Orientalische Klänge aus Horn

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Ali Temiz bietet demnächst auch Gitarrennunterricht für die jungen Musikschüler an Foto: Christa Möller
 
Projektleiterin Leyla Tanriverdi Foto: Christa Möller

Verein bietet kostengünstige Kurse auf der Langhalslaute an. Bald auch Gitarrenunterricht

Von Christa Möller
Horn
Als kleines Mädchen hätte Leyla Tanriverdi gern ein Musikinstrument erlernt - aber ihrer Familie fehlte das Geld für den Unterricht. Als dann ihr ältester Sohn vor sieben Jahren Geige spielen wollte, wurde sie aktiv: „Weil wir nicht soviel Geld verdienen, habe ich eine kostengünstiges Unterrichtsangebot gesucht“, erzählt die 35-jährige Mutter von vier Kindern. Das fand sie beim Projekt „Musica Altona“. „Mein Sohn war richtig begeistert. Da habe ich überlegt, ob man das nicht auch hier in Horn machen könnte.“ Gesagt, getan: Im Sommer 2008 rief sie das Projekt „Musikklang Horn“ ins Leben, um durch geringe Beitragskosten auch Eltern mit geringem Einkommen eine musische Förderung ihrer Kinder zu ermöglichen. Der Horner Verfügungsfonds unterstützte das Projekt und die Bürgerstiftung Hamburg sorgte bis 2012 für finanzielle und organisatorische Hilfe. 2009 gründete Leyla Tanriverdi mit engagierten Müttern den gleichnamigen Trägerverein für ihr Projekt. Ein Unterrichtsraum fand sich in der Schule Sterntalerstraße, wo es damals noch keine Nachmittagsbetreuung gab. Hier lernten die Kinder und Jugendlichen Geige spielen, und der deutsche Saz-Lehrer Malte Stueck brachte ihnen Noten und die türkische Laute „Saz“ nahe – Völkerverständigung auf musikalischer Ebene.
Zwar wird seit einem Jahr kein Geigenunterricht mehr angeboten, aber nach wie vor gibt es Saz-Unterricht für die Kinder und Jugendlichen, mittlerweile bei Ali Temiz. Der türkische Musiklehrer bringt den Kindern die traditionelle türkische und kurdische Musik bei, aber auch jüdische und armenische Stücke oder Werke von Mozart. Auf Wunsch einer kleinen Schülerin spielt der Lehrer zu Unterrichtsbeginn auch mal eben das Pippi-Langstrumpf-Lied auf dem Instrument – eine für unsere Ohren ungewohnte, aber nicht weniger klangvolle Variante. Für eine geringe Leihgebühr dürfen die Schüler ihr Instrument mit nach Hause nehmen. Die Langhalslauten sind vom Balkan bis Afghanistan verbreitet. „Saz gehört zu unserer Kultur dazu. Überall bei Hochzeiten und anderen Veranstaltungen ist dieses Instrument dabei. Bei den alevitischen Kurden und bei den Türken ist das ein Muss,“ sagt die Projektleiterin, die kurdische Wurzeln hat. Das Instrument wurde früher aus dem Holz des Maulbeerbaumes in einem Stück gefertigt, wie Ali Temiz erläutert. Heute wird zumeist mit Furnier gearbeitet. Es kommen verschiedene Hölzer zum Einsatz. So gibt es bereits Saz für 120 Euro, aber Preise bis über 2.000 Euro sind durchaus auch möglich.

Neu: Gitarrengruppe


Zur Zeit bestehen drei Saz-Gruppen mit Schülern aus verschiedenen Nationen zwischen sechs und 15 Jahren. In einer weiteren Gruppe werden 16- bis 17-jährige Schüler, die schon länger dabei sind, unterrichtet. Das Angebot ist Multikulti und steht ausdrücklich allen Nationen offen, betont Leyla Tanriverdi, deren ausgezeichnetes Projekt „Musikklang Horn“ schon viele Preise gewonnen hat. „Bei Ali lernen die Kinder die Noten so, dass sie sie auch auf anderen Instrumenten spielen und auch in der Schule davon profitieren können“, sagt Leyla Tanriverdi. Und so soll das Angebot demnächst erweitert werden, dann wird Ali Temiz bei „Musikklang Horn“ auch Gitarrenunterricht geben. Seit eineinhalb Jahren wird im Spielhaus an der Speckenreye 39 in Horn unterrichtet.
Finanzielle Hilfe bekam das Projekt unter anderem durch die Radio Hamburg-Aktion „Hörer Helfen Kindern“ und gerade jetzt vom Hamburger Spendenparlament. „Musikklang Horn“ ist auf Spenden angewiesen.

Für die neuen Gitarrengruppen werden noch Schüler gesucht. Infos unter 0176/ 48 68 35 41
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