Jetzt droht die Abschiebung

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Schicksal einer Roma-Familie sorgt für Aufregung

Von Mike Neschki
Billstedt. Das Schicksal der serbischen Roma-Familie Racipovic aus Billstedt hat in den vergangenen Tagen für einige Aufregung gesorgt. Mitarbeiter der Ausländerbehörde hatten der Familie mitgeteilt, dass ihrem Asylantrag nicht stattgegeben werde. Grund für die vermehrte Berichterstattung war unter anderem die Tatsache, dass die beiden jüngeren Kinder Selenora (16) und Usko (15) von Senator Ties Rabe (SPD) als Musterbeispiel für Integration ausgezeichnet wurden. Während der Auszeichnung demonstrierten Mitschüler gegen die Abschiebung ihrer Klassenkameraden. Dieses Einzelschicksal ist bitter und macht traurig, und die Chancen – vor allem der Kinder – dieser Familie auf ein normales Leben sinkt, weil ein Roma, so heißt es, in Serbien keine Arbeit bekommt. Fakt aber ist, dass es nach deutschem Recht für die Familie Racipovic keine Möglichkeit gibt, in Deutschland zu bleiben. Der Vater, Boban Racicpovic, der als Vierjähriger zusammen mit seinen Eltern 1974 nach Deutschland emigrierte und hier seine Schul- und Lehrzeit verbrachte, ging 1988 freiwillig zurück nach Serbien und heiratete dort seine heutige Frau Slobodanka. Damit verwirkte er seine Aufenthaltsgenehmigung. Nach den Kriegswirren zwischen 1991 und 1997, die die gesamte Familie als Kriegsflüchtlinge wieder in Deutschland führte, kehrten sie nach Serbien zurück und lebten dort 13 Jahre lang. Zwischenzeitlich erkrankte der Vater Boban an Lymphdrüsenkrebs. Da es aber für Roma-Familien in Serbien keine Krankenversicherung gibt, musste Bobans Vater, der immer noch in Deutschland lebt, die Kosten von 9000 Euro dafür aufbringen. 2010 brach der Krebs erneut aus. Die einzige Chance auf Heilung waren deutsche Ärzte und der Umstand, dass Asylanten in Deutschland Krankenversichert werden. Im Oktober 2011 galt er als geheilt und sollte Deutschland wieder verlassen. Die Behörde gab der Familie aber die Möglichkeit, ihre beiden jüngeren Kinder das Schuljahr beenden zu lassen. Am 20. Juli muss die Familie das Land verlassen haben. Ansonsten droht ihnen eine Zwangsausweisung, die Vater Boban unbedingt verhindern will, da er sonst nicht mehr nach Deutschland zurückkehren darf. Wie dies gelingen kann ist noch ungeklärt, da die Familie weder das Geld noch ein Auto besitzen, um in ihre Heimat Serbien zu fahren zu können. Staatliche Hilfe ist in diesem Fall nicht mehr zu erwarten. (mn)
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