Keine „Straso“ mehr für Horner Geest

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Das „Straso-Büro“ ist aktuell geschlossen Foto: fbt

Büro der Straßensozialarbeiter ist geräumt. Perspektiven werden laut Bezirk Mitte „entwickelt“

Von Frank Berno Timm
Horn
Das Büro der Jugend- und Straßensozialarbeiter an den Kroogblöcken wirkt leer. Bestehende Angebote sollen von anderen Einrichtungen weitergeführt werden. Wie es aber wirklich weitergeht, scheint im Moment ziemlich offen zu sein.
Hier, am „Straso“-Büro im Hochhaus Kroogblöcken 44, hat der Betrieb aufgehört. Die Räume sind ausgeräumt. An der Tür ein Zettel: Die „Straso“ sei „leider längerfristig geschlossen“, man solle sich an andere Beratungsstellen wenden, ein paar Telefonnummern sind aufgeführt. Die Website der Straßensozialarbeit ist noch erreichbar. „Außerdem wird versucht, die Lebenssituation der jungen Menschen in ihrem Stadtteil zu verbessern, indem wir bei Konflikten vermitteln und Projekte wie Midnight-Basketball und eine Inlineskatebahn an der Horner Rennbahn realisieren“, ist dort noch zu lesen. Das Büro der Straßensozialarbeit wird zum Jahresende gekündigt. „Der Quartiersbeirat auf der Horner Geest missbilligt diese Situation ausdrücklich und fordert die Wiederbesetzung der beiden Stellen, wenn nötig auch durch einen freien Träger“. Diese Sätze „wanderten“ in den letzten Wochen durch die Ausschüsse der Bezirksversammlung, offensichtlich vergeblich.
Das Bezirksamt Mitte schreibt in einer Stellungnahme zur Empfehlung des Quartiersbeirats, die „Straso“ bestehe faktisch seit Ende 2014 nicht mehr. „Eine der ursprünglich zwei Stellen fiel – nachdem sich der damalige Stelleninhaber erfolgreich auf eine andere Stelle beworben hatte – der Haushaltskonsolidierung zum Opfer“. Schon im Oktober 2014 habe der Jugendhilfeausschuss festgestellt, keinen Einfluss auf den kommunalen Stellenplan zu haben. Eine Wiedereinrichtung der Stelle sei unter „Berücksichtigung der Konsolidierungs-Verpflichtungen, die die Bezirke erfüllen müssen“, nicht realistisch. Mit einer einzelnen Stelle wollte man nicht weiter machen, Umsetzungen anderer Mitarbeiter „hätten zu nicht vertretbaren Lücken in anderen Einrichtungen geführt“.
Stefan Harms, Vorsitzender des Kirchengemeinderates der evangelischen Timotheus-Gemeinde, beteuert, die Arbeit werde „nicht tot gemacht“. Es gebe Gespräche mit der Fachbehörde, wie es weitergehen soll. Die gemeindeeigene Jugend-etage könne die Arbeit nur zum Teil auffangen, sagt Harms.
Fragt man nach dem Finanzbedarf für die Straßensozialarbeit, kommen keine horrenden Summen zu Tage. Der Bezirk Mitte nennt zwei Sozialpädagogenstellen E9 (das entspräche knapp über 5.000 Euro im Monat, dazu Arbeitgeberanteile der Versicherungen) plus 22.835 Euro, soviel war für 2015 angesetzt. Mit der „Straso“ begonnen wurde 1988 im Rahmen einer ABM-Maßnahme, der Kontaktladen in den Kroogblöcken im August 1989 eröffnet. „Straßensozialarbeit kann mit den momentanen Personal- und Jugendhilfemitteln in der Region Horn/Billstedt/Mümmelmannsberg nicht vorgehalten werden“, betont Sorina Weiland vom Bezirksamt Mitte. Es werde geprüft, ob der Wegfall durch die Finanzierung der Kiezläufer und die Verstärkung eines Freien Trägers (mit Honorarmitteln) aufgefangen werden kann. Die Politik nimmt das Thema ernst: Michael W. Osterburg (Grüne) erklärt auf Anfrage, das Thema werde beim nächsten Koalitionsgespräch zwischen SPD und Grünen im Jugendhilfeausschuss aufgegriffen. Man arbeite noch an der Untersuchung der genauen Ursachen der Probleme, „unsere bisherige Einschätzung läuft darauf hinaus, dass wir in Zukunft solche Arbeit besser evaluieren müssen“.
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