Raum für kreative Menschen in Hammerbrook

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Martin Sukale hat mit einer alten Pressmaschine den guten Klang zurückgeholt und will Platten produzieren Foto: kg
 
In den Garagen werden Lkws für Filmarbeiten umgebaut Foto: kg

Neues Projekt der Kreativ Gesellschaft heißt „Hochwasserbassin“

Von Karen Grell
Hammerbrook Leer stehende Gebäude überall in Hamburg verteilt? Das muss nicht sein, meint die Hamburger Kreativ Gesellschaft, die sich für die Nutzung dieser Brachlandschaften einsetzt und ihnen eine zweite Chance gibt. Künstler und Kreative sollen hier eine Möglichkeit bekommen, zu günstigen Mietpreisen eigene Schaffensräume einzurichten.

Mit der Fertigstellung der Sanierungsarbeiten am „Hochwasserbassin“ an der Süderstraße in Hammerbrook startet jetzt auch dort ein neues Zentrum der Hamburger Kultur- und Kreativwirtschaft. Als Projektkoordinatorin und Hauptmieterin hat die Gesellschaft den ehemaligen Betriebshof der Hamburger Wasserwerke an zwei Betreiber-Gemeinschaften übergeben, die in den Räumen Ateliers, Werkstätten, Tonstudios, Ausstellungsräume und sogar das kleinste Schallplattenpresswerk der Welt entstehen lassen. Die Grundsanierung wurde mit Mitteln der Kulturbehörde in Höhe von 650.000 Euro umgesetzt. Kulturstaatsrat Dr. Carsten Brosda freut sich über diesen kreativen Zuwachs in einem Viertel, das von vielen als wenig charmant angesehen wird: „Mit diesem Projekt ist Hamburg um einen kreativen Standort reicher geworden. Am Hochwasserbassin ist ein Ort entstanden, der Künstlern bezahlbaren Raum bietet an dem neue Ideen realisiert werden können.“ Das Areal, das aus drei separaten Gebäuden und einem Innenhof besteht, befindet sich im Eigentum der Stadt und ist Teil eines Grünzugs, der vom Berliner Bogen bis zum Elbpark Entenwerder reicht. In den Häusern, die seit 2000 größtenteils ungenutzt waren, wurde im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen Schäden beseitigt und neue Versorgungsleitungen für Wasser, Fernwärme, Erdgas und Strom gelegt. Zwei der neuen Mieter haben bereits mit dem Innenausbau und ihrer Arbeit begonnen.

Das Konzept überzeugte


Beide konnten im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens 2012 mit ihren Konzepten eine Jury überzeugen und sind seitdem Teil des Projektes. Im Verwaltungsgebäude mit Fahrzeughalle hat Moritz Kromer, Inhaber von „mobilespace“, eine Werkstatt für den Bau von Filmproduktionsfahrzeugen eingerichtet. „Wir bauen Fahrzeuge so um, dass sie für Dreharbeiten genutzt werden können“, erklärt der Jungunternehmer sein Konzept.
Ein Geheimtipp am Ort ist sicherlich das kleinste Schallplattenpresswerk der Welt. „Ameise vinyl” ist ein Ort für alle, die sich noch „an den guten Klang der alten Schallplatte erinnern“, so Firmeninhaber Martin Sukale, der auch schon als Schauspieler gearbeitet hat. Seit die Platte 1996 „den absoluten Tiefpunkt erreicht hatte“ ist der Künstler in Paris und New York gewesen, um das aus den Insolvenzmassen der großen Tonträgerproduzenten aufzukaufen, was diese nicht mehr schätzen wollten. Eine alte Schallplattenpresse von 1965 hat Sukale wieder zu neuem Leben erweckt und spezialisiert sich nun ausschließlich auf Sonderformate und Stammkunden aus der Szene. In Handarbeit entstehen bei ihm Kleinserien für den heute wieder boomenden analogen Schallplattenmarkt. „Man kann bei mir theoretisch auch nur eine einzige Platte bestellen“, sagt der Fan des guten Klanges. Eine weitere Besonderheit: „Die Wärme, die hier durch die Produktion entsteht, wird dem Beheizen des gesamten Gebäudes dienen“, so Sukale. Was er in ganz kleinem Rahmen vormache, könne für die große Industrie ein Hinweis auf das sein, was möglich ist. Die kleine Vinyl-Manufaktur hat am Eingang auch gleich noch ein Café eingerichtet mit der Vermutung, „dass sich bestimmt Leute für die Maschine interessieren werden“. Dennoch hofft Sukale, „dass dieser Ort von dem Trend, der „In-Gesellschaft“ verschont bleibt.“

In den anderen am Kanal gelegenen Gebäuden sollen Orte für Konzerte und ein Atelierhaus für Künstler entstehen. Außer zehn Tonstudios wird es Ateliers für Maler und Bühnenbildner, ein Schreiblabor sowie Raum für eine Performance Gruppe geben. Der Mietvertrag für die gesamte Fläche ist zunächst auf 20 Jahre angesetzt. „Wir freuen uns, dass es mit Kräften von Verwaltung und öffentlichen Einrichtungen gelungen ist, die Gebäude der Wasserwerke vor dem Abriss zu bewahren und sie in kreative Hände zu geben“, sagt Egbert Rühl, Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft. Mit dem Projekt „Hochwasserbassin“ startet in Hamburg ein absolutes Vorzeigeprojekt.

Weitere Infos gibt es HIER.
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