Hamburg: Neue Visionen für Horn

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Lucas Rauch (l.) und Jim Anton Reifferscheid aus Berlin. Die Studenten gewannen den diesjährigen Otto-Linne-PreisFoto: Betz
 
Die (Bachelor-)Arbeit von Quang Huy Le belegte Platz drei Fotos: Betz

Otto-Linne-Preis für urbane Landschaftsarchitektur vergeben

Von Malte Betz
Hamburg. Diese städtebaulichen Pläne würden das Straßenbild von Horn stark verändern: Das Horner Einkaufszentrum mit seinem Parkhaus wird teilweise abgerissen. Die Megakreuzung von Rennbahnstraße und Sievekingsallee schrumpft auf ein überschaubares Maß und wo jetzt der Sportplatz Bömelburgweg liegt, entstehen vier neue Mehrfamilienhäuser. Parallel wird der Grünzug zwischen Gojenboom und Sandkampweg durch weitreichende Anpflanzungen räumlich zusammengeschlossen. Doch die Bagger werden nicht kommen. Ob diese ausgezeichneten Pläne für massive Um- und Neugestaltungen in Horn überhaupt jemals in die Tat umgesetzt werden, ist unwahrscheinlich. Doch dafür sind die Entwürfe auch gar nicht gedacht – denn es geht um Ideen und Konzepte, um Inspiration und Anstöße: Vergangene Woche wurde der Otto Linne Preis für urbane Landschaftsarchitektur 2013 vergeben.

Internationaler Ideenwettbewerb

Hinter der angesehenen Hamburger Auszeichnung verbirgt sich ein internationaler Ideen-Wettbewerb, an dem Städteplaner und Landschaftsarchitekten (unter 40 Jahren) teilnehmen können. Er wird in unregelmäßigen Abständen von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt ausgeschrieben, dieses Jahr in Verbindung mit der internationalen Gartenschau. 2013 mussten sich die Teilnehmer mit der „räumlichen Ordnung“ von Bauten aus den 50er und 60er-Jahren, der Begrünung und dem (für Anwohner leidigen) Thema der Nachverdichtung auseinandersetzen. Als exemplarisches Beispiel diente das Horner Gebiet rund um die Washingtonallee. 52 Wettbewerbsbeiträge wurden eingereicht. Die achtköpfige Jury aus Experten und Anwohnern hatte dabei sogar Arbeiten aus New York und dem australischen Sydney zu bewerten. „Wir mussten das Spektrum der Ideen erstmal begreifen“, sagte Heiner Baumgarten, Geschäftsführer der internationalen Gartenschau und Jury-Mitglied bei der Preisverleihung in der Aula der Schule Stengelestraße, die mitten im ausgeschriebenen Plangebiet liegt. Die nach Jurymeinung überzeugendste Umgestaltung von Hamburgs rotem Backstein-Osten gelang zwei Berlinern: Die Studenten Lucas Rauch und Anton Reifferscheid gewannen den 1. Preis, der sich unter anderem mit der Neugestaltung des Washingtoner Platzes mit angrenzender Promenade befasst.
„Wir wussten, an welchem Tag die Jury die Entscheidung trifft und dass die Gewinner immer sofort angerufen werden“, erzählt Reifferscheid. „Das Telefon blieb aber stumm, also waren wir überzeugt, dass wir raus waren.“ Umso größer die Überraschung beim Sieger-Duo am Folgetag.
Die Jury hatte bis spät in die Nacht mit ihrer Entscheidung gerungen, sodass alle Anrufe auf den Folgetag verschoben werden mussten. Platz zwei ging an Frithjof Hamacher und Klaus-Peter Lorenz von der Technische Hochschule Dresden mit ihrem Projekt „Green Horn“. Dritter wurde Quang Huy Le aus München. Rund 80 Prozent der Teilnehmer waren Studenten. „Die mit den ersten drei Plätzen ausgezeichneten Arbeiten konzentrieren sich alle auf die Grünfläche und wie man sie weiterführen und mit dem umliegenden Wohnraum kombinieren kann“, erklärte Baumgarten bei der Preisübergabe. Mit dieser Schwerpunktsetzung handelte die Jury wohl ganz im Sinne des Namensgeber des Preises, der mit insgesamt 12 000 Euro dotiert ist.
Otto Linne (1937 gestorben) war ein bekannter und bedeutender Garten- und Landschaftsarchitekt, der unter anderem für die Gestaltung des Hamburger Stadtparks und eines Teils des Ohlsdorfer Friedhofs verantwortlich war. (bez)
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