Neues Häuschen soll her

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Das ehemalige Klohaus an der Kreuzung Große Holl/Kandinskyallee Foto: Timm
 
Anwohner protestieren mit Transparent Foto: Timm

Seit altes WC geschlossen ist, herrschen üble Zustände. Was Bezirk sagt

Von Frank Berno Timm
Mümmelmannsberg
Irgendwie hat es was von Dornröschen: Eine Tür ist mit Spinnweben überwachsen, die Schrift über einer anderen siecht vergilbend vor sich hin, das Herbstlaub ist zusammengeweht – das ehemalige Klohaus an der Kreuzung Große Holl/Kandinskyallee dämmert vor sich hin. Wer mal muss, wird mit Märchen wenig im Sinn haben – wohin also?

Protest per Transparent


„Liebe Menschen, liebe Tiere, dieser Platz ist keine öffentliche Toilette!!!“ – so beginnt der kurze Text auf einem Transparent, das auf der anderen Straßenseite auf dem Gelände der evangelischen Gemeinde hängt. Diakon Lars Omland aus der Jugendetage ist verantwortlich für dieses und ein weiteres Transparent. Der Platz vor dem Fahrradcontainer und der Jugendetage sei seit mehreren Jahren als öffentliche Toilette für kleine und große Geschäfte genutzt worden, seit die Transparente hingen, habe es etwas nachgelassen. Omland findet, das gesperrte Klohäuschen stehe am falschen Platz, der Hauptverkehr spiele sich vor der Jugendetage ab, wo U-Bahn-Fahrgäste in den Bus ein- und aussteigen. Omland ging in den Sanierungsbeirat, in die Stadtteilkonferenz: bislang vergeblich.
Wolfdietrich Thürnagel, Piraten-Mitglied in der Bezirksversammlung, bemüht sich nach eigenen Angaben seit sechseinhalb Jahren darum, dass die Toilette wieder geöffnet wird. Er berichtet, als die Tür des Mümmelmannsberger Damenklos klemmte, habe dies schnell dazu geführt, dass das ganze Häuschen als abgängig angesehen wurde. Zugleich wurde im Hammer Park ein neues Klo fällig – die Betriebskosten wanderten stadteinwärts. Thürnagel spricht von 1.000 Euro monatlich: Es müsse zweimal täglich gereinigt, nachts abgeschlossen und eine Alarmanlage betrieben werden. Der Abgeordnete erzählt auch, dass Busfahrer der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) eher in den Busch gingen, als in die Hochbahn-Toilette an der Wendeanlage der U-Bahnstation.

Neuer Standort gesucht


VHH-Sprecher Martin Beckmann ist das Problem neu. Im betriebsinternen Beschwerde- und Informationsmanagement (BMI) komme es nicht vor. Im April dieses Jahres seien die Mitarbeiter über die Betriebszeitung informiert worden, dass sie die entsprechenden Anlagen der Hochbahn mit benutzen dürften. Gebe es doch Beschwerden, solle man sich melden: „Solchen Sachen gehen wir in jedem Fall nach.“
Damit gibt es aber noch kein neues Klo. Wolfdietrich Thürnagel berichtet, es solle eine neue „Bedürfnisanstalt“ mit Kiosk am südlichen Ende des Bussteigs gebaut werden, dafür brauche es aber einen Haushaltstitel des Senats. Wann hat das die Bezirksversammlung beschlossen? „Der Bezirk hat dazu nichts gesagt“, es gebe aber schon einen Betreiber aus dem Viertel, „der auch anerkannt ist“. Sorina Weiland vom Bezirk Mitte ist vorsichtiger. Die bisherige Toilette sei „wegen hoher Kosten bei geringer Nutzung“ geschlossen worden. Allerdings werde von der Stadtplanungsabteilung gemeinsam mit dem Stadtteilbeirat an einer Lösung gearbeitet: „Dies gestaltet sich schwierig, weil die Finanzierung des Betriebes noch nicht gesichert werden kann.“ Der Stadtteil wünsche sich die Toilette an einem zentraleren Ort, „bisher haben unsere gemeinsamen umfangreichen Prüfungen aber auch hier nicht zum Ergebnis geführt“.
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 23.11.2015 | 09:26  
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