Nehme Katze, suche Yoga

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Wenn Lieselotte Spier-Sievers auf Reisen geht, gibt sie ihren Kater „Jerry“ in die Obhut von Barbara Brodt (re) - die schaut dann zweimal täglich nach dem Rechten, füttert und bürstet ihn Fotos: ks
 
Da Claudia Duden (li.) eher ein „Gartenmuffel“ ist, investiert sie ihre „Glinta“-Einnahmen bei Lieselotte Spier-Sievers, lässt sich von ihr Büsche zurück schneiden

Tauschring Glinde: Netzwerk mit 400 Geschäften im Jahr

Von Klaus Schlichtmann
„Zum Glück habe ich keine Katzenhaar-Allergie“, lächelt Barbara Brodt und stemmt „Jerry“ in die Höhe. „Jerry“ ist ein norwegischer Waldkater, 15 Jahre alt und acht Kilo schwer. „Jerry“ frisst mit Vorliebe Nordsee-Krabben von Aldi - und die bekommt er heute. Als Trost sozusagen, denn Frauchen Lieselotte Spier-Sievers geht wieder mal auf Reisen, für ein paar Tage zu Freunden an die Ostsee. Ihren schwergewichtigen, cremefarbenen Kater weiß sie in dieser Zeit aber in guten Händen: Zweimal täglich - morgens und nachmittags - fährt Barbara Brodt mit dem Fahrrad ‚rüber zum Bungalow von „Jerrys“ Frauchen, versorgt ihn mit Futter und Wasser, bürstet sein Fell, krault ihm auch noch den Bauch - das mag er.
Soziales Netzwerk
Beide Frauen sind Mitglied im „Tauschring Glinde“ - zwei von rund 100 Männern und Frauen aus Glinde und Umgebung, die sich mit ihren individuellen Stärken unterstützen, die sich gegenseitig helfen mit ihrer Geschicklichkeit, ihren Fähigkeiten und Talenten oder auch gemeinsame Unternehmungen planen, seit 18 Jahren bereits - ein nachbarschaftliches, soziales Netzwerk lange vor Facebook & Co. „Immerhin weist die Statistik für das laufende Jahr knapp 400 Tauschgeschäfte auf“, berichtet Vorstandsmitglied Ewald Pabst stolz. Alltägliche und nützliche Geschäfte wie beim Kuchen backen oder kochen helfen, damit der Gastgeber sich auf seine Gäste konzentrieren kann. Oder den tropfenden Wasserhahn reparieren, um sich dafür mit einer entspannenden Massage verwöhnen zu lassen. Oder - in diesen Tagen besonders beliebt - Märchen vor großen Kinderaugen erzählen und Geschenke liebevoll einpacken. Bügeln, Strümpfe stopfen, Wanderbegleitung - die Liste der angebotenen nachbarschaftlichen Dienstleistungen ist bunt und vielseitig. Selbst Ferienwohnungen oder Übernachtungen in anderen Städten werden angeboten. Bezahlt wird mit einer Gegenleistung oder aber, wie bei den meisten Geschäften, mit der Club-eigenen Währung „Glinta“, wobei eine Stunde Dienstleistung, egal welche, 20 „Glinta“ entsprechen. Zurück zu Kater „Jerry“, der während Frauchens Abwesenheit durch Barbara Brodt gut versorgt ist. Und die ehemalige Physio-Therapeutin bessert damit ihr „Glinda-Zeitkonto“ wieder auf, denn zuvor hat sie 20 davon in eine Yoga-Stunde  bei Claudia Duden investiert.
Die Juristin und ehrenamtliche Übungsleiterin wiederrum hat ihre Glintas für „Jerrys“ Frauchen Lieselotte Spier-Sievers ausgegeben, die einen - wie sagt man - „grünen Daumen“ hat. „Sie hat mir einige Stauden und Büsche im Garten zurück geschnitten, das gehört nicht gerade zu meinem Lieblings-Beschäftigungen“, lächelt die Yoga-Lehrerin. „Eine Hand hilft der anderen, das ist unser Prinzip und besonders für jene wichtig ist, die im Alter nicht mehr alles selber machen können oder wollen oder alleinstehend sind“, erklärt Antje Bockholt, die ebenfalls zum Vorstand gehört.
„Und es ist eine gesellige Gemeinschaft, in der schon viele Freundschaften entstanden sind.“

Der nächste Stammtisch ist übrigens am 28. Januar ab 19 Uhr im „Grando Sukredo“, Möllner Landstraße 55, neugierige Gäste sind herzlich willkommen.
tauschring-glinde oder Tel.: (040) 7207206
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