Hamburgs Straßenbahn? In Dänemark!

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Dieser Hamburger Straßenbahntriebwagen fuhr die allerletzte Fahrt im Jahr 1978. Heute kann er in einem dänischen Museum besichtigt werden Foto: Klaus Tüpker
 
Klaus Tüpker und Scott Feder (l.) verstehen eine Menge von Nahverkehr Foto: Frank Berno Timm

Die Initiative „Pro Stadtbahn“: Auf den Spuren norddeutscher Bahn-Geschichte. Festhalten an alten Schienenplänen

Von Frank Berno Timm
City/Hamm
Sie wissen ganz genau, wo in Hamburg mal die Straßenbahn unterwegs war. Die Mitglieder der Initative Pro Stadtbahn pflegen noch existierende Bahnen in Museen, kennen Spuren des früheren Betriebes und fordern bis heute, die Straßenbahn als Stadtbahn wieder einzuführen. Klaus Tüpker ist begeistert: Auf seinem Smartphone hat er Fotos aus einem dänischen Straßenbahnmuseum gespeichert. Immer wieder fährt er dorthin, um an der Restaurierung der Trieb- und Beiwagen zu arbeiten. Scott Feder kennt sich nicht weniger gut aus: Mühelos zählt er auf, wo sich heute noch Reste von Schienen in Hamburger Straßen finden: die Carl-Petersen-Straße in Hamm zeige Schienenspuren, in der Straßburger Straße (Dulsberg-Nord) sind sogar noch Gleise zu sehen, der Lattenkamp, die Gärtnerstraße werden ebenfalls genannt. Jens Ode weiß, dass im Billhorner Röhrendamm „alles voller Schienen“ war und nach wie vor an vielen Stellen in der Stadt Straßenbahnspuren zu finden sind. Thomas Müller ist der Vierte im Bunde: Zusammen mit seinen Kollegen von der Initiative pro Stadtbahn rechnet er zusammen, wie viele Hamburger Straßenbahnwagen, die auch noch fahren können, erhalten sind: In dem dänischen Museum auf der Insel Seeland sind es drei und ein so genannter Salzbeiwagen; dazu komme eine so genannte PCC-Straßenbahn, die ebenfalls einmal probeweise in Hamburg unterwegs war. Im Museum Schöneberger Strand kommen die Experten auf drei Hamburger Straßenbahnwagen, ein weiterer steht in Wehmingen, ist aber, wie man im Fachdeutsch sagt, „nicht betriebsfähig“. Die Frage, ob im heutigen Hamburger Nahverkehr nicht Tangentialverbindungen fehlten, beantwortet Thomas Müller mit einem Ja. Und die Männer erinnern an ihre Studie „Chancen einer Stadtbahn in Hamburg“, mit der sie ein Netz vorgeschlagen hatten, dass 100 Kilometer Stadtbahn umfassen und 24 U- bzw. S-Bahnhöfe miteinander verknüpfen würde. Bitter registrieren die Männer, dass das Stadtbahn-Thema kaum vor Ende der laufenden Legislaturperiode wieder aufgegriffen werden könne, auch die Hochbahn müsse sich nach politischen Vorgaben richten. Auch bei der demnächst fertig werdenden Elbphilharmonie fehle eine richtige Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr. Die Leute, sagt Jan Ode, nutzten immer das existierende Netz: „Es fehlen in Hamburg 200 Kilometer Schiene“. Mit einer Stadtbahn sei es möglich, Ströme innerhalb des Netzes umzulenken; stattdessen, finden sie, werde das Bussystem „auf Ecke“ gefahren, steigende Fahrgastzahlen könnten „nicht mehr abgearbeitet“ werden. Die letzten Stadtbahnpläne in Hamburg seien „fast planfestgestellt“ gewesen, erinnert sich die Gruppe. Allein schon die letzte Strecke der 1978 eingestellten Straßenbahn, auf der heute der Metrobus 5 unterwegs ist, würde sich rentieren. Zu Hamburgs wichtigen Straßenbahn-Kennern gehört auch Horst Buchholz. Alle Metrobuslinien, sagt er am Telefon, hätten das Potenzial für Straßenbahnen. Dass nach Wandsbek und Billstedt U-Bahnen fahren, seien erstmal Fakten. Dennoch: Die „alte Strecke durch die Sievekingsallee“, eine Bahn von Billstedt über Wandsbek nach Barmbek – beides fände Buchholz sinnvoll.
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