(K)indern eine Zukunft geben

Anzeige
Das Ehepaar Reiser gründete 2004 den Verein „Paten indischer Kinder“Foto: Christa Möller
 
Walter und Hedwig Reiser mit indischen Kindern vor der neuen Schule in Panchkui Foto: Reiser

Oststeinbeker Ehepaar hilft mit Patenschaften und Schulbauten

Von Christa Möller
Oststeinbek. Zwölf Euro. Das ist für manche Menschen nicht viel Geld. Doch von diesem Betrag kann ein Kind in Indien einen Monat lang leben – all inclusive, sozusagen. Verpflegung, ärztliche Betreuung, Schulbesuch und der dadurch nötige Schlafplatz in einem Internat oder Heim können damit finanziert werden. Dafür, dass möglichst viele Kinder aus ärmsten Familienverhältnissen in Indien eine Zukunft haben, macht sich ein Ehepaar aus Oststeinbek stark.
Hedwig und Walter Reiser lernten vor 14 Jahren den Sekretär eines indischen Bischofs kennen, besuchten dann das ferne Land und gründeten vor zehn Jahren den Verein Paten Indischer Kinder, der inzwischen 27 Mitglieder hat. Er fördert die Kinder der Ureinwohner, der Tribals, die zu über 95 Prozent Analphabeten sind und in unvorstellbar ärmlichen Verhältnissen leben. „Diese Kinder sind keine Hindus, sie werden diskriminiert“, erklärt Walter Reiser, 76, Kassenwart des Vereins. Die Aufnahme der Mädchen und Jungen in einem Internat ist aufgrund sehr weiter Schulwege vonnöten, um ihnen eine gute Ausbildung zu ermöglichen. So können sie später einer qualifizierten Arbeit nachgehen – ganz nach dem Leitmotiv der beiden Oststeinbeker: „Gib mir einen Fisch und ich habe einen Tag zu essen. Lehre mich zu fischen und ich habe jeden Tag zu essen“.

19 Patenkinder

„Wenigstens einmal pro Jahr fahren wir nach Indien, im vergangenen Jahr waren wir zweimal da“, erzählen die Reisers. Natürlich bezahlen sie die Kosten für die Touren in den indischen Bundesstaat Madhya Pradesh im zentralindischen Hochland zwischen Bombay und New Delhi aus eigener Tasche. Sogar ihre Silberhochzeit haben die Reisers dort gefeiert – mit „ihren“, also den indischen Kindern. Und damit sind keinesfalls die 19 Patenkinder gemeint, die die Reisers monatlich unterstützen. Denn es kommt ihnen nicht auf den persönlichen Kontakt zu einzelnen an, sie wollen vielmehr möglichst vielen Kindern helfen. Ihr Verein betreut verschiedene Projekte: In diesem Jahr entstehen zwei Internate: Eines für 150 Mädchen sowie ein weiteres für 300 Jungen. Auch Lern- und Lehrmittel finanziert der Verein, der im Laufe der Jahre bereits eine Schule sowie vier komplette Internate aufgebaut und ein Internat aufgestockt hat.
Das nötige Geld stammt aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden, aber sie werden auch von der Bingo-Lotterie unterstützt, ebenso wie vom Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. „In ihren Familien leben alle in einem Raum“, erklärt Hedwig Reiser. Die 74-jährige ehemalige Lehrerin ist die Vorsitzende des Vereins, sie weiß, dass viele Kinder dort auf dem Fußboden schlafen – ein eigenes Bett ist Luxus. Dass ihre Hilfe dringend benötigt wird, steht außer Frage: „Wir haben die Not der Kinder gesehen. Es ist wichtig, diesen Kindern aus der Unterschicht zu helfen.“ Ein paar indische Worte haben die Reisers, die ansonsten mit den Kindern auf Englisch oder über Dolmetscher kommunizieren, gelernt: „Lachen heißt hasso“, weiß Ingrid Reiser. Für das Engagement verlieh der damalige Bundespräsident Horst Köhler dem Ehepaar Reiser vor fünf Jahren in Bonn das Bundesverdienstkreuz.
Der kleine Verein, der mit der Kirche in Indien zusammenarbeitet, sorgt dafür, dass die Gelder der Paten den Kindern zugute kommen – ohne Abzug von Verwaltungskosten. Zur Zeit unterstützen 340 Paten insgesamt 470 Kinder. Auch die katholische Schule in Billstedt hat eine Patenschaft übernommen. Zum Vereinsvorstand gehören auch Theo Abeln sowie Katharina Mehnert und Julia Hojas.
paten-indischer-kinder.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige