Lampedusa-Flüchtlinge wohnen im Togohof

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Der Togohof in Glinde hat eine wechselvolle Geschichte
 
Bürgermeister Rainhard Zug in einem der renovierten Zimmer Fotos: Christa Möller

In der sanierten Villa ist jetzt Platz für elf weitere Flüchtlinge aus Afrika. Sie haben ihre Identität preisgegeben

Von Christa Möller
Hamburg. Das villenartige, vor über 100 Jahren erbaute dreistöckige Haus mit den schönen Stuckdecken liegt idyllisch im Grünen, doch der Togohof nahe der Glinder Au ist keinesfalls Wohnsitz einer großen Familie. Seit über 70 Jahren gehört das Gebäude der Stadt Glinde. Errichtet wurde es von dem Rahlstedter Kaufmann H. Griem, der regen Handel mit den afrikanischen Kolonien betrieb – „eine davon war das heutige Togo“, erläutert Glindes Archivar Dr. Carsten Walczok die wahrscheinliche Erklärung für den Namen. Lange Zeit waren Gemeindeverwaltung und Polizei in dem Gebäude untergebracht. Später wohnten Asylbewerber im Togohof und seit 2005 bringt die Stadt Glinde hier obdachlose Deutsche unter. Jetzt lud die Verwaltung zum Pressetermin, denn erneut stand eine Veränderung an: Zu den neun Bewohnern kamen am gestrigen Montag weitere elf. Sie gehören zu den so genannten Lampedusa-Flüchtlingen aus Afrika. Seit dem 9. September befinden sie sich offiziell in der Obhut der Stadt, „mit nur einem Wochenende Vorlauf“, wie Bürgermeister Rainhard Zug betont. Die Männer haben zwar ihre Identität preisgegeben, doch ihr Status ist behördlicherseits noch ungeklärt. Sechs der Flüchtlinge im Alter zwischen Mitte zwanzig und Mitte vierzig waren in der Glinder Moschee untergebracht, weitere fünf in einem Reihenhaus in Wiesenfeld. Im Togohof wurde für sie ein separater Bereich mit Küche, Bad und Flur geschaffen, alle Räume sind gereinigt und frisch gestrichen, der Fußbodenbelag wurde zum Teil ausgetauscht. Die Stadt hat eine neue Waschmaschine angeschafft und stellt auch Betten, Matratzen, Decken und Bettwäsche zur Verfügung, sofern nicht vorhanden. Etwa 15.000 Euro wurden bislang investiert. Geschirr und Töpfe müssen, ebenso wie Lebensmittel, von den neuen Bewohnern, die keine Arbeitserlaubnis haben und Sozialhilfe beziehen, selbst finanziert werden. Ab Januar wird die Südholsteinische Vereinigung für Sozialarbeit in Reinbek auf Anfrage die Betreuung übernehmen, ansonsten ist die Verwaltung im Rathaus Anlaufadresse für die Flüchtlinge. „Wir beraten im Rahmen unserer Möglichkeiten“, erklärt Ordnungsamtsleiter Bernd Mahns.
Ende Oktober musste in Teilbereichen des Hauses nach nur vier Wochen erneut grundgereinigt werden, unter anderem waren Küche und Bäder stark verschmutzt. Hausordnung und Reinigungspläne sollen dafür sorgen, dass jetzt alles sauber bleibt. Denn die Unterkunft gilt nicht als Hotelbetrieb, alle Bewohner müssen sich selbst versorgen und die Räume putzen. Zuvor gab es wiederholt Klagen über Ungeziefer im Haus, doch die Hausordnung, die unter anderem vorschreibt, dass Türen und Fenster geschlossen werden müssen, werde nicht immer eingehalten, haben die Verwaltungsmitarbeiter festgestellt. „Mäuse haben wir hier schon teilweise“, sagt Detlef Klages vom Ordnungsamt. Aber „hier gibt es keine Rattenplage“, dementiert Rainhard Zug entsprechende Beschwerden über menschenunwürdige Zustände seitens der Bürgerinitiative Glinde gegen Rechts. Regelmäßig gebe es Rattenbekämpfungsmaßnahmen, gerade wurden „rund ums Haus neue Köder ausgelegt“.
Etwa 30 Obdachlose lebten zuvor schon in Glinde in einer so genannten „vorübergehenden, notdürftigen Unterkunft“, teils im Togohof, teils in Wiesenfeld. „Außerdem stehen noch zwei Räumungen an, wo wir Familien unterbringen müssen“, macht Zug die Problematik deutlich. Daneben gebe es extrem viele Zuweisungen von Asylbewerbern, in diesem Jahr schon fast dreißig, insgesamt beläuft sich deren Zahl damit auf etwa vierzig, die in weiteren städtischen Unterkünften untergebracht sind.
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