Hamburg: Mutter soll büßen

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Die Grabstätte der dreijährigen Yagmur auf dem Friedhof Öjendorf Foto: Röhe/wb

Mord an der kleinen Yagmur: Lebenslänglich für Melek Y.

Hamburg. Sie wurde nur drei Jahre und zwei Monate alt, die kleine Yagmur aus Mümmelmannsberg. In ihrem kurzen Leben musste sie unfassbares Leid ertragen. Nach ihrem Tod stellten die Ärzte bei ihr 83 Verletzungen fest, die ihr allein in den letzten drei Monaten ihres Lebens zugefügt worden waren. Sie hatte zahlreichen Kratzwunden, Hämatome und Schürfwunden sowie einen Armbruch, der nicht ärztlich versorgt worden war. Sie litt an einem Leberriss, Einblutungen im Bauchbereich und Blutungen im Kopf. Nie konnte Yagmur ohne Schmerzen spielen.

Schuldfrage geklärt

Die Stimme des Vorsitzenden Richters der Großen Strafkammer versagt fast, als er über die schlimmen Verletzungen des Kindes berichtet. Das Hamburger Landgericht hatte sich 29 Verhandlungstage bemüht, die Schuldfrage um den Tod des Kindes zu klären. „Yagmurs Kopf war mit Hämatomen übersät“, erklärt der Richter. Ursache der Misshandlungen: Ein unfassbar krankhafter Hass der Mutter Melek Y. (28) auf ihr eigenes Kind. Ein Hass, der sich in grausamen Prügelattacken entlud, der auch zu schlimmen seelischen Qualen des Kindes führte.
Das Landgericht verurteilte die Mutter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes. Der Vater, Hüseyin Y. (25), der das Leid seiner Tochter mit angesehen hatte, ohne es zu verhindern, wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Bedrückendes Verfahren

Nicht angeklagt wurden die Mitarbeiter Hamburger Jugendbehörden, die den tragischen Tod Yagmurs nicht verhinderten. In den Behörden gab es „zahlreichen Versäumnisse, Fehlentscheidungen und Nachlässigkeiten“, erklärte der vorsitzende Richter. Das Verfahren sei für das Gericht sehr bedrückend gewesen. Yagmur verstarb am 18. Dezember 2013 gegen fünf Uhr morgens in der Wohnung der Eltern an der Straße Große Holl in Mümmelmannsberg.
Offensichtlich hatte Melek Y. ihre Tochter für ihr verpfuschtes Leben verantwortlich gemacht. Die junge Mutter, die selbst gerne Krankenschwester geworden wäre, hatte keinen Schulabschluss und keine Berufsausbildung. Seit der Geburt von Yagmur litt Melek Y. an einer postpartalen Depression, einer emotionalen Bindungsstörung zur ihrem Kind.
Die junge Mutter, die bereits ein Jahr in Untersuchungshaft verbracht hat, wird 14 Jahre der „lebenslangen Haft“ absitzen müssen. „Sie werden 42 Jahre alt sein, wenn Sie das Gefängnis verlassen“, erklärte der Vorsitzende Richter der Angeklagten. Wesentlich günstiger sind die Aussichten für Hüseyin Y., der sich von seiner Frau getrennt hat. Er kann möglicherweise schon in zwei Jahren das Gefängnis wieder verlassen. Er könne in der Haft einen Schulabschluss nachholen, erklärte ihm der Richter. (je)
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