschaftsfestes am Sonntag, 22. Juni, von 14 bis 17 Uhr auf dem Skulpturenhof zu sehen.

Bilder im Ortsamt

2008 wurde aus der Malgruppe ein eingetragener Verein, Vorsitzende ist Ingrid Ehmke, ihre Stellvertreterin wurde Heidi Ziolkowski. Wichtig sind den Künstlerinnen die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Arbeiten und der Organisation bei Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen. So hat jede der mittlerweile rund 30 Frauen ihren eigenen Stil gefunden. Ingrid Ehmke arbeitet gerade mit Treibholz, das sie von Reisen nach Dänemark mitbringt. Heidi Ziolkowski hat viel „mit Rost und Patina“ kreiert, Dagmara Michaliczak malt und beschäftigt sich mit Fotografie. Immer wieder laden sie Künstler ein, die ihnen verschiedene Techniken vortragen, da sie gern Neues ausprobieren. „Es ist toll, dass die Frauen, die etwas länger da sind, experimentierfreudig werden“, betont Ingrid Ehmke. Im Atelier gibt es etwa eine Foto-, aber auch eine Töpferwerkstatt.
Ihre Werke präsentieren die Frauen unter anderem auf den Kunst- und Kulturtagen im Stadtteil. Heidi Ziolkowski erläutert: „Unser Highlight sind die großen vierteiligen Bilder, die auch im Ortsamt hängen.“ Vor acht Jahren entstand ein zwei mal zehn Meter großes Gemeinschaftswerk, ein Bill-stedt-Bild im Stil von Hundertwasser, das sie im Einkaufszentrum gemalt haben. „Unser allererstes Gemeinschaftsbild ist 1,80 mal zwei Meter groß und entstand 1992 zum 20-jährigen Bestehen von Mümmel.“ Die Künstlerinnen waren unter anderem 2002 bei der Aktion „Stadt der Zukunft“ für die größte Freilichtgalerie der Welt in Berlin beteiligt und vertreten die Malgruppe auch auf internationalen Kunstausstellungen. Gemeinsame Exkursionen führen in verschiedene große Museen, nächstes Wunschziel ist das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Kreative willkommen

Die Malgruppe ist offen für jede Frau. Die älteste ist 90, das Mindestalter liegt bei 15 Jahren. Auch bezüglich der Nationalitäten ist die Gruppe eine „bunte Mischung“. Vier Wochen können Interessierte ausprobieren, ob es ihnen gefällt, danach kostet die Teilnahme sieben Euro im Monat für Material und Kaffee oder Tee. Feste Termine sind dienstags ab 19 Uhr und sonnabends ab 15 Uhr, „aber eigentlich stehen wir sechs Tage die Woche zur Verfügung“, sagen die beiden Vorstandsfrauen, die auch offene Aktionen für jeden Bürger anbieten. Beruflich hatten beide übrigens so gar nichts mit Kunst zu tun: Sie arbeiteten in der Finanzbuchhaltung. Beide haben Ateliers zuhause, wo sie sich ihren vielseitigen Interessen widmen können.

Weitere Infos gibt es bei Ingrid Ehmke unter Tel.: 715 58 40 oder unter
frauenmalgruppe-wir.de
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