Hamburg: „Positive Seiten von Billstedt betonen“

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Die Bürger diskutierten engagiert bei der Veranstaltung der Grünen-Fraktion Mitte Fotos: Sichting
 

Grüne: Situation hat sich verbessert. Bei Podiumsdiskussion neue Ansätze aufgezeigt

Hamburg. Billstedt hat einen schlechten Ruf. Diejenigen die hier leben, fühlen sich aber wohl. Sie wollen die vorhandenen Probleme lösen. Unter dem provokanten Arbeitstitel „Sozialer Brennpunkt Billstedt?! Was muss sich in Zukunft ändern?“ lud die Grünen Fraktion Mitte am vergangenen Donnerstag zu einer Podiumsdiskussion in den AWO-Treff Merkenstraße ein. Knapp 30 Billstedter kamen in die Räumlichkeit in der Möllner Landstraße 142. Die Erwartungshaltung war hoch. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung diskutierten einige Besucher lautstark zum Thema.

Jugend fördern

Mit Beginn der Diskussionsrunde wurde deutlich, dass der Wahlkampf für die Bezirksversammlungs- und Europawahl am 25. Mai auf Hochtouren läuft. Neben dem obligatorischen Parteiplakat gab es auch eine Vorstellungsrunde der Grünen-Kandidaten.
In drei Fragerunden konnten die Bürger innerhalb von 90 Minuten Fragen stellen und Missstände aufdecken. „Wir wollten mit den Billstedtern darüber sprechen, was sich ändern muss. Es gibt Probleme, die können wir nicht einfach ignorieren. Das wissen wir als Kommunalpolitiker auch. Wir wollen Anregungen und Lösungsvorschläge bekommen“, leitete Murat Gözay, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Grüner Spitzenkandidat, ein. Und die bekamen sie. „Wir haben an diesem Abend viele positive Aspekte herausgekitzelt. Das ist ganz toll. Unter anderem werden wir uns darum kümmern, weitere Wohnprojekte im Stadtteil zu fördern und offene Veranstaltungsorte für Jugendliche aber auch für
migrantische Familienfeiern ortsnah zu etablieren. Außerdem muss wohl das Angebot der Jugendhäuser verbessert werden, die gastronomische Landschaft gefördert und das Aufbauprogramm Ost als ein wichtiger Aspekt der Infrastrukturförderung angeschoben werden. Den Einwurf einer Besucherin, dass mehr für den Kinderschutz getan werden muss, unterstütze ich ebenfalls“, wertete der Fraktionsvorsitzende Michael Osterland die Wortmeldungen aus dem Publikum aus.

Viele schöne Ecken

Zur Frage des Abends, ob Bill-stedt denn nun noch ein sozialer Brennpunkt ist, kam das Podium erst im letzten Drittel der Veranstaltung. „Wir haben den Titel des Abends ganz bewusst etwas provokant formuliert. Ich glaube, die Situation in Billstedt hat sich wesentlich verbessert. Es gibt halt immer noch einzelne soziale Brennpunkte und natürlich hat Billstedt auch immer noch eine sehr schwache Sozialstruktur“, so Michael Osterburg. „Es gibt aber auch viele positive Seiten im Stadtteil, die viele Bürger gar nicht sehen Die müssen wir verstärkt herausstellen und aufzeigen. Der Rest von Hamburg muss wissen, wie schön Billstedt ist. Neben den Hochhaussiedlungen gibt es hier nämlich sehr viele schöne Ecken. Ja, es gibt eine hohe Aufenthalts- und Lebensqualität. Dazu kommen die Nähe Billstedts zur Innenstadt und der gute U-Bahnanschluss. Die Billstedter müssen selbstbewusster werden“, fordert der Fraktionsvorsitzende. Das sei eine Identitätsfrage, die im Kopf der Einwohner umherschwirrt. „Die einen wohnen in Mümmelmannsberg, die anderen in Kirchsteinbek, in Öjendorf oder in Schiffbek. Wenn man die Menschen fragt, wird keiner sagen, dass er in Billstedt wohnt. Das ist ein Identitätsproblem“, mahnt Osterland. Lothar Knode, sozialpolitischer Sprecher der Grünen, hakte inhaltlich ein: „Man muss von einer Stigmatisierung wegkommen. Armut oder Kriminalität dürfen gar nicht erst mit Billstedt zusammen gebracht werden. Auch nicht in der Politik.“
Billstedt ist ein Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf. Grünenfraktionsvize Gözay „Wir kennen die Statistiken. Wir haben knapp 50 Prozent in der Bevölkerung, die sozial schwach sind. Billstedt ist in den Schlagzeilen immer die Nummer eins oder zwei bei den Negativschlagzeilen. Das prägt unseren Stadtteil. Da sind jetzt auch die Medien gefordert. Der Begriff Sozialer Brennpunkt muss auch mal aus den Schlagzeilen verschwinden. Wir Politiker sind optimistisch, dass wir diesem sozialen Brennpunkt endlich mal einen Ruck geben. Da sind alle Parteien gefordert.“ (ms)
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