Hier haben die Mädchen das Sagen

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Im Mädchentreff Mümmelmannsberg wird gechillt, gekocht, genäht. Ein Schwerpunkt ist die Suchtprävention Foto: Mädchentreff Mümmelmannsberg
 
Petra Alpsoy leitet den Mädchentreff Mümmelmannsberg Foto: Christa Möller

Im Mädchentreff Mümmelmannsberg wird gechillt, gekocht, genäht. Ein Schwerpunkt ist die Suchtprävention

Von Christa Möller
Mümmelmannsberg
Die Räume sind nicht groß, aber hell und freundlich, und sogar einen kleinen Gemüsegarten gibt es – mit Gurken, Kohlrabi, Kräutern. Im Untergrund wohnen eine Maus und ein Maulwurf. Eine „normale“ Wohnung verbirgt sich allerdings nicht in dem Haus an der Straße Heideblöck 20 a in Mümmelmannsberg. Hier befindet sich seit zwölf Jahren der Mädchentreff vom Suchtpräventionsverein „Lass 1000 Steine rollen“, den Sozialpädagogin Petra Alpsoy leitet. Seit 15 Jahren gibt es den Mädchentreff, der auch Anlaufstelle für ratsuchende Mädchen ist (Beratungstermine nach Absprache). Zusätzlich gibt es Gruppenangebote, Workshops, Veranstaltungen und Ferienprogramme. „Meine Vorgängerin, Silke Moritz, hat das ganz toll aufgebaut, sehr mädchenarbeitsorientiert, sehr gut durchdacht“, lobt Petra Alpsoy deren Einsatz. Wer will, kommt einfach zum offenen Treff (dienstags 14 - 19 Uhr, donnerstags und freitags 14 - 18 Uhr).

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Petra Alpsoy betreut die jungen Besucherinnen als einzige Vollzeitkraft und wird von Honorarkräften unterstützt. „Ich versuche, dass wir immer doppelt besetzt sind, was mit den Mitteln aber nicht klappt“, bedauert sie. „Bei uns finden Angebote statt, die ich mit anderen Mitteln finanziere, oder ich werbe andere Projekte ein“, sagt sie mit Blick auf das Gartenprojekt, das quasi ein Biologieunterricht sei: „Selbst pflanzen, pflegen – und erfahren, wo die Lebensmittel herkommen, wie sie schmecken, wie sie riechen. Sehen, dass sie nicht bei Aldi wachsen, sondern in der Erde!“ Was da so alles wächst, kommt gelegentlich auch in den Topf und wird gemeinsam gegessen.“ Zwischen acht und Anfang 20 Jahre sind die Mädchen alt, die zum Treff kommen. Fast alle wohnen in Mümmelmannsberg. Petra Alpsoy weiß: „Schüler haben einen langen Tag. Die Kinder, die in der Ganztagsschule sind, wollen gern frei haben im Kopf.“ Sie genießen es, Freundinnen zu treffen und kommen gern einfach nur zum Chillen, haben aber auch Spaß am Basteln oder gehen in den Garten. Gern bringen sie auch eigene Ideen ein.

„Wenn die Mädchen sich gut fühlen und gestärkt sind, ist das die beste Suchtprävention, die wir machen können.“ Petra Alpsoy

Etwa 80 Mädchen gehören zu den Stammbesucherinnen. „Manche kenne ich schon über zehn Jahre.“ Zwei Mädchen unterstützen den Mädchentreff inzwischen als Honorarkräfte, eine studiert auf Lehramt, die andere ist im Freiwilligen Sozialen Jahr. Neben dem offenen Treff nutzen mehrere Gruppen die Räume, so etwa die Grundschule Rahewinkel. Es gibt eine Schularbeitengruppe, für die Petra Alpsoy mittwochs kocht. Im Mädchentreff gibt’s aber auch Infos zur Berufsorientierung. Bücher und Spiele stehen bereit,manchmal geht’s gemeinsam zur Bücherhalle. Auch an der Renovierung der Räume haben sich die Besucherinnen gern beteiligt. Sehr beliebt ist übrigens die Nähgruppe. Schwerpunkt ist allerdings die Suchtprävention. Wichtig sei: „Kenne dein Limit, kenne dich selbst“, betont Petra Alpsoy. Im Mädchentreff gilt ohnehin: „Kein Alkohol, keine Drogen“. Die Sozialpädagogin erklärt: „Wenn die Mädchen sich gut fühlen, wenn sie gestärkt sind, ist das die beste Suchtprävention, die wir machen können.“ Bei der Suchtprävention wird sie unterstützt von Kolleginnen aus anderen Einrichtungen. Zum Vormerken: In den Herbstferien findet beim Träger Trockendock in Barmbek eine suchtpräventive Veranstaltung für Mädchen statt: am 21. Oktober für Mädchen ab acht Jahren und am 22. Oktober für Mädchen ab 14.

Sie kommen freiwillig und gern


In Planung ist derzeit ein Graffity-Projekt, das von der SAGA GWG und dem Aktiv Fonds unterstützt wird. Die Leiterin des Mädchentreffs würde sich über Unterstützung durch eine festangestellte Kollegin freuen. „Das ist besser für die Qualität und für den Austausch“, meint die 40-Jährige, die sich trotz der begrenzten Räumlichkeiten hier wohl fühlt. Dazu tragen auch die netten Nachbarn bei – und nicht zuletzt natürlich die Mädchen. „Das ist der Reiz dieser Arbeit: Sie kommen freiwillig, und sie kommen gern.“

Infos unter 716 10 05. Oder im Internet : www.1000-steine.de
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