Neue Hamburger „Verkehrsfüchse“

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Polizeiverkehrslehrerin Janka Davids erläutert dem kleinen Jamal die Gefahren im Straßenverkehr Foto: Sichting
 
Wie rufe ich die Polizei? Mit dem Hörer in der Hand erklärt Moses, wie er vorgehen würde Fotos: Sichting

Das Wochenblatt begleitete Aktion der Polizei

Von Mathias Sichting
Hamburg. Richtiges Verhalten im Straßenverkehr. Was für Erwachsene ganz alltäglich ist, müssen Kinder erst lernen. Mit dem Weg zur Schule nehmen die Kleinen meist erstmals eigenverantwortlich am Verkehrsgeschehen teil. Damit dabei nichts schiefgeht, trainieren in der Hansestadt 70 erfahrene Verkehrslehrer der Polizei die angehenden Verkehrsteilnehmer. Stoppstein, Blick nach hinten über die Schulter und Verkehrskasper: In Billstedt übten in den Frühjahrsferien Beamte des Polizeikommissariats 42 an fünf Tagen mit Kindergarten- und Vorschulkindern das korrekte Über-die-Straße-gehen und aufmerksames Auf-den-Verkehr-achten.
Mit einem gemeinsamen Lied wurden die Eltern und Kinder in der Schule Stengelestraße von den Verkehrslehrern der Polizei begrüßt. Insgesamt 120 angehende Schüler nahmen an der Aktion „Verkehrsfuchs“ teil. Sie sind mindestens fünf Jahre alt und werden nach den nächsten Sommerferien eingeschult. Als die Kinder die Verkehrserzieher in Polizeiuniform singen und tanzen sahen, war das Eis sofort gebrochen. „Meist sind wir für die Kleinen der erste Kontakt mit der Polizei. Wenn wir dabei ein erstes positives Signal setzen und den Kindern partnerschaftlich entgegen treten, bauen wir Ängste und Vorurteile ab“, so Rainer Lübbert vom PK42.
Während der anschließenden Gruppeneinteilung verabschieden sich die Eltern von ihren Kindern. Für die Erwachsenen geht es in einem Nebenraum mit einem gesonderten Programm weiter. „Das, was hier mit den Kindern geübt wird, soll von den Eltern in der Freizeit fortgeführt werden. Deshalb schulen wir auch die Erziehungsberechtigten mit einem Kurs. Es bringt uns nichts, die Kleinen fit zu machen und Zuhause wird dann alles vergessen oder ganz anders gemacht“, so Lübbert weiter.
Die angehenden Erstklässler Moses, Sepide, Gino und Jamal sind in der Gruppe von Verkehrslehrerin Janka Davids. Die zukünftigen Verkehrsfüchse sind aufgeweckt und wissenshungrig. Gemeinsam mit der 42-Jährigen Polizeibeamtin geht es nach einer herzlichen Begrüßung zu Fuß durch den Stadtteil. Als erste Hürde lernen die Kinder beim Verlassen des Schulgeländes, wie man einen Parkplatz korrekt überquert. „Die Kleinen haben es aufgrund ihrer Größe schwer und werden oft übersehen. Deshalb müssen wir die Sinne der Kinder schärfen. Sie sollen Augen und Ohren ständig offen halten und auf bestimmte Zeichen, wie einen laufenden Motor oder Lichtsignale, achten“, so Janka Davids.
Mit kleinen Schritten tastet sich die Gruppe vom Parkplatz an den Fußweg neben der Straße Hermannstal heran. Ein Blick nach links, einmal nach rechts schauen und noch ein Kontrollblick nach links. Keine Fahrradfahrer oder abbiegenden Autos in Sicht. Die Gruppe setzt sich in Bewegung. Hand in Hand geht Davids gemeinsam mit den Kindern zum nächsten Zebrastreifen über die Straße Vierbergen. „Hier kenne ich mich aus“, bemerkt Gino aufgeregt. Dann darf er als erster den Fußgängerüberweg betreten. Janka Davids erklärt der Gruppe vorher die korrekten Abläufe und das umsichtige Herantasten an die Straße. Mit einem ausgestreckten Arm signalisiert Gino den nahenden Autos, dass er die Straße überqueren möchte. Nach vier vorsichtigen Rundumblicken traut er sich und setzt den ersten Fuß zaghaft auf den Zebrastreifen. Mit jedem Schritt wird Gino sicherer. Er blickt ständig nach links und nach rechts, so beobachtet er den Verkehr. Auf der anderen Seite angekommen lächelt er stolz. Die anderen Kinder feuern ihn an. Polizeikommissarin Davids: „Der Unterricht baut aufeinander auf. Nach einem Theorieteil schulen wir die Kinder im Straßenverkehr. Wir zeigen ihnen, wie sie sicher über die Straße gehen und konzentriert auf den Verkehr achten. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein. Einen Verkehrsfuchspass bekommen die angehenden Grundschüler nach dem Absolvieren der fünf Schulungstermine als kleine Belohnung.“
Als Janka Davids an der U-Bahnhaltestelle Legienstraße einen Münzfernsprecher sieht, improvisiert sie spontan. „Na, wer weiß, was das ist?“, fragt die Beamtin. „Wie kann man denn mit diesem Telefon die Polizei anrufen? Welche Nummer haben die Kollegen? Wann darf man sie rufen?“ Fragen, die für Erwachsene selbstverständlich sind. Moses, Sepide, Jamal und Gino erarbeiten sich das Wissen eifrig. Sie werden am Ende der Woche stolz den Verkehrspass in den Händen halten. Kommissariatsleiter Lübbert:„Wir mussten in der Vergangenheit auch manchen Familien aufgrund der begrenzten Kapazitäten absagen. Einen Platz in unserem Verkehrsfuchs-Programm zu bekommen, ist als Bonus zu sehen“. (ms)
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