Hamm in der „Franzosenzeit“

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Pastor Johannes Kühn vor dem Gedenkstein „Franzosenzeit“ auf dem alten Hammer Friedhof. Im Hintergrund das Sieveking-Mausoleum

Buch erinnert an die harten Tage der Besatzung. Lesung am 23. Oktober

Hamburg/Hamm. Die Soldaten Napoleons und bitterkalter Frost machte den Hamburgern in Winter 1813/14 das Leben zur Hölle. Viele Soldaten und Tausende Bürger starben durch Typhus, Hunger und Kälte. An die schlimmen Monate, die die Hamburger - und vor allem die Bürger in Hamm - vor 200 Jahren durchlebten, erinnert eine Veranstaltung, die am 23. Oktober im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Hamm stattfindet. Die Historikerin Gabriele Hoffmann wird aus ihrem Buch „Die Eisfestung - Hamburg im kalten Griff Napoleons“ lesen.
Wut und Verbitterung herrschte in Hamburg schon im November 1806. Damals wurde die Stadt von 2.600 Soldaten besetzt. Das Leben wurde extrem teuer, denn die Hamburger mussten Wohnungen und Lebensmittel für die Truppe Napoleons zur Verfügung stellen
Vororte niedergebrannt
Im Januar 1811 wurde die Stadt als Teil des „Département des Bouches de l‘Elbe“ (Departement der Elbmündung) in das französische Kaiserreich eingegliedert. Nach dem gescheiterten Russlandfeldzug zogen 40.000 französische Soldaten in die Stadt. Der berüchtigte Marschall Louis Davour regierte mit grausamer Härte. Er machte aus der Hansestadt eine Festung. Seine Soldaten sollten die russische Armee stoppen und gleichzeitig 100.000 aufgebrachte Hamburger Bürger in Schach halten.
Vor den Toren der Stadt brannten die Franzosen alle Gebäude, Bäume, und Hecken nieder, um freies Schussfeld zu erhalten. Auch alle Häuser in Hamm, ausgenommen
die Kirche, gingen in Flammen auf. Aus Pferdemist, Eis
und Schnee ließ Davour Mauern und Schanzen bauen. Er
befahl, dass alle Hamburger, die sich nicht selbst mit Lebensmitteln versorgen konnten, die Stadt verlassen mussten. Eine seiner grausamsten Aktionen: Am Heiligabend ließ er noch einmal in allen Wohnungen die Vorräte kontrollieren. Über 1.800 Menschen wurden daraufhin in der Heiligen Nacht in die Petrikirche gesperrt und am Weihnachtsmorgen bei klirrendem Frost aus der Stadt getrieben. Man schätzt, dass damals insgesamt über 30.000 Menschen Hamburg verlassen mussten. Johannes Kühn, Pastor der Dreifaltigkeitskirche, erzählt: „Viele davon, auch die Bürger aus Hamm, fanden Unterkunft in der Hammer Kirche oder in Zelten und Gräbern auf dem Friedhof.“ Ein Gedenkstein auf dem Hammer Friedhof erinnert an die Opfer der „Franzosenzeit“ in Hamburg. Es war einer der ersten Gedenksteine in Deutschland, der für einfache Bürger errichtet wurde.
Als 1814 die weiße Fahne vom Michel wehte
Erst im Frühjahr 1814 verließen die Franzosen Hamburg. Am 9. April 1814 wehte mittags vom Turm der St. Michaeliskirche die weiße Fahne. Wer mehr über die „Franzosenzeit“ in Hamburg und Hamm erfahren möchte, sollte sich die Lesung im Gemeindehaus, Horner Weg 17, nicht entgehen lassen. Beginn 19.30 Uhr. Eintritt: Fünf Euro. Anmeldungen bei der Buchhandlung Seitenweise, Tel.: 201203. (je)
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