Liebhaber der Künste

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Timm Fereshteh Taherpour (sitzend) und Cansu Günes, beide von der Frauenmalgruppe WIR, am „Wimmelbild“ Foto: fbt

Ausstellungs-Wochenende in Mümmelmannsberg voller Erfolg

Von Frank Berno Timm
Mümmelmannsberg
Die Mensa der Ganztagesgrundschule an der Kandinskyallee hatte am Wochenende besonderes Flair: Über 130 Aussteller zeigten alle nur denkbare Art von Kunst und Kunsthandwerk – dazu gab es Musik, Literatur, Cafébetrieb und nicht zuletzt die Möglichkeit zu zahllosen interessanten Gesprächen. Ingrid Ehmke von der Frauenmalgruppe „WIR“ kennt die Kunst- & Kulturtage Mümmelmannsberg schon. Dieses Jahr haben sich die 30 Frauen, die sonst in einem großen Atelier in der Nähe arbeiten, etwas Neues ausgedacht: Wer mag, kann an der Entstehung eines „Wimmelbildes“ mitarbeiten: Ali Migutsch hat sie erfunden – die detailreichen Panoramen, die Geschichten erzählen.
Das tun die Künstlerinnen und Künstler auch, die haupt- oder nebenberuflich ihre ganz eigenen Bilder, Skulpturen oder Kunsthandwerk erschaffen. Inga Sawade etwa ist die Urheberin von vier kindgroßen Pappmaché-Figuren. Nein, es sei kein Zufall, dass das kleine Quartett geschlechtslos sei: Sonst wären sie noch nackter.
Ihre Kollegin Manuela Pieszkalla hantiert dabei mit einem Zehnkiloklotz aus Ton, während sie sich mit Besuchern unterhält. Nebenbei formt sie mit Zahnbürsten, Holzstäbchen und Pappen im Handumdrehen aus einem Tonklumpen ein Vögelchen.
Ganz anders dagegen das Rohmaterial von Barbara Ulmer. Sie holt aussortiertes Besteck aus Haushaltsauflösungen, von Floh- und Antikmärkten. „Das ist meine Liebhaberei“, sagt sie. Pure Untertreibung, denn aus gekreuzten Gabeln formt sie Herzen, die der Mittelpunkt von Ketten sind. Sie hat sichtlich Freude daran, anderen Menschen aus „Erinnerungsbesteck“ eine andere Form von Erinnerungsstück zu machen.
Die Fülle des Ausgestellten ist groß: Schmuck, Kleidung, Handarbeiten, Kerzen, Mode. Die alljährliche Sonderausstellung hat „Fremde Lebensformen“ als Thema, als Jury fungiert der Kulturausschuss der Bezirksversammlung, wie Organisator Werner Vogel berichtet. Aus der Bezirksversammlung kommen Zuschüsse für die Veranstaltung, und am Ende gibt es sogar Preise. Rund die Hälfte der Besucher, schätzt Vogel, kommt aus dem Stadtteil, nach seiner Erfahrung bleiben sie im Schnitt zwei Stunden. Vorn spielt „Kerzel’s Ragtimeband“. Die vier Männer machen einen angenehmen Sonntagmittagsjazz und die Ausstellung füllt sich noch mehr. Hier fühlen sich eben alle gut aufgehoben.
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