„Kuhler“ Platz zum Spielen

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Luftballonstart zum Abschluss des 40. Geburtstages der Kuhle Foto: privat
 
Jung und alt in der „Kuhle“

Seit 40 Jahren kommen Kinder aus Kaltenbergen auf den Bauspielplatz

Von Christa Möller
Hamburg. Seit 40 Jahren wird hier gehämmert und gesägt – aber irgendwann müssen die Bauarbeiten doch mal beendet sein? Ganz und gar nicht, denn der Ort des Geschehens, die „Kuhle“, ist ein Bauspielplatz am Rantumer Weg. Den kennen, trotz seiner eher versteckten Lage, viele Bewohner der Großsiedlung Kaltenbergen, die von 1968 bis 1974 auf dem Gelände einer ehemaligen Mülldeponie bei der U-Bahnstation Steinfurther Allee errichtet wurde. Mit über 300 Besuchern feierte der Trägerverein, die Aktionsgruppe Kinder- und Jugendhilfe Kaltenbergen, kürzlich das 40-jährige Bestehen der „Kuhle“.

Senioren immer dabei

Viele Erwachsene haben in ihrer Jugend in der „Kuhle“ selbst Hammer und Nägel in der Hand gehabt, heute sind ihre Kinder und sogar schon Enkelkinder aktiv. „Sie können hier bauen, Gartenarbeit machen, spielen. Und wir haben einen kostenlosen pädagogischen Mittagstisch“, sagt Geschäftsführer Dieter Kauczor, der 1980 hier anfing, um sich sein Lehrerstudium damit zu finanzieren. Das Konzept begeisterte ihn so sehr, dass er blieb und das Projekt über die Jahre mitentwickeln konnte. Der 59-Jährige weiß, dass für viele der heutigen Senioren die persönliche Bindung immer noch da ist. Paradebeispiel: Eine fast 100-Jährige, die noch regelmäßig bei ihren Parkspaziergängen zum Kaffeetrinken vorbeischaut. 250 Mitglieder hatte der Verein in den 70er Jahren, heute sind es 50. Unterscheiden sich die heutigen Kinder von denen vor 40 Jahren? Nein, sagt Dieter Kauczor. „Wenn die Atmosphäre stimmt, ist Kindheit so geblieben. Wir haben eine Bücherei, die Kinder sitzen da und lesen sich gegenseitig vor. Wenn sie Orte finden, wo sie sich nicht gegenseitig stören, sind sie auch sehr selbstständig.
Die „Kuhle“ ein offenes Angebot – obwohl es natürlich Regeln gibt. Wer Lust hat, kommt vorbei und bestimmt selbst, was er machen möchte – beispielsweise mit den Senioren Bingo spielen oder Hütten bauen. Einmal wöchentlich wird gemeinsam Brot gebacken. „Kinder und Jugendliche verhalten sich völlig anders, wenn sie in altersübergreifenden Gruppen sind – wie in einer Großfamilie.“

Selbstständig handeln lernen

Sie dürfen nicht schimpfen und schlagen und für den Bau der Hütten gilt: Wenn sie darin übernachten möchten, müssen die Hütten fertig sein. In der „Kuhle“ können die Kinder auch gärtnerische Erfahrungen sammeln, das eigene Gemüse wachsen sehen. Ebenso wie ihre Mütter übrigens: Sie haben einen Weinberg angelegt, wegen der Blätter, die sie zum Kochen verwenden wollen.
Gleich neben den Hütten tummeln sich die Vierbeiner: Hund und Katze, Kaninchen und Meerschweinchen, Ziegen und Schafe, zwei Enten sowie 30 Hühner mit Küken. Sie werden von den Mitarbeitern versorgt und von den Kindern. Die haben besonderen Spaß daran, mit den Ziegen im Park spazieren zu gehen. „Kinder lernen selbstständiges Handeln. Wir geben ihnen ein Selbstwertgefühl“, sagt Kauczor. Menschen aus verschiedensten Ländern haben sich in Kaltenbergen angesiedelt, daher wehen am Eingang zur „Kuhle“ 30 Fahnen im Wind – „und ich habe immer noch welche liegen, die nicht mehr an den Mast passten“, sagt der Geschäftsführer. Ehrenamtliche Unterstützung bekommt er von der Vereinsvorsitzenden Hildegard Jürgens. Die 61-jährige Finanzbeamtin und Billstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordnete ist seit sieben Jahren im Verein „Aktionsgruppe Kinder- und Jugendhilfe Kaltenbergen“, der mit zu 60 Honorarkräften und geringfügig Beschäftigten und 15 Vollzeitstellen auch den Bauspielplatz Mümmelmannsberg, die Spiel-Werk-Stadt Schleemer Bach und den Jugendverein Dringsheide betreut.
Seit vier Jahren kommen zum Monatsende 80 bis 120 große und kleine Besucher zum gemeinsamen Kochen und Essen in die „Kuhle“. „Zu Ultimo deshalb, weil es sonst in vielen Familien kein warmes Essen mehr geben würde“ sagt Hildegard Jürgens. Unterstützt wird der Verein durch die Stadt und durch Spender wie den Rotary Club.
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