Patchwork im Garten

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Auch die Kinder der nahen Kinderwerkstatt haben ein eigenes Beet: Sharif (v. li.), Shedrake, Ramin und Hassan Foto: Grewe
 
Der Vorstand mit dem grünen Daumen: Elisabeth Thun (r.) und Havva Schäfer haben ein Gemeinschaftsbeet Foto: Grewe

In Billstedts grüner Oase beackern Stadtteilgruppen und Bürger ihre Beete

Von Elke Grewe
Billstedt
Christine Schweitzer serviert selbst geerntete Monatserdbeeren. Die Mitglieder des „Interkulturellen Gartens“ in Billstedt und die Reporterin kosten – und sind begeistert von dem aromatischen Geschmack. Echt lecker! Man hat es sich auf der Gemeinschaftsterrasse des Gartens gemütlich gemacht. Der Blick fällt auf heranwachsende Weintrauben. „Ja, wir ernten dieses Jahr erstmals Trauben“, verrät Elisabeth Thun, die Erste Vorsitzende des Vereins „Interkultureller Garten.“ 38 Mitglieder hat der Verein, die alle ein eigenes Beet von zirka 14 Quadratmetern bewirtschaften.

„Wir legen Wert darauf, dass wir unter unseren Mitgliedern auch viele Migranten haben.“ Havva Schäfer, 2. Vorsitzende

Ferner gehört insgesamt sechs Gruppen je ein Beet: zwei Kindergruppen, die MOMO-Beratungsstelle, eine Seniorengruppe, eine Flüchtlingsunterkunft Billstedt und der Verein Pestalozzi. Seitdem der Verein „Interkultureller Garten Hamburg-Billstedt“ im Frühjahr 2012 vom Bezirksamt ein 1000 Quadratmeter großes Grundstück erhielt, zudem 2014 noch einmal 600 Quadratmeter hinzu kamen, ist hier ein grüner Dschungel entstanden. Die prächtigen Blumen sind ein echter Augenschmaus und die vielen Nutzpflanzen, auch aus anderen Ländern, ein Gaumenkitzel. „Wir legen Wert darauf, dass wir unter unseren Mitgliedern auch viele Migranten haben, die Nutzpflanzen aus ihrer Heimat anbauen. Sogar eine Inka-Kartoffel gedeiht hier“, so die Zweite Vereinsvorsitzende Havva Schäfer, gebürtige Türkin.
Ein Drittel aller Mitglieder sind Migranten, die anderen deutscher Herkunft. Und einige bereichern den Verein auch um große Lebenserfahrung wie Friedrich Kröger, stolze 85 Jahre alt und Schatzmeister des Vereins. Der agile Billstedter, der seit 1961 im Stadtteil lebt, bringt auch jede Menge Gartenwissen ein. Er kümmert sich intensiv um das Gemeinschaftsbeet, das 50 Prozent der Fläche ausmacht und eigentlich von allen Mitgliedern abwechselnd bewirtschaftet werden soll. „Erst war das etwas zäh, mittlerweile klappt die Zusammenarbeit aber schon viel besser“, so Elisabeth Thun.
Friedrich Kröger ist dieses Gemeinschaftsbeet sehr wichtig. „Am 15. August organisiere ich einen Tag der Gemeinschaftsarbeit. Ab 10.30 Uhr gibt es dann auch einen speziellen Workshop rund um das korrekte Anlegen eines Komposthaufens.“ Denn was nicht jeder weiß: Der Kompost muss regelmäßig „umgesetzt“, das heißt, vom „Kopf auf die Füße“ gestellt werden.

Wasser aus dem Bunker


Vielleicht kommen die Mitglieder am Tag der Gemeinschaftsarbeit auch endlich dazu, ihren neuen Grill einzuweihen. Den haben sie aus Schamottsteinen selbst angelegt, eine gemütliche Sitzbank gibt es auch. Ja, Stillstand kennt der „Interkulturelle Garten“ nicht. „Wir haben noch viel vor, wünschen uns für das nächste Jahr ein eigenes Bienenvolk. Und dann ist da noch die Idee mit der Wasserpumpe. Auf dem Gelände existiert ein Bunker aus dem zweiten Weltkrieg, der zu zwei Dritteln mit Wasser gefüllt ist, stellten Sachverständige fest. Das Wasser haben wir auf Chemikalien untersuchen lassen“, sagt die Biologin Havva Schäfer. Es ist von der Zusammensetzung optimal geeignet, um die Beete zu bewässern. Als Trinkwasser taugt es allerdings nicht. Bisher bezieht der „Interkulturelle Garten“ das Wasser von der nahen Kinderwerkstatt in der Legienstraße 28. Aber dieses Wasser muss natürlich bezahlt werden. Theoretisch wäre es aber möglich, durch ein Loch, das im Bunker vorhanden ist, das Wasser kostenlos herauszupumpen.
„Dafür brauchen wir aber noch eine behördliche Genehmigung“, so Schäfer, die sich darum kümmert. Dass Billstedt überhaupt einen „Interkulturellen Garten“ hat, ist das Verdienst der heute 69-jährigen Vorsitzenden Elisabeth Thun. Sie hat sich jahrelang für das Gartenprojekt stark gemacht. Die Idee wurde auf der Sitzung der Stadtteilinitiative „Hallo Billstedt“ Ende 2010 geboren. Bis der Verein das Grundstück bekam, vergingen dann noch eineinhalb Jahre. Pacht müssen die Mitglieder für das Grundstück nicht zahlen. Denn Billstedt ist zum „Entwicklungsraum“ erklärt worden. Diverse Projekte sollen den Stadtteil attraktiver machen, für den „Interkulturellen Garten“ gibt es bis einschließlich 2015 Fördergelder. „Wir bekommen aber auch viele Spenden“, betont Thun. „Wir wollen für das Quartier da sein. Von unserem prachtvollen Garten können sich Besucher regelmäßig am Tag der offenen Tür einen Eindruck verschaffen. Die Termine: immer am 2. und 4. Sonntag im Monat“, so Thun (nächste Termine 9.8., 23.8., 13.9., 27.9.). Dann können sich Besucher davon überzeugen, dass hier noch traditionelle Gemüsesorten wie Bremer Meerkohl angebaut werden. Zum Beispiel auf dem Beet von Katrin Lademann, von Beruf Sozialpädagogin. „Wir tauschen auch regelmäßig unsere Ernte untereinander aus“, betont sie. Denn mindestens ebenso wichtig wie das Hobby-Gärtnern ist das Gemeinschaftsgefühl unter den Mitgliedern“. Im nächsten Jahr haben Interessierte übrigens die Chance, ein eigenes Beet im „Interkulturellen Garten“ zu bekommen. „Dann werden zwei Beete frei“, so Thun. (wb)

Weitere Infos: www.ikg-hamburg-billstedt.de
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