Leichter ans Bille-Ufer

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Die idyllische Bille mit Wanderweg und Wassersportmöglichkeiten könnte durch den „Deckel“ wieder näher an Billstedt heranrücken Fotos: Jenssen

Geschichtswerkstatt fordert: Überdeckelung der B5 jetzt ernsthaft prüfen

Von Martin Jenssen
Hamburg. Weg mit der Schnellstraße B5 – und das Leben in Billstedt könnte leichter und beschwingter werden. Doch leider kann man den enormen Autoverkehr, der sich zwischen der Hamburger City und Bergedorf bewegt, nicht einfach wegzaubern. Man könnte ihn aber verstecken unter einem riesigen Betondeckel. Das ist eine Vision der Billstedter Geschichtswerkstatt. Und dieses Projekt wird weiter verfolgt.
Vor gut zwei Jahren stellte die Geschichtswerkstatt die „Deckel-Idee“ unter dem Motto „Billstedt an der Bille“ der Öffentlichkeit vor. Danach soll die Schnellstraße auf einer Länge von knapp einem Kilometer, zwischen der Moorfleeter Straße bis zum Spökelberg, unter dem Betondeckel verschwinden. Straßenlärm und Abgase würden dadurch in Billstedt in erheblichem Maße zurückgedrängt.

Kosten: 55 Millionen Euro

Durch den „Deckel“ könnte man dem Billstedter Zentrum außerdem eine reizvolle Wasserkante erschließen: eine Promenade mit Cafés und Bootsverleih. Ein kleiner Hafen für Sportboote ist bereits vorhanden. Außerdem würden Flächen für umfangreichen neuen Wohnungsbau geschaffen.
Im Billstedter Kulturpalast zog die Geschichtswerkstatt jetzt eine Bilanz, zeigte auf, was in den vergangenen zwei Jahren mit dieser Vision passiert ist. Danach haben viele Billstedter und auch viele Politiker der Region die „Tunnel-Idee“ als positiv bewertet. Die SPD, vor allem Oberbürgermeister Olaf Scholz, will den Hamburger Osten entwickeln und viele neue Wohnquartiere schaffen.
Ein Bremsklotz für das Projekt „Billstedt zurück an die Bille“ sind jedoch die enormen Kosten, die durch den Tunnel entstehen: „Zwischen 55 und 60 Millionen Euro“, meint Ralph Ziegenbalg von der Geschichtswerkstatt. Ein großer Teil der Kosten würde aber durch die neu entstehenden Wohnquartiere mit rund 1200 Wohnungen ausgeglichen werden.

Machbarkeit prüfen

Dass der Bau eines Betondeckels über der B5 nicht von heute auf morgen „zu wuppen“ ist, wissen die Befürworter der „Billstedt-Vision“ natürlich. Sie verlangen aber, dass das Projekt seriös geprüft wird. Dafür müssten die Bezirkspolitiker zunächst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Kostenpunkt: rund 30 000 Euro.
Viele Billstedter befürworten den „Deckel“. Für sie ist die B5 eine Barriere, die den Stadtteil von der Bille trennt. „Die Bille ist aus unserem Blickfeld verschwunden“, erklärte eine Besucherin der Veranstaltung. Durch den „Deckel“ wäre Billstedt wieder unmittelbar mit dem Fluss, dessen Namen der Stadtteil trägt, verbunden.

Bahrenfeld macht´s vor

Städtebaustudentin Anika Holzbach hat sich in ihrer Bachelor-Arbeit ausführlich mit dem Projekt „Billstedt an der Bille“ befasst und ähnliche Projekte in Bilbao (Spanien) und in München besucht. In diesen Städten ist man dabei, Schnellstraßen zu überdeckeln. Ortsteile, die bislang ein Schattendasein führten, werden dadurch wieder attraktive Wohngebiete. Dass so etwas auch in Hamburg möglich ist, sieht man an der A7 in Bahrenfeld, Stellingen und Schnelsen.
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