Letzte Ruhe für Freunde mit Fell

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Karin und Jürgen Schumann kommen regelmäßig auf den Tierfriedhof in Jenfeld. Sie hatten ihrem Charly 2 ein Grab versprochen
 
Petra Wiedner hat ihre Hündin auf dem Tierfriedhof beerdigt. Immer wieder kommt sie, um das Grab von „Kita“ zu pflegen Fotos: Schlichtmann

Cookie, Kita, Charly & Co.: So wird auf dem Tierfriedhof in Jenfeld getrauert

Von Klaus Schlichtmann
Jenfeld. Das 7.500 Quadratmeter große Areal des Tierfriedhofs unmittelbar vor der Landesgrenze bei Barsbüttel ist kaum wiederzuerkennen: Hell und freundlich, mit neuen Wegen, renovierten Gebäuden, ausgelichteten Gräberfeldern zeigt sich das einst völlig verwilderte Gelände - und das schon seit zwei Jahren. Damals, Ende Oktober 2011, hatten Anja und Maik van Freeden (45 / 49) sich des 1997 eröffneten Tierfriedhofs als Betreiber angenommen. Besitzer ist die Jenfelder Kaufmannsfamilie Krogmann. Das WochenBlatt besuchte den Tierfriedhof anlässlich des zweijährigen Bestehens.
Die erste neue „Kundin“ für die Eheleute van Freeden war am 1. November 2011 Petra Wiedner, 52, aus Billstedt. Sie musste ihre Hündin Kita nach einem Schlaganfall und Hirnblutungen im Alter von neun Jahren einschläfern lassen. Sie wollte ihre Kita - eine ungarische Pumimudi-Mischling - aber nicht der Tierkörper-Beseitigungsanstalt überlassen ...
Ein Ort zum Trauern
„Mein Mäuschen, du bist immer bei mir. Deine Petra“, steht auf einer herzförmigen Schiefertafel, die das Grab zusammen mit einem halben Dutzend weiterer Herzen und einer Christrose schmücken. „An Kita hängen so viele Erinnerungen“, sagt die kaufmännische Angestellte. „Sie war ein Teil von mir, so lieb und anhänglich.“ Kita war vier Jahre alt, als Petra Wiedner sie in einem kleinen Ort am ungarischen Plattensee aus dem Tierheim holte. „Sie schaute mich so treu und herzzerreißend an, ich konnte sie dort einfach nicht zurück lassen!“ Dann, fünf Jahre später, nachts der Schlaganfall aus heiterem Himmel. „Ich brauchte einfach einen Ort, an dem ich um Kita trauern konnte“, sagt Petra Wiedner. „Rund 18 Monate hat diese Zeit gedauert, in der es mir wirklich schlecht ging.“ Inzwischen hat sie neben ihrem sanftmütigen Briar-Mischling Buddy noch einen weiteren Hund an ihrer Seite, der sie einmal in der Woche zum Friedhof begleitet - Tina, ein etwa vier Jahre alter rumänischer Straßenhund.
Huftiere sind verboten
„Aktuell haben wir 600 gepachtete Gräber, dazu noch rund 120 Tiere im anonymen Grabfeld“, erklärt Betreiber Maik van Freeden. „Katzen und Hunde halten sich mit etwa 40 Prozent die Waage, Hamster, Kaninchen, Wellensittiche, Meerschweinchen und ein Papagei machen die restlichen 20 Prozent aus.“ Einem Ponybesitzer allerdings, der sein verstorbenes Pferd vor einigen Wochen ebenfalls auf dem Tierfriedhof bestatten lassen wollte, konnte van Freeden nicht helfen: „Huftiere auf dem Friedhof sind verboten!“ Regelmäßig besuchen auch Karin Schumann, (65) und ihr Mann Jürgen (78) das Grab ihres geliebten Charly 2, zünden die Kerze an, entfernen Unkraut und Laub zwischen den Buchsbäumen. Als Charly 2 vor zwei Jahren an Diabetes erkrankte, Herz- und Nierenprobleme dazu kamen und er schließlich nicht mehr laufen konnte, haben die Schumanns ihren 13 Jahre alten Kater unter Tränen einschläfern lassen. „Ich hatte ihm aber vorher versprochen, dass er ein Grab bekommt und wir ihn so oft wie möglich besuchen“, sagt Jürgen Schumann und seine Augen werden feucht: „Er war doch ständig an unserer Seite, selbst im Bett machte er sich schnurrend breit.“!  Vor 15 Jahren ist Charly 1 übrigens auch in Jenfeld bestattet worden.
Auch Sabrina Hofmann (42) aus Rahlstedt wollte einen Ort des Gedenkens für ihren Kater Cookie. Sie entschied sich jedoch für eine anonyme Bestattung. „Cookie ist im August mit 18 Jahren und vier Monaten an Altersschwäche und Katzenaids gestorben“, sagt die Technische Zeichnerin. „Ich hatte viel Zeit, schon zu Lebzeiten von Cookie Abschied zu nehmen, sein Ende war absehbar“, erzählt sie Sabrina Hofmann aber wollte es so lange wie möglich hinaus zögern und ließ ihren geliebten Kater bei einem Tierarzt sogar noch fünf Wochen lang über eine Tropfinfusion mit teurem Antibiotika versorgen - vergeblich. „Aber was macht man nicht alles, wenn man sein Tier liebt“, sagt Sabrina Hofmann. Und dazu zählt eben auch eine würdige letzte Ruhestätte.

Zwei Grab-Größen gibt es in Jenfeld: 100 x 60 Zentimeter und 120 x 80 Zentimeter. Die Pacht beträgt 80 beziehungsweise 90 Euro pro Jahr. Sie läuft über fünf Jahre, kann aber um ein Jahr verlängert werden. Für Katzen und kleine sowie mittelgroße Hunde ist ein kleines Grab ausreichend, bei größeren Hunden ist das größere Grab vorgeschrieben. Die Beisetzungskosten (inkl. Pappsarg, Aufbahrung, Nutzung des Trauerraumes, Herrichten des Grabes) sind nach Gewicht des Tieres gestaffelt und liegen zwischen 150 und 240 Euro. Kleintiere kosten pauschal 50 Euro für die Beisetzung zuzüglich Grabstelle, eine anonyme Bestattung einmalig 80 Euro plus Bestattungskosten.
Zusätzliche Kosten entstehen etwa für eine Grabumrandung oder einen Grabstein. Auf Wunsch werden auch Urnenbestattungen und Seebestattungen durchgeführt (etwa 400 Euro). Weitere Informationen: Tel.: 20239629 (ks/wb)
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