Hamburg: Willkommen im Café Ursprung!

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Olaf Steingass, von Beruf Systemadministrator, hilft wie seine Mutter Elke gern im Café-ServiceFotos: Christa Möller
 
Heidi Heucke aus Ammersbek besucht die Gebetsgruppe der Kirche und nutzt die Zeit davor für eine Pause im Café Ursprung

Menschen mit und ohne Behinderung engagieren sich im Stadtteiltreff

Von Christa Möller
Hamburg. Elke Steingass ist im Ruhestand – eigentlich. Dass sie nun die Hände in den Schoß legt, davon kann aber ganz und gar keine Rede sein. Die agile Seniorin hat Freude daran, etwas für ihren Stadtteil zu tun – ebenso wie ihr Mann Jürgen Kasewieter. Beide engagieren sich ehrenamtlich in einem ganz besonderen Stadtteilcafé, dem Café Ursprung in Hamm, ebenso wie weitere fünf Frauen und zwei Männer mit und ohne Behinderungen.
Hier bekommen die Gäste ein umfangreiches Frühstücksangebot, wöchentlich wechselnde Suppen und Salate und einen täglich wechselnden Mittagstisch. Über das Angebot informieren Flyer, die ausgehängt und auch in der Umgebung verteilt werden. „Wir kaufen auch in der Umgebung ein und versuchen, Bio-Lebensmittel zu verwenden“, erläutert Sozialpädagogin Margrit Boje. Kaffee- und Teespezialitäten gehören außerdem zum Angebot.
Kürzlich erst wurden die Öffnungszeiten verlängert, jetzt ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Besonders stolz ist das Team auf die Speisekarte, die auch für Menschen, die nicht sprechen und lesen können, verständlich ist. Das Angebot ist auf bebilderte Kärtchen gedruckt. Und für jeden der kleinen runden Tische gibt es ein anderes Symbol, das sich auf der entsprechenden Speisekarte wiederfindet. So kommt das Bestellte garantiert an den richtigen Tisch, wo die Gäste sich nicht nur das Essen schmecken lassen, sondern je nach Möglichkeit gern auch mal einen kleinen Klönschnack mit der Bedienung genießen. Längst hat das Café-Team einige Stammgäste gewonnen. Und wer möchte, kann den Mittagstisch auch nach Hause nehmen.

Auch wer nicht religiös ist, ist willkommen

Das Café in der Carl-Petersen-Straße 59 entstand vor drei Jahren, als die evangelisch methodistische Christuskirche in Hamm renoviert wurde. Die Kirchengemeinde sorgte für die Möblierung und „wir wurden seitens der Kirche angesprochen, ob wir uns vorstellen könnten, hier in der Rotunde ein Café zu betreiben“, sagt Heilerzieherin Ilse Westermann von der Alsterdorf Assistenz Ost, die unter anderem für Geschirr, Kochtöpfe und Kleidung sorgte. Die gemeinnützige GmbH, ein Dienstleister im Rahmen der Behindertenhilfe, betreibt das Café in Kooperation mit dem Verein WesleyCenter, in dessen Vorstand Jürgen Kasewieter aktiv ist. Das von der Kirchengemeinde gegründete WesleyCenter steht auch Menschen ohne Bezug zum Glauben oder zur Kirchengemeinde offen. Im Rahmen der Bildungs- und Beschäftigungsangebote entstanden vier Stellen, die sich mehrere Menschen mit Behinderungen - überwiegend von der Tagesförderstätte am Schiffbeker Weg - teilen. Einige von ihnen waren schon in einer Konzeptgruppe bei der Café-Planung beteiligt. Dazu kommen zwei hauptamtliche Mitarbeiter sowie ein Praktikant und engagierte Bürger wie eben Elke Steingass, die einmal monatlich im Service aktiv ist. Außerdem übernimmt sie organisatorische Aufgaben und vermittelt beispielsweise zwischen WesleyCenter, Alsterdorf Assistenz Ost und Kirche. Apropos, religiös muss nicht sein, wer hier einen Kaffee trinken möchte. „Wir haben wirklich für jedermann und jederfrau geöffnet“, betont Margrit Boje. „Man muss nicht in der Kirche sein.“
„Am 20. März kochen unsere taiwanesischen Freunde wieder mit uns und für uns“, freut sich Ilse Westermann über den Einblick in eine andere Kultur. Dann wird ein asiatisches Hauptgericht auf der Speisekarte stehen. Sechs bis zehn Frauen und Männer aus Taiwan, die in chinesischen Restaurants in Hamburg arbeiten, zählen zu den engagierten Menschen im Stadtteil, die seit drei Jahren immer mal wieder im Café aktiv sind. Sie waren auch dabei, als im Januar das dreijährige Bestehen mit sechzig Besuchern gefeiert wurde. „Sie sind eine Bereicherung für jedes Fest“, stellt Ilse Westermann fest.

Weitere Helfer gesucht

Weitere Ehrenamtliche werden noch für den Café-Betrieb gesucht – egal, ob einmal im Monat oder häufiger. Wer Spaß an der Zusammenarbeit mit Menschen hat sowie an Dienstleistung und Gastronomie und auch am Anleiten von Menschen mit Handicap, besonders wichtig ist viel Geduld, der sollte sich melden bei Margrit Boje. Sie ist zwischen 9 und 16 Uhr erreichbar unter Telefon 0173 – 249 21 21.
In den Räumlichkeiten des Café Ursprung gibt es außerdem jeden Montag von 16 bis 17 Uhr eine Lebensmittelausgabe der Hamburger Tafel. Außerdem werden hier viermal jährlich Kochkurse für Menschen mit kleinem Einkommen angeboten – gegen einen geringen Kostenbeitrag. Sie dürfen im Anschluss die Zutaten mitnehmen, um das Erprobte Zuhause gleich noch mal nachkochen zu können.

Infos bei Rosemarie Mohr Tel.: 040 – 53 04 88 02
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