Hamburg: Medizinische Hilfe für alle

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Sauber und gepflegt: der Eingang zur Praxis, in der man keinen Ausweis einer Krankenkasse vorlegen muss

Gemeinnützige „Praxis ohne Grenzen“ eröffnet am 7. Mai am Bauerberg

Von Martin Jenssen
Hamburg. „In meinem Leben habe ich viel Gutes bekommen. Jetzt kann ich etwas davon zurückgeben.“ So die Einstellung von Professors Peter Ostendorf (75). Der ehemalige Chefarzt des Marienkrankenhauses gründete den Verein „Praxis ohne Grenzen“ und eröffnet am 7. Mai in Horn die ersten Praxisräume in Hamburg, in denen Menschen ohne Krankenversicherung kostenlos eine fachlich fundierte Gesundheitsvorsorge angeboten wird.
Die „Praxis ohne Grenzen“ steht allen Menschen offen, die nicht zu einem normalen Arzt gehen können, weil sie Angst vor Behörden oder kein Geld haben. In der Bundesrepublik leben nach Schätzungen rund 800.000 Menschen, die nicht krankenversichert sind; etwa 20.000 davon in Hamburg. Zu dieser Gruppe gehören Flüchtlinge, Obdachlose oder finanziell mittellos dastehende Menschen.

30 ehrenamtliche Helfer

Die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) würdigte bei der Vorstellung des neuen Hamburger Vereins das besondere Engagement von Professor Ostendorf, der die „Praxis ohne Grenzen“ für Hamburg organisierte. In der Praxis am Bauerberg werden 30 ehrenamtliche Helfer in unterschiedlichen Schichten für die Patienten tätig sein: Ärzte, Krankenschwestern und Dolmetscher.
Die Praxisräume stellt das Horner Heim von „Pflegen & Wohnen“ am Bauerberg kostenlos zur Verfügung. „Die Praxis ohne Grenzen ist eine großartige Ergänzung der sozialen Arbeit in Hamburg, bei der wir gerne helfen“, sagt Heimdirektor Witold Lesner. Die Heimbewohner wurden in die Entscheidung einbezogen. Sie hatten keine Einwände. „Die Senioren haben ein großes soziales Herz“, erklärt der Direktor. „Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten viele von ihnen selbst Probleme mit der ärztlichen Versorgung. Sie wissen, was es heißt, wenn man krank ist und kein Arzt zur Verfügung steht.“
In Schleswig-Holstein und in einigen anderen Bundesländern gibt es bereits Arztpraxen, in denen ehrenamtlich gearbeitet wird. „Selbst eine aufwendige Herzoperation, wie ein Beispiel aus Bad Segeberg zeigt, wurde dadurch möglich“, erklärt Prof. Ostendorf in einer Broschüre über den Verein. Darin heißt es weiter: „Angesichts des anhaltenden Elends der Nichtversicherten sind weitere Anstrengungen notwendig. Deshalb braucht gerade Hamburg, eine Großstadt, deren Bürger immer stolz waren auf ihr soziales Engagement, eine Praxis ohne Grenzen!“
Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Förderbeiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar. Die bisher eingegangenen Spenden und Beiträge der Fördermitglieder reichen zunächst für den Betrieb der Praxis bis zum Jahresende. Am 7. Mai können sich die ersten Patienten, deren Namen auf Wunsch anonym gehalten werden, zwischen 15 uns 18 Uhr in der Praxis behandeln lassen.

Konto: „Praxis ohne Grenzen – HH“ Haspa, Kt.Nr. 1001232816, IBAN: DE46200505501001232816 BIC: HASPDEHHXXX
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