Mit Farbe gegen Bausünden

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Das Wandbild „Was guckst du?“ in der Fährstraße 115 ist zusammen mit der Künstlerin Hanna Lena Hase und der Klasse 9b der Stadtteilschule Wilhelmsburg im vergangenen Jahr entstanden Foto: Grell
 
Kai Teschner hat sein Atelier im Stadtteil Billbrook in einem Loft über einer Autowerkstatt. Hinten kann es schon mal durchregnen Foto: Grell auf der anderen Seite hat er einen Blick auf die Bille

Hamburger Künstler gestaltet XXL-Wandbilder

Von Karen Grell
Billstedt
„Wir sind die Lückenfüller für Bausünden“, scherzt Künstler Kai Teschner, der viele triste Mauern der großen Siedlungen mit seinen Wandbildern verschönert hat. Doch geht es bei seinen Werken an den Mauern der Stadt um viel mehr als nur den optischen Effekt. Die Bilder des gebürtigen Münchners sind mal politisch, mal provokativ, mal harmonisierend, aber immer mit der Idee verbunden, eine Aussage zu hinterlassen, die genau in den Stadtteil und zu den Menschen passt, die dort leben. Eines der bekanntesten und größten Hamburger Wandbilder Kai Teschners befindet sich in der Lenzsiedlung in Eimsbüttel. Sein Atelier hat der bildende Künstler aber in Billbrook.

„Aus den Entwürfen und Ideen der Anwohner und meinen eigenen künstlerischen Gedanken, entstehen dann die gemeinsamen Werke.“ Kai Teschner, Künstler

Ganz bewusst hat er sich für diesen Stadtteil entschieden, weil er hier viel Raum zum Arbeiten in einem einfachen Loft im ersten Stock einer Autowerkstatt gefunden hat. Im hinteren Teil kann es da schon mal durchregnen, vorn heraus gibt es dafür den direkten Blick auf die Bille.

Mit Menschen Bilder entwickeln


Kai Teschner möchte nicht seine eigenen Ansichten auf die Wand drängen, sondern die Bilder zusammen mit den Menschen entwickeln, die in den Häusern leben. „Aus den Entwürfen und Ideen der Anwohner und meinen eigenen künstlerischen Gedanken, entstehen dann die gemeinsamen Werke.“ Zu groß kann eine Wand für Kai Teschner eigentlich gar nicht sein. An das Malen auf Gerüsten in schwindelerregenden Höhen hat er sich längst gewöhnt und was auf dem Papier dann einen Quadratzentimeter groß ist, misst auf der Wand eben einen ganzen Quadratmeter. „Das Malen ist einfach nur großflächiger“. Die Arbeit an den Fassaden bespricht Kai Teschner, der auch schon in Afrika Wände bemalt hat, mit Stadtplanern, wenn es um öffentliche Räume geht.

Immer stadtteilspezifisch


Früher sollten die Wandbilder des heute Anfang 50-jährigen immer einen politischen Charakter haben, immerhin gehörte Kai Teschner zur Szene der Hausbesetzer in der Hafenstraße. „Mit der Zeit verändert man sich“, sagt Teschner, der heute auch gern mit Kindern in benachteiligten Stadtteilen wie Billbrook arbeitet und die Wandbilder hauptsächlich für die Darstellung eines Stadtteils nutzt. „Die Menschen im Viertel sollen sich mit dem Gemälde identifizieren können“. Manche Bilder des Künstlers sollen aber auch Hoffnung machen, wie die im Krankenhaus St.Georg. „Wandbilder, die an Fassaden entstanden sind, verblassen mit den Jahren“, betont der Künstler, der in der Vergänglichkeit auch einen Prozess und die Chance für Neues sieht. Seine Werke, die seit der 70er Jahren entstanden sind, haben dafür gesorgt, dass die düsteren Häuserschluchten der großen Siedlungen eine angenehmere Atmosphäre bekommen haben. Kai Teschners Bilder erzählen Geschichten, die das Leben eines ganzen Viertels wiederspiegeln – solange bis die Farben vergehen oder eine neue Geschichte erzählt werden soll in einem der 104 Stadtteile in Hamburg.
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