Papst lädt Obdachlose aus Hamburg ein

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Johannes Franziskus Wiedeking, Toni Schröder und Joachim Weber (v. l.) reisten zu Papst Franziskus nach Rom Foto: kg

70 Wohnungslose und 30 Betreuer reisen nach Rom

Von Karen Grell
Hamburg
Siebzig Obdachlose und dreißig Betreuer aus Hamburg waren für vier Tage in Rom, um den Papst zu treffen. Sie nahmen vom 10. bis 13. November an der Pilgerreise „fratello“ teil, zu der Papst Franziskus 6.000 Menschen, die in schwierigen Situationen leben, aus ganz Europa eingeladen hatte. „Damit hätte ich nie gerechnet“, freut sich Toni Schröder (56) noch kurz vor der Abreise und verrät, dass er in seinem bisherigen Leben weder in Rom war, noch überhaupt geflogen ist. Die Pilgerreise wurde von der Katholischen Akademie Hamburg und dem Caritasverband in Kooperation mit anderen katholischen und evangelischen Einrichtungen organisiert und ausschließlich durch Spenden finanziert. Beim letzten Zusammentreffen am kleinen Michel und dem bevorstehenden Abflug war die Aufregung bei allen Beteiligten groß. „Viele der Mitreisenden sind Hinz & Kunzt Verkäufer“, weiß Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer, der zum Team der Obdachlosenzeitung gehört. Die stärkende Suppe und der Reisesegen von Erzbischof Dr. Stefan Heße wurden zwischen gepackten Taschen und letzten Zweifeln, ob denn auch alles klappen würde, dankend angenommen. „Manchen standen die Tränen in den Augen, als sie erfuhren, dass sie mit nach Rom reisen würden“, erinnert sich Timo Spiewak, Sprecher des Hamburger Caritasverbandes, an die Anfänge des Projektes. Das wichtigste an dieser Reise ist die Wertschätzung, die den Menschen, die in so prekären Situationen leben, entgegengebracht wird. Entstanden ist die Idee des Papstes, so viele Menschen nach Rom einzuladen, durch einen Obdachlosen, der es geschafft hatte, dem Papst selbst die Hand zu reichen und dem er dann vorschlug, „seine Brüder nach Rom zu bringen“. Johannes Franziskus Wiedeking (55) aus der Neustadt, der auch mit in Rom war, beschreibt dieses Erlebnis als etwas ganz besonderes. „Ich hätte nicht daran geglaubt, je dem Papst so nahe zu sein. Er tut so viel für die Armen, das bewundere ich“. Schwer war es nicht, in Hamburg siebzig Mitreisende zu finden: „Wir haben die Institutionen angesprochen, die obdachlose Menschen betreuen. Da fühlten sich viele sofort angesprochen“, erklärt Spiewak. Die meisten der Hamburger, die mit ein wenig Gepäck und ganz großen Erwartungen zum kleinen Michel kamen, haben in ihrem Leben schon auf der Straße gelebt, schlechte Zeiten hinter sich. Manche von ihnen hoffen auch heute noch auf ein kleines Zimmer irgendwo in der Stadt, die doch reich genug sei, um jedem wenigstens einen Unterschlupf vor der Kälte zu bieten. Teilnehmerin Ikona Bahlau bringt es auf den Punkt: „Obdachlosigkeit dürfte es gar nicht geben, die müsste einfach aufgelöst werden“, so die Mitreisende, die voller Hoffnung ist. „Mein Glaube ist der Motor für alle positiven Taten in meinem Leben.“
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