Hamburger Zeugin psychisch krank

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Symbolfoto: thinkstock

Mutter von Vorwurf der Kindesmisshandlung freigesprochen

Von Martin Jenssen
Hamburg. Die Vorwürfe waren heftig. In einer Wohnung in der Steinbeker Marktstraße in Billstedt soll die 27-jährige Mutter Sabrina W. (Name von der Redaktion geändert) die Hand ihrer ein Jahr alten Tochter Kassandra in eine geöffnete Kommodenschublade gelegt und die Schublade mit dem Knie kräftig zugestoßen haben, so dass die Finger des kleinen Mädchens eingeklemmt wurden.
Vor dem Amtsgericht St. Georg legte die Staatsanwaltschaft der Mutter deshalb „gefährliche Körperverletzung“ zur Last.

Aussage belastet Mutter

Empört wies die Angeklagte den Vorwurf zurück. „Nie würde ich Hand an mein Kind legen“, beteuerte sie. Angezeigt hatte sie ihre einst beste Freundin Manja M. (46), die diese „brutale Erziehungsmaßnahme“ mit eigenen Augen gesehen haben will. Die Zeugin: „Die Mutter hatte dem Kind verboten, an den Schubladen herumzuspielen. Doch die Kleine hörte nicht. Da sagte die Mutter: Jetzt ist Schluss und schubste die Schublade zu. Das Kind schrie Mama Mama, nein, aua aua aua!“
An einem Montag im Dezember 2012 oder im Januar 2013 soll dieser Übergriff auf das Kind passiert sein, zu einer Zeit, als Sabrina W., nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten, ihr Leben nicht mehr ganz im Griff zu haben schien. Zeugin Manja M.: „Die Wohnung war unaufgeräumt. Das Kind war ständig wund und bekam Backpfeifen von ihrer Mutter“. Um Mutter und Kind zu helfen, habe sie dann die Betreuung von Kassandra übernommen.
Warum sie zugelassen habe, dass sich die Nachbarin um Kassandra gekümmert habe, will der Richter von der Angeklagten wissen. „Sie hat damit gedroht, dass sie gute Beziehungen zum Jugendamt hatte“, erklärt die junge Mutter.

Zeugin leidet unter krankhaftem Zwang

Erst im September vergangenen Jahres holte Sabrina W. ihre Tochter Kassandra wieder nach Hause. Kurz danach die Anzeige von Manja M. bei der Polizei. Sabrina W.: „Sie war böse auf mich, wollte die Kleine behalten.“ Noch während der Zeugenvernehmung von Manja M. bekommt der Richter einen Hinweis, dass die Zeugin eine schwerkranke Frau ist. Nach Medizinerangaben leidet sie an „Pseudologia phantastica“, einem krankhaften Zwang, ständig zu lügen. Diese Erkenntnis verkürzt die Verhandlung: Sabrina W. wird freigesprochen. Der Richter in der Urteilsbegründung: „Was wirklich gewesen ist, wissen wir nicht. Aber es gibt die Erkenntnis, dass Gefahr nicht nur von Straftaten, sondern auch von falschen Verdächtigungen ausgeht.“
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