Jubiläum mit Schattenseiten

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Harald Scheinhardt mit Roboter-Bienchen Foto: mdt
 
Olaf Scholz neben der Wacken-Bühne auf der 120-Jahr-Feier Foto: mdt

Weiterbildungsträger Grone feierte 120-jähriges Bestehen. Gewerkschaft kritisiert „Befristungswahn“

Von Marco Dittmer
Hammerbrook
Die Hamburger Grone-Stiftung zählt zu den größten Weiterbildungsträgern in Deutschland. Bei der Feier zum 120-jährigen Bestehen konnte Vorstandsmitglied Achim Albrecht am vergangenen Donnerstag beachtliche Zahlen präsentieren. So pauken täglich 12.500 Menschen an mehr als 100 Bildungszentren in Deutschland für Beruf und Karriere. Darunter einige Schüler und Berufstätige der Großteil der Teilnehmer sind aber Arbeitssuchende die durch Zusatzqualifizierungen ihre Chancen am Arbeitsmarkt verbessern wollen. Mittlerweile arbeiten mehr als 1000 Mitarbeiter in 35 Tochtergesellschaften in 13 Bundesländern. Viele von ihnen waren zur Feier in das Grone-Hauptquartier an den Mittelkanal in Hammerbrook gekommen. Es gibt aber auch andere Zahlen. Vertreter von ver.di verteilten unter den feiernden Gästen Infoblätter und machten auf die vielen prekären Arbeitsplätze bei Grone aufmerksam. Laut der Gewerkschaft arbeiten von rund 1000 Mitarbeitern mehr als die Hälfte mit einem befristeten Arbeitsvertrag, in einigen Tochtergesellschaften sind es sogar 80 bis 90 Prozent. Zudem unterliegen nur vier Prozent der Angestellten einem Tarifvertrag. „Ich fordere die Grone- Stiftung auf, den Befristungswahn im Konzern zu beenden und den Beschäftigten eine sichere Perspektive zu geben. Der Löwenanteil der Arbeitsverhältnisse muss entfristet werden,“ sagt Roland Kohsiek von ver.di.

Kursleiter abhängig von Kurs-Finanzierung


Harald Scheinhardt arbeitet seit September 2014 für die Grone-Stiftung. Der 43-jährige Metallbaumeister leitet einen der vielen Weiterbildungskurse der Grone-Schule. Sein Seminar richtet sich an schwervermittelbare Jugendliche in Lübeck, die in einem 3,5-jährigen Kurs Metallkunde und -verarbeitung pauken, der Abschluss ist mit einer Schlosserausbildung vergleichbar. Obwohl Scheinhardt zusätzlich noch einen Robotik-Kurs an einer weiterführenden Schule anbietet, hat er keinen unbefristeten Arbeitsvertrag. Sein Arbeitsplatz bei Grone hängt direkt mit der Finanzierung seiner Kurse durch die Arbeitsagentur zusammen. Läuft die aus, endet auch sein Vertrag. Auch wenn sich Scheinhardt einen unbefristeten Arbeits-vertrag wünscht, „in der Branche sind befristete Anstellungen die Regel“, sagt der Metaller. Während die Bildungsträger die zeitliche Beschränkung der Weiterbildungsmaßnahmen durch die Arbeitsagenturen dafür verantwortlich machen, sieht Knut Böhrnsen von der Hamburger Arbeitsagentur einen zunehmenden Wettbewerb als Ursache für die Arbeitsbedingungen.

Fast 59 Millionen. Euro für Weiterbildung


Allein die Arbeitsagentur und das Jobcenter in Hamburg geben in diesen Jahr 58,8 Millionen Euro für Weiterbildungsmaßnahmen aus, ähnlich dem Vorjahresniveau. Mit dem 3,5-jährigen Metallkurs hat Harald Scheinhardt offenbar noch Glück gehabt. Für Karsten Voigt und Rainer Gülker aus Osnabrück ist schon im August Schluss. Die beiden pädagogischen Mitarbeiter betreuen einen Kurs für Langzeitarbeitslose. „Es geht darum, geregelte Tagesabläufe zu festigen“, Voigt. Der 44-Jährige steht neben einem Modell der Wacken-Haupttribüne. Von November bis Mai haben die Teilnehmer an der detailgenauen Nachbildung gearbeitet, es gibt sogar eine Nebelmaschine und einen VIP-Bereich. Das beeindruckte auch Bürgermeister Olaf Scholz, der bei der Feier sprach. „Weiterbildung gilt als Hoffnungsträger, um den drohenden Fachkräftemangel entgegenzusteuern.“

Info:
Die Grone-Stiftung gehört mit 100 Bildungszentren zu den größten privaten Bildungsträgern in Deutschland. Heinrich Grone gründete die Schule 1895 im Alter von 27 Jahren. Damals wurden Hunderte Kaufmänner in Hamburgs Kontoren gebraucht. 1964 wurde die Schule in eine Stiftung umgewandelt. Heute bietet Grone Tausende Weiterbildungen in vielen Branchen an. Weitere Informationen: www.grone.de
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