Markenzeichen? Jung!

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Pascal zeigt, wie die Marken nach dem Bad im Ablösebecken vom Papier getrennt werden Fotos: Christa Möller
 
Burkhard Binder und Kornelia Ulrich mit den neuen Katalogen

In Hamm trifft sich die Jugend zum Briefmarkensammeln

Von Christa Möller
Hamm. Kornelia Ulrich ist Lehrerin, Maike Stoiber Mitarbeiterin einer Medienagentur und Burkhard Binder arbeitet in der Sicherheitsbranche. Alle drei eint die Begeisterung für Briefmarken. Gemeinsam leiten sie die Jungen Briefmarkenfreunde Simeon-Hamm, die, wie der Name schon sagt, einst zur Simeon-Kirchengemeinde gehörten. „Die wurde später wegfusioniert“, sagt Burkhard Binder, der die Gruppe 1978 gründete. Der Name blieb beim Wechsel ins Hammer Gemeindezentrum der Wichernkirche am Wichernsweg 16 vor acht Jahren.
Auch der Vater von Burkhard Binder sammelt Briefmarken, der Junior begann 1969, mit sieben Jahren, ebenfalls damit und ist noch immer fasziniert von den zackigen Papierstücken. Die Jungen Briefmarkenfreunde treffen sich freitags von 15 bis 19.30 Uhr im Gemeindezentrum zum Tausch, zum Fachsimpeln und der Gestaltung von Ausstellungssammlungen. Besonders erfolgreich waren sie 2002 beim deutschlandweiten Wettbewerb „Die Elbe“ mit der Umsetzung von Themen wie „Brücken auf der Elbe“, „Schifffahrt auf der Elbe“ oder „Lebensraum Elbufer“. Lohn der Mühe: die ersten drei Plätze.
Marcel, 9, sammelt seit zwei Jahren und ist seit einem halben Jahr in der Gruppe. „Ich hab schon 5.000 Briefmarken“, freut er sich. In sieben Alben hütet er seine Schätze. Knapp die Hälfte der 55 Mitglieder ist unter 18, die übrigen Jungen Briefmarkenfreunde sind offensichtlich schon länger volljährig – die Altersspanne reicht sogar bis 85. Doch das Alter spielt hier gar keine Rolle. Willkommen sind „alle, die sich jung fühlen und alle, die jung an Erfahrung sind“, bringt es Burkhard Binder auf den Punkt. Auch das Miteinander ist wichtig. Es gibt Grillabende, Ausflüge und Reisen ins Ausland. In diesem Jahr verbanden die Philatelisten einen Besuch der Luxemburger „Exposition Philatélique“ mit einer touristischen Erkundung der Stadt. Regelmäßig beteiligen sie sich an Aktionen der Kirchengemeinde wie am 16. November beim Kirchenbasar für wohltätige Zwecke.
Doch auch sonst zeigt die Gruppe, deren Mitglieder auch aus Bill-
stedt, Rahlstedt, Wandsbek und Harburg kommen, viel Engagement. So veranstaltet sie themenbezogene kostenlose Projektwochen an Schulen. Binder weiß, dass einige Lehrer Briefmarken als Unterrichtsmaterial nutzen wie beispielsweise Kornelia Ulrich, deren beide Töchter einst auch aktiv Marken sammelten und immer noch bei der Produktion von Stampy helfen. Das ist die Mitgliederzeitschrift, die seit 25 Jahren viermal im Jahr in einer Auflage von 1.000 Exemplaren verteilt wird. Jeden Montag ab 17 Uhr gibt es ein Redaktionstreffen für alle Interessierten.
Burkhard Binder ist besonders fasziniert von ungewöhnlichen Briefmarken und nennt als Beispiel Supermann als 45 p-Marke mit Smartphone-App, die bei Entschlüsselung einen Trailer mit Superman-Darsteller Henry Cavill zeigt, der die Marken vorstellt. Die 55 p Marke ist auf transparenter Folie gedruckt und symbolisiert Supermans Röntgenblick. „Beim Sammeln braucht man auch eine gewisse Geduld“, weiß Binder, der auf manche Besonderheit hinweist. So hat Präsident Roosevelt, selbst Briefmarkensammler, auf einer Marke erstaunlicherweise sechs Finger. Auf einer anderen ist die Titanic schräg im Wasser liegend zu sehen, „aber die Schornsteine stehen alle senkrecht.“ Ist so was nicht wertvoll? „Nein, eher kurios“, weiß Binder. Er sammelt gern Weihnachtslieder auf Briefmarken aus verschiedensten Ländern. Spannend auch: Der Bürgerkrieg. Da leuchtet es ein, dass das Mindestalter der Mitglieder ei acht Jahren liegt, denn wer Briefmarken sammelt, sollte schon lesen können, um etwa Infos aus der umfassenden Sammlung an Katalogen zu erhalten. Denn der Verein verfügt nicht nur über ein Prüfgerät für die Suche nach Wasserzeichen und ein elektrisches Zähnungsmessgerät um Anzahl und Abstand der Zacken zu kontrollieren, sondern auch über die neuesten Briefmarkenkataloge aus aller Welt.

Starterset

Die eifrigen Sammler freuen sich übrigens über Briefmarkenspenden. Kinder und Jugendliche bekommen beim ersten Besuch ein Starterset aus 100 Briefmarken samt Album und Pinzette geschenkt. Letztere sei „das wichtigste Utensil eines Sammlers“. Viermal im Jahr bietet die Gruppe Interessierten beim Tauschtag mit Börse die Gelegenheit zum Fachsimpeln.
Auf den ersten Blick erscheint das Briefmarkensammeln im Zeitalter von E-Mails und Apps vielleicht etwas antiquiert. Doch das macht es umso reizvoller, nicht nur für Burkhard Binder, der Briefmarken als Kulturgut schätzt. Die Jungen Briefmarkenfreunde gehören als eine von neun Hamburger Jugendgruppen der Deutschen Philatelisten Jugend zum Bund Deutscher Philatelisten.

Näheres unter jbsh, Nächster Tauschtag: Sonnabend, 14. 12., 9-15 Uhr
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