Junge Soldaten engagieren sich

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Die Bundeswehr-Studenten Janet Watson (l.) und Elizabeth Rupprath mit einer Büste des Namensgebers ihrer Uni Foto: fbt

Studenten bieten Projekte in Zentraler Erstaufnahme gegenüber der Helmut-Schmidt-Uni an

Von Frank Berno Timm
Horn/Wandsbek
Junge Frauen und Männer, die an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr (HSU) studieren und in der Hanseaten Kaserne Horn leben, kümmern sich um Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft. Jetzt haben sie bei der Bezirksversammlung Zuschüsse für ihre Projekte beantragt. Das Hamburger Wochenblatt traf zwei junge Frauen, die von Anfang an dabei waren. Ein hoher Zaun mit Schranke und Wärterhäuschen, dahinter Container in zwei Etagen. Die Zentrale Erstaufnahme am Holstenhofweg beherbergt Flüchtlinge – so gut es eben geht in den Containern, neben einer Schule und gegenüber der Helmut-Schmidt-Universität. Zwei junge Frauen steigen aus einem Auto. Es sind Janet Watson und Elizabeth Rupprath, die beiden Soldatinnen studieren Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der HSU. Das Unigebäude auf dem Campus ist am Wochenende verlassen. Die beiden berichten von ihren Hilfsprojekten, die seit Oktober 2014 laufen. „Wir wollen einfach helfen“, erinnert sich Janet Watson. Das erste größere Projekt sei eine große Kleidersammlung gewesen, da seien „Massen zusammengekommen“. Die Bundeswehr-Studenten sortierten die Spenden, gaben sie in die ZEA und auch an weitere Sammelstellen in der Stadt. Schnell wollten sie mehr: Nun holen sie einmal im Monat sechs- bis elfjährige Kinder mit je einer Begleitperson ab und gehen in die Räume der evangelischen Militärseelsorge, um mit den Kindern zu spielen. Die Jungs kicken mit den Großen auf der Wiese, es gibt eine Spielkonsole und verschiedene Gesellschaftsspiele – am Ende gibt es Pommes alle. Zwischen 15 und 20 Kinder kommen regelmäßig. Sie werden von zehn bis zwölf Soldaten betreut – „ein Kind mehr oder weniger macht den Kohl auch nicht fett“, ist die Devise, wenn jemand spontan mitkommen will. Am Anfang, erinnern sich die beiden Frauen, hatten sie noch afghanische Süßigkeiten als Spende für die Kinder dabei. Natürlich, sagt Elizabeth Rupprath, werde für das leibliche Wohl der Kinder und Er-wachsenen gesorgt; meistens sind es Syrer und Afghanen, notfalls verständigen sich alle mit Händen und Füßen. Beim zweiten Projekt, von dem die Frauen berichten, dreht sich alles um interkulturelles Kochen. Diese Veranstaltung findet ebenfalls einmal im Monat statt. Sie kaufen dafür mit den Frauen ein, die dann – wieder bei der Militärseelsorge – gemeinsam kochen. Zum Essen werden Männer und Kinder dazu geholt. Wenn alle miteinander essen herrscht „immer eine super Atmosphäre“. Den Frauen, sagt Janet Watson, „fällt die Untätigkeit schwer“, sie vermissten es, für ihre Familie sorgen zu können – in der ZEA liefert ein Caterer das Essen. Die Reaktionen sind eindeutig: „Die Dankbarkeit ist überwältigend“, sagt Elizabeth Rupprath. Inzwischen hat der studentische Konvent der HSU längst umfangreiche Aktivitäten entwickelt: Es gibt Schwimmunterricht, Laufgruppen, Deutschunterricht am Sprachzentrum.

„Faszinierendes Engagement“


Die Frage, was das alles mit ihnen mache, beantworten die beiden sehr klar. Während Elizabeth Rupprath sagt, sie nehme die Medienberichterstattung über Flüchtlinge viel kritischer wahr, besonders dann, wenn Flüchtlingen Straftaten unterstellt würden, meint Janet Watson, es fasziniere sie, was man mit 20 bis 30 Stunden Engagement im Monat alles erreichen könne. „Es sind Kleinigkeiten, die glücklich machen“, ihre interkulturelle Kompetenz sei definitiv erweitert worden, sagt Janet Watson, die nach Ende ihres Studiums wie ihre Kollegin weiter in der Bundeswehr dienen wird.

Antrag auf Unterstützung


Seit Ende 2015 hat die HSU-Studentenschaft ihre Aktivitäten auf die ZEA Oktaviostraße ausgedehnt – für sie beide komme es am Ende ihres Studiums darauf an, Nachfolger für ihre Arbeit zu finden. Demnächst könnte das Engagement der Studenten auf neue Füße gestellt werden. Im Hauptausschuss der Bezirksversammlung stand jetzt ein Antrag auf der Tagesordnung, der den Soldaten der Hanseaten-Kaserne, die sich neben ihrem Studium seit zwei Jahren für Flüchtlinge einsetzen, 3.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Die Entscheidung fiel nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe.

Weitere Infos: konvent@hsu-hh.de
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