Junge Ideen für Osterbrook-Viertel

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Angelika Günther, Ina Bornholdt und Nicola Schmidt haben das „Billeforum“ geplant Foto: Christa Möller
 
Inzwischen gibt es sogar eine StadtRAD-Station im Osterbrook-Viertel Foto: Möller

Auszubildende für Konzept ausgezeichnet: Wie das „Billeforum“ den Stadtteil verbessern könnte

Von Christa Möller
Hamm
Das Osterbrook-Viertel an der Bille im Süden von Hamm hat seinen ganz besonderen Reiz – trotz unmittelbarer Nähe zahlreicher Gewerbeflächen. Es liegt citynah, bietet viel Grün und Wasser und hat seit 2009 sogar ein Schloss: das von der Baugenossenschaft Freier Gewerkschafter eingerichtete Nachbarschaftszentrum „Elbschloss an der Bille“. Viele Erstbezieher leben seit den Fünfziger Jahren hier, aber auch junge Familien lockt das Wohngebiet mit guter Busanbindung. Seit kurzem gibt es am „Elbschloss an der Bille“ sogar eine Station von „StadtRad“. Was hier fehlt und wie sich das ändern ließe, haben drei junge Frauen im Rahmen eines Berufsschulprojekts zu Papier gebracht: Ärzte, Apotheke, Discounter...
Für ihre 30-seitige Arbeit nebst Anhang wurden Angelika Günther, 27, Ina Bornholdt und Nicola Schmidt, beide 22, mit einem Zertifikat der Berufsschule ausgezeichnet. Die zehn besten der insgesamt 60 Arbeiten waren beim Immobilienverband Deutschland IVD Region Nord eingereicht worden. Die drei angehenden Immobilienkauffrauen bekamen sowohl für ihre Präsentation als auch für die Ausarbeitung ein „sehr gut“ und erreichten somit den 1. Platz. Dafür gab’s vom IVD eine Urkunde und einen Scheck über 700 Euro. Das Geld können die drei Auszubildenden gut gebrauchen, so spart beispielsweise Nicola Schmidt für ihren Umzug. „So eine Urkunde ist schon was Gutes in unserer Branche“, freut sie sich außerdem mit ihren Mitschülerinnen über die Auszeichnung.
Die Projektarbeit war umfangreich, galt es doch, viel zu recherchieren und in der Gruppe abzusprechen. „Und wir mussten gucken, dass sich alles auch flüssig liest“, sagt Angelika Günther mit Bezug auf die Zusammenfassung. Insgesamt ein halbes Jahr arbeiteten die drei an dem Projekt. Sie fragten 50 Anwohner im Viertel, was sie sich für ihr Wohngebiet wünschen, „an verschiedenen Tagen, zu unterschiedlichen Uhrzeiten, um eine breite Masse zu erwischen“, wie Nicola Schmidt betont.
Dann erarbeiteten sie, was sich wie verwirklichen ließe. Das Ergebnis floß ein in ihr Konzept für ein – rein fiktives – Nahversorgungszentrum, das „Billeforum“, am Kreisel gegenüber dem Hotel. „Dabei haben wir darauf geachtet, dass Elbschloss und Billeforum in Kooperation miteinander stehen.“ Denn auch kulturell hat das „Billeforum“ einiges zu bieten, so schlagen die Berufsschülerinnen beispielsweise unter dem Motto „Tausendundeine Nacht“ einmal monatlich eine kulinarische Begegnung der Nationen vor. Vorgesehen sei auch eine Bücherbörse, wo Bücher abgegeben und gegen geringes Entgelt ausgeliehen werden, wie Angelika Günther erzählt. Auf dem Grundstück könnten außerdem Flohmärkte, Weißes Dinner, Freiluftkino und Nachbarschaftsfeste stattfinden. Aufgrund der Nähe zum Kanal sind zur Wasserseite ein Café und ein Restaurant denkbar.

Mit Wasser-Taxi zum Billeforum


„Es soll ein Ort sein, wo man sich gern aufhält, der das Miteinander stärkt“, bringt Ina Bornholdt die Projektidee auf den Punkt. Dabei beziehen die Planerinnen das umliegende Wasser kreativ mit ein: „Mit dem Wasser-Taxi“, sagt Nicola Schmidt, ist das Billeforum erreichbar.“
Möglich macht das die ideale Lage des fiktiven Zentrums am Südkanal. Nicht zuletzt aufgrund der zukunftsweisenden Ausarbeitung wurde die Projektidee „Billeforum“ prämiert. Rechtliche und wirtschaftliche Aspekte sind dabei nicht berücksichtigt worden, damit befassen sich nun das Bezirksamt Mitte sowie die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, denen die Ausarbeitung weitergeleitet wurde. Dass der Bedarf an Ärzten und Nahversorgung steigen wird, steht für Nicola Schmidt und ihre Mitstreiterinnen außer Frage: „Wir sind davon ausgegangen, dass das Viertel noch mehr wächst.“ Dafür steht das Konzept „Stromaufwärts an Elbe und Bille – Wohnen und urbane Produktion in Hamburg-Ost“ von Bezirksamt und Behörde, das Wohnen und Arbeiten in den Quartieren stärker zusammenrücken will.
Während Nicola Schmidt das Viertel bereits durch ihren Ausbilder kennt, die Baugenossenschaft Freier Gewerkschafter, war das Gebiet für Angelika Günter und Ina Bornholdt zuvor Neuland. Sie haben jetzt „das Osterbrook-Viertel neu entdeckt und stellen fest: „Es ist gar nicht so unattraktiv, hier zu wohnen, es ist ländlich ruhig trotz der Nähe zur Innenstadt.“ Alle drei wollen nach ihrer im Januar endenden Ausbildung weiter in der Immobilienbranche arbeiten. Nicola Schmidt möchte am liebsten in einer Genossenschaft bleiben, „weil der soziale Aspekt für mich eine wichtige Rolle spielt.“
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