Hamburg: Wie lebt es sich im Sonnenland?

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Ali Yasar (28, 2.v.l.), Alexandra Terman (28, 4.v.l.) und ihr Sohn Sami (3, Mitte) leben seit vier Jahren im Sonnenland. Mutter Meryem Yasar (51, links) und Bruder Ufuk (19, rechts) sind vor zwei Jahren nachgezogen. „Wir leben gern hier, weil hier ein nettes und familiäres Miteinander herrscht“

Ein Quartier feiert 50. Geburtstag. Das Wochenblatt hat sich vor Ort umgehört

Von Mai-Britt Wulf
Hamburg. Die Fahrt ins Bill-
stedter Wohnviertel Sonnenland wirkt zwischenzeitlich fast wie ein Ausflug aufs Land. Vorbei an beschaulichen Einfamilienhäusern mit gepflegten Gärten führt die Straße hinab in ein Tal - ins Sonnenland. Dort tauchen Mehrfamilien- und Hochhäuser auf. Teilweise wirkt die Siedlung grau und trist, dann aber auch überraschend grün und lebendig. In fußläufiger Umgebung liegt die Flusslandschaft An der Glinder Au. „Die Siedlung hat einen dörflichen Charakter“, bestätigt Sandy Heimann von der SAGA GWG den ersten Eindruck. „Die Bewohner nennen sich selbst stolz Sonnenländer.“

30 Prozent modernisiert

Zwischen 1960 und 1965 entstand das Quartier im Osten Billstedts, das dieses Jahr sein Bestehen mit einem großen Fest feierte. „Die Unterkünfte hier galten als modern“, erinnert Jürgen Wolff an die Wohnungsnot der Sechzigerjahre. „Damals gab es nicht viele vernünftige Wohnungen in Hamburg“. Der 58-Jährige arbeitet ehrenamtlich für das Stadtteilprojekt Sonnenland und wohnte während seiner Jugend im Sonnenland. Etwa 3.000 Menschen leben heute in den 803 SAGA GWG Wohnungen. Aktuell beträgt der durchschnittliche Quadratmeterpreis 4,83 Euro. Nur noch ein Viertel der Wohnungen sind öffentlich gefördert. „Früher waren es 100 Prozent“, erinnert sich SAGA-Geschäftsstellenleiterin Sandy Heimann. Seit 2008 werden Wohnungen im Sonnenland blockweise modernisiert. Heimann weist daraufhin, dass bis zum nächsten Jahr 30 Prozent der Wohnungen von innen und außen modernisiert wurden.
Der neunzigjährige Rudolf Zander kann sich noch gut erinnern, wie die Siedlung aussah, als er 1962 herzog. Durch die Sturmflut verlor er sein Zuhause auf der Peute. „Damals war das hier alles Rohbau, es gab es noch keine Straßen“, berichtet der Rentner. Zander gehört zu den 44 Jubilaren der Siedlung, die seit 50 Jahren im Sonnenland leben. Sie nutzten damals noch die Straßenbahn nach Billstedt, um ihr Zuhause zu erreichen. Heute gibt es zwar eine Busverbindung, doch viele Bewohner wünschen sich eine bessere Anbindung.
Die Siedlung ist vielen Hamburgern durch negative Schlagzeilen bekannt. Bereits in den Siebzigerjahren galt das Quartier als „Tal der Gesetzlosen“, wie sich Wolff erinnert. Vor einigen Jahren rückte das Sonnenland erneut in den öffentliche Fokus. Medien berichteten von Jugendbanden, die in der Siedlung ihr Unwesen treiben würden. Daraufhin gründete die Polizei die SOKO Sonnenland. „Der Name war unglücklich gewählt“, stellt Jürgen Wolff fest. Kaum einer der Jugendlichen aus diesen Gangs habe im Straßenzug gewohnt. Er sieht die ökonomische Situation vieler Bewohner als Problem: „Die Sonnenländer stehen nicht alle auf der Sonnenseite des Lebens“, sagt Wolff. Denn etwa 60 Prozent der Kinder würden von SGB II Leistungen abhängig sein. Er wünscht sich mehr öffentliche Förderung für das Stadtteilprojekt. So könnten Sozialarbeiter eingestellt werden, die Jugendliche professionell unterstützen können.
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1 Kommentar
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Erich Heeder aus Billstedt | 23.01.2015 | 18:23  
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