Hamburg: Notfalls sofort Hilfe bekommen

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Unter anderem bei Holzarbeiten können die Klienten kreativ tätig werden Fotos: Christa Möller
 
Sozialpädagogin Angelika Kampf

Bei der Rautenberg-Gesellschaft finden psychisch Kranke auch ohne Antragsverfahren Gehör

Von Christa Möller
Hamburg. Die Johann-Wilhelm-Rautenberg-Gesellschaft hilft Menschen mit psychischen Problemen – und das jetzt auch ganz unbürokratisch. In Bill-stedt werden derzeit 55 Klienten betreut, Tendenz steigend. Das Altersspektrum reicht von Anfang zwanzig bis zum Rentenalter; die meisten sind zwischen 40 und 60 Jahre alt. Waren in den Vorjahren Hilfen nur mit einem langwierigen Antragsverfahren über die Sozialbehörde möglich, ist das jetzt anders.

„Jetzt kann jeder zu uns kommen, ohne einen Antrag auf Eingliederungshilfe zu stellen“, sagt Sozialpädagogin Angelika Kampf. Ziel der neuen Vereinbarung mit der Stadt sei, schon im Vorfeld einer psychischen Erkrankung eine weitere Verschlechterung abzufangen. Hierzu gibt es jetzt die psychosoziale Beratung. Auch der Besuch des kostenlosen „offenen Treffs“ (Begegungsstätte, Billstedter Hauptstraße) und die Teilnahme an Gruppenangeboten ist möglich.

„Gleiches gilt für Menschen, die schon einmal Hilfen bezogen haben. Im Rahmen der Nachsorge können diese Menschen die Angebote nutzen“, erklärt der Einrichtungsleiter Hans-Peter Ebsen. Hintergrund: Möglicherweise helfen bereits wenige Gespräche mit den Fachleuten des Vereins sowie der Besuch des offenen Treffs weiter.

Offener Treff

Ist das Problem dagegen sehr komplex, wird wie zuvor das Antragsverfahren eingeleitet, um weitergehende sozialpsychiatrische Hilfen sicherzustellen. Dem Klienten wird dann ein Bezugsbetreuer zur Seite gestellt, wie Angelika Kampf erläutert. Die Sozialpädagogin arbeitet seit 18 Jahren bei der Rautenberg Gesellschaft und ist unter anderem für Informationsgespräche mit Betroffenen zuständig. „Sehr viele sind chronisch depressiv, haben Persönlichkeitsstörungen oder eine schizophrene Erkrankung“, weiß der Psychologe Hans-Peter Ebsen. Psychisch Kranke haben oft Strukturierungsprobleme.

Für Klienten, die Eingliederungshilfe bekommen, ist das Team über ein Krisentelefon in Notsituationen sogar nachts erreichbar. Ebsen ist seit 20 Jahren Ansprechpartner für Erkrankte und seit fünf Jahren Leiter der Einrichtung.
Es arbeiten zur Zeit 13 Fachkräfte (Sozialpädagogen, Krankenpfleger, Ergotherapeuten) am Standort in Billstedt, dazu kommen ein Koch, eine Hauswirtschaftshilfe und eine 450-Euro- Kraft.
Eines der Angebote ist das gemeinsame Kochen in den Räumen der Johann-Wilhelm-Rautenberg-Gesellschaft, die Mitglied des Diakonischen Werkes ist. Des weiteren besteht Gelegenheit zur Teilnahme an Kreativangeboten wie Malen oder arbeiten mit Ton und Speckstein. Im Rahmen eines Arbeitsprojektes - auch für Menschen mit ausgeprägteren psychischen und / oder motorischen Einschränkungen - werden unter anderem zauberhafte Kissen für den trägereigenen Laden „Rosenblatt und Fabeltiere“ in Sankt Pauli produziert. Außerhalb bietet Angelika Kampf eine Bewegungsgruppe in der VHS Billstedt an.

Kontakt zum Team Billstedt der Rautenberg-Gesellschaft per E-Mai:
team.billstedt@jwrg.de oder Tel.: 70 29 60 – 30


Die Rautenberg-Gesell-schaft ist eine gemeinnützige Trägerin mehrerer
Einrichtungen zur sozialpsychiatrischen Rehabilitation - nicht nur in Billstedt. Auch in Sankt Georg und Sankt Pauli gibt es wohnortnahe Angebote für rund 160 psychisch Kranke. Der Verein wurde 1965 ursprünglich gegrün-
det, um Kindern und Jugendlichen helfen zu können. Seinen Namen verdankt er dem Lehrer, Theologen und Gründer der Sonntagsschule in Sankt Georg, Johann Willhelm Rautenberg. Die erste Begegnungsstätte für ambulante sozialpsychiatrische Hilfen in Billstedt entstand 1990.
(cm)
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