Mehr Platz für Obdachlose in Hamburg

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Detlev Schrage (Sozialbehörde) und Katrin Wollenberg (fördern und wohnen) vor der neuen Tagesaufentshaltsstätte an der Friesenstraße 22 Foto: Luckey

Behörde öffnet Unterkunft an Wochenenden. 100 zusätzliche Betten gefordert

Von Annette Luckey
Hamburg
Eiseskälte, Schneematsch und schwere feuchtkalte Luft. Mit Einbruch des Winters wird es für Menschen, die auf der Straße leben, besonders hart. Damit auch die vielen Obdachlosen am Wochenende einen warmen Aufenthaltsort haben, hat die Stadt an der Friesenstraße in Hammerbrook eine neue Tagesaufenthaltsstätte (TAS) eröffnet. Zudem haben jetzt auch die Einrichtung an der Bundesstraße und das „Herz As“ der Stadtmission im Münzviertel ihre Öffnungszeiten ausgedehnt. Ob das Angebot angesichts
wachsenden Zustroms reicht, ist fraglich. Sonnabend 9.30 Uhr an der Friesenstraße 22. Kaum hat die in einem ehemaligen Bürogebäude eingerichtete Aufenthaltsstätte geöffnet, treffen die ersten Obdachlosen aus dem Münzviertel ein und nehmen an einem Tisch in dem großen, hellen Raum Platz. Es gibt Kaffee und Tee gratis. Spiele und Bücher liegen in Rückzugsräumen bereit. In einem Fernsehraum flimmert das Sportprogramm. Hundert Plätze haben die Sozialbehörde und der Betreiber fördern und wohnen (f&w) binnen 14 Tagen organisiert, das nach Ablauf des Winternotprogramms als Verwaltungszentrum für die neuen Flüchtlingsunterkünfte in der City Süd dienen wird. Mehrere Fachkräfte aus der Wohnungslosenhilfe von fördern und wohnen betreuen die Obdachlosen jeden Sonnabend und Sonntag während der Öffnungszeiten von 9.30 bis 16.30 Uhr und helfen Ratsuchenden durch das Hilfsangebot in der Stadt. Zudem öffnet die TAS der Diakonie an der Bundesstraße, die Platz für 120 Menschen hat, nun jeden Sonntag von 11 bis 16 Uhr und das „Herz As“ der Stadtmission (110 Plätze) an jedem zweiten Sonnabend von 10 bis 14 Uhr.

Angst vor „Sogwirkung“


„Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, mehr Tagesaufenthaltsmöglichkeiten am Wochenende anbieten zu können“, dankte Sozialsenatorin Melanie Leonhard den Trägern der Einrichtungen für ihre Bereitschaft. Doch auch bei den Übernachtungsmöglichkeiten wird es knapp, da der Zustrom auf die Hansestadt weiter wächst. „Wir müssen aufstocken und mindestens 100 zusätzliche Plätze schaffen“, so Detlev Schrage, Koordinator des Winternotprogramms der Sozialbehörde. Bisher gibt es 890 Betten in Notunterkünften. Reserven habe die Stadt eingeplant, denn im Januar mit Beginn der kalten Monate, steige die Zahl der Hilfesuchenden generell. Der Größte Teil – etwa zwei Drittel – seien Arbeitsmigranten und Armutswanderer aus ost- und südeuropäischen Ländern. Die städtischen Unterkünfte auch tagsüber zu öffnen – wie es die Obdachlosenzeitung „Hinz&Kunzt“ mit einer großangelegten Petition, aber auch die Bezirksversammlung Hamburg Mitte und Träger gefordert hatten – schließt die Stadt nach wie vor aus, um keine zusätzliche „Sogwirkung“ zu erzeugen.
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