Mehr Platz für eine Rarität in Hamburg

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Der Schierlings-Wasserfenchel Foto: Jaqueline Neubecker

Im alten Holzhafen werden Ufersteine entfernt – für den Schierlings-Wasserfenchel

Von Matthias Röhe
Hamburg. Der Schierlings-Wasserfenchel, auch Tide-Wasserfenchel genannt, ist eine echte Hamburger Rarität. Er kommt weltweit nur in den von Ebbe und Flut beeinflussten Elbbereichen rund um Hamburg vor. Jetzt soll das Gewächs am Wasser mehr Freiraum bekommen.
Seit kurzem wird das steinerne Ufer-Deckwerk auf der Elbinsel Kaltehofe nördlich der Wasserbecken auf einer Länge von etwa 250 Metern beseitigt. Die Steine werden mit Hilfe eines Schwimmbaggers entfernt, der das Material auf Schuten lädt.
Volker Dumann, Sprecher der Umweltbehörde, erläutert: „Die unbefestigten Böschungsabschnitte sollen wieder Wellen und Strömungen der Gezeiten der Elbe ausgesetzt sein. So kann sich wieder ein natürlicheres Ufer entwickeln und es entstehen mögliche Standorte für den selten gewordenen Schierlings-Wasserfenchel.“ Die Stiftung Lebensraum Elbe (SLE) möchte den ökologischen Zustand des alten Holzhafens verbessern. Die Baukosten belaufen sich auf etwa 250.000 Euro. Der dann unbefestigte Uferabschnitt bietet den idealen Lebensraum für die vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten Wiebels Schmiele und Schierlings-Wasserfenchel.
Die Pflanze wird bis zu 1,50 Meter hoch und hat weiße Blütendolden. Bis sie aus einem von tausenden Samen im Elbeschlick entsteht, können Jahre vergehen. Die Samen können dort lange Zeit überdauern, bis der Fluss sie an eine geeignete Stelle trägt. Sie ist weder giftig wie der Schierling noch eine Nutz- und Heilpflanze wie der Fenchel. Oft wird der Tide-Wasserfenchel mit dem gewöhnlichen Wasserfenchel verwechselt. An den Blättern lassen sie sich unterscheiden: Der Tide-Wasserfenchel hat gefiederte und gezähnte Blätter, beim Wasserfenchel sind sie fadenartig zerschlitzt.

Info:
Der Holzhafen ist Teil der Billwerder Bucht. Wo in den vergangenen Jahrhunderten Holzstämme geflößt und auf Schiffe verladen wurden, hat sich ein Süßwasser-Watt und Rast- und Nahrungsgebiet für Vogelarten wie Löffelenten oder Bandgänse entwickelt. Die 2010 gegründete Stiftung Lebensraum Elbe (stiftunglebensraumelbe.de) will mit Maßnahmen den ökologischen Zustand der 148 Kilometer langen Tideelbe verbessern. Dafür erhält sie jährlich vier Prozent des Hamburger Hafengeldes. (mr)
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