Signale gegen Gewalt zuhause

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Marianne Dotzek, Dogan Kilickaya, Züleyha Celebi und Dilek Yürüten werben mit Sternen für Respekt und Gewaltfreiheit Foto: Christa Möller/wb

„Sterne“-Frauen sind Teil einer breit angelegten Initiative. Seit 2014 neu in Horn

Von Christa Möller
Hamburg. Dieses Projekt soll Mut machen: Stadtteile ohne Partnergewalt, kurz StoP, wurde von der Hamburger Professorin
Dr. Sabine Stövesand mit dem Ziel entwickelt, Zivilcourage und Einmischungsbereitschaft zu stärken. Projektstart war vor vier Jahren in Steilshoop. Seit Januar läuft StoP, zunächst für zwei Jahre, auch in Horn. Betroffene und Nachbarn, Ehrenamtliche und soziale Einrichtungen arbeiten eng zusammen, um gegen Gewalt aktiv zu werden und darüber zu informieren. Koordinatorin und Projektleiterin ist Züleyha Celebi, die seit 1979 im Stadtteil wohnt und als Mutter eines inzwischen sechsjährigen Sohnes 2007 in die Elternschule kam. Nach einem Probepraktikum bewarb sich die Muslimin mit Unterstützung von Elternschulleiterin Marianne Dotzek um einen Studienplatz für Sozialpädagogik beim Rauhen Haus, einer evangelischen Fachhochschule, und schreibt jetzt ihre Bachelorarbeit. Thema: Häusliche Gewalt und ihre Auswirkungen auf Kinder. Da passt es gut, dass sie nach einer Fortbildung bei Professorin
Dr. Stövesand die Leitung des StoP-Projekts übernehmen konnte. Züleyha Celebi weiß: „Gewalt ist ein sehr sensibles Thema. Jede vierte Frau ist davon betroffen.“ Gewalt gehe durch alle Schichten, umfasse Beleidigungen ebenso wie Schläge. „Das entwickelt sich langsam. Macht und Kontrolle werden immer stärker.“
Sie betont, es handele sich nicht nur um Frauenarbeit, sondern um Menschenrechtsarbeit.

Verschiedene Kulturen

Jeden Donnerstagnachmittag treffen sich etwa zehn Frauen unter Leitung von Züleyha Celebi in der Elternschule Horner Geest am Spliedtring 44, um sich gemeinsam zu stärken und ehrenamtlich gegen Gewalt zu engagieren.
Die Gruppensitzungen sind teilweise schwierig, da Betroffene daran teilnehmen. Wer sich nicht in der Gruppe öffnen möchte: Züleyha Celebi bietet nach Vereinbarung eine Sprechstunde an (t 653 13 82). Marianne Dotzek führt gegebenenfalls Einzelgespräche und vermittelt auch an Opferschutzorganisationen. Eine Sozialpädagogin und eine Psychologin komplettieren das Team, sie sprechen auch Türkisch und Farsi. Die Teilnehmerinnen, die sich den Namen „Sterne“ gegeben haben, stammen aus Deutschland, der Türkei, Polen, Saudi-Arabien, Ägypten, Tunesien und dem Iran. Ermöglicht wurde die Arbeit nur durch ein erstaunliches Finanzierungskonstrukt für Celebis halbe Stelle: Die Behörde für Arbeit, Soziales und Integration, die Umweltbehörde sowie die Fachämter Jugend und Familie, Stadt- und Landschaftsplanung und Sozialraummanagement teilen sich die Kosten. Und „die Saga half mit Material“, so Marianne Dotzek.

Ergänzung zu „Kiezläufer“

Initiiert wurde das Projekt im Bezirk Mitte von Sabine Wenzel, Fachamtsleitung Sozialraummanagement, sowie der Koordinatorin im Bezirksamt Mitte, Susanne Hüttenhain. Freier Projektträger ist das Jugendzentrum Horner Geest, dessen Leiter, Dogan Kilickaya, betont: „Wir versuchen, soziale Probleme in den Griff zu bekommen.“ Dazu trägt das Projekt Kiezläufer bei. So nennen sich junge Erwachsene, die, extra ausgebildet, als Streitschlichter im Stadtteil unterwegs sind (das Wochenblatt berichtete). Beide Projekte sind beim Fachamt Jugend- und Familienhilfe angesiedelt und könnten sich gut ergänzen: „Das kann einen Synergieeffekt erzeugen“, hofft er.
Gerade haben die Frauen Sterne gebastelt und beschriftet. „Gewalt macht Seele kaputt“ oder „Es lebe die Freiheit“ steht darauf geschrieben. So soll die Nachbarschaft für das Projekt sensibilisiert werden. „Die Nachbarn wissen oft nicht, ob sie die Frauen ansprechen sollen oder trauen sich häufig nicht, die Polizei zu rufen“, sagt Züleyha Celebi. Die Aktion gefällt auch Dogan Kilickaya, denn „ein Stern leuchtet immer, man kann ihn nicht ausschalten.“ (wb)

Info:
Am 24. Mai ist von 10-18 Uhr ein Stadtteilfest auf dem P & R-Parkplatz am Gojenboom in Horn geplant. Elternschule und die Projekte StoP und Kiezläufer präsentieren ihre Arbeit. Zum Vormerken: Am 13. September, 15 bis 18 Uhr große Veranstaltung am Jugendzentrum Horner Geest
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