Hamburg: Paradies im Wandel

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Die Zeit der steinernen „Behelfshäuser“ neigt sich dem Ende zu

Billerhuder Insel: Steinbauten und Dauerbewohner müssen verschwinden

Von Stefan Dombert
Hamburg. Rund um die Billerhuder Insel liegt eines der größten Kleingartengebiete Hamburgs. Die Insel selbst ist der nördlichste Teilbereich von Rothenburgsort und etwa 38 Hektar groß. Hier genießt man in Ruhe seinen Garten und die Natur. Gemütlich wird es, wenn an lauen Sommerabenden unzählige Grills entzündet werden und sich appetitliche Düfte und fröhliches Gelächter in die Nachtluft schleichen.
Doch zunehmend schleicht sich tagsüber auch Baulärm in die Stille. Der Grund: Immer mehr Steinhäuser müssen abgerissen und durch moderne Holzhäuser ersetzt werden. Während es um einige Steinbauten nicht schade ist, so schwebt doch ein Damoklesschwert auch über verträumten Fachwerkhäusern. Der Grund: Lange wurden die eigentlich in Kleingartenvereinen verbotenen Steinhäuser geduldet. Seit einiger Zeit ist das vorbei.

Behelfsbauten


Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es viel zu wenig Wohnraum und noch weniger Nahrungsmittel, um die Hamburger zu versorgen. Viele Familien haben sich auf der Billerhuder Insel aus Kriegstrümmern ein Dach über dem Kopf gebaut. In den Kleingärten hat man Kartoffeln, Obst und Gemüse angebaut, um die kargen Nachkriegsjahre zu überleben.Viele dieser so genannten Behelfsbauten stehen noch heute. Einigen sieht man die unsachgemäße Errichtung an, andere wiederum sind architektonische Kunstwerke.

Generationswechsel

Nach dem Bundeskleingartengesetz dürfen Lauben maximal 24 Quadratmeter Grundfläche haben. Sie drüfen nicht winterfest sein und nicht dauerhaft bezogen werden können. Deshalb werden die Steinhäuser „ausgewohnt“, das heißt vor einem Pächterwechsel unbrauchbar gemacht und später abgerissen. Immer mehr junge Familien besinnen sich auf traditionelle Werte und entdecken ihre Leidenschaft für Kleingärtnerei. Sie profitieren auch von der Nachverdichtung, wenn zu große Parzellen, die bis zu 1.000 Quadratmeter groß sein können, zu drei Parzellen ausgebaut werden. Diese Maßnahmen bewirken, dass sich das Leben auf der Billerhuder Insel weiter ändert.
Die Zahl der Festbewohner sinkt weiter, und durch die modernen Blockbohlenlauben bekommt das Paradies ein neues Gesicht. Man darf gespannt sein auf die neue Ära – auf die Billerhuder Insel 2.0 gewissermaßen.
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