So macht Nachbarschaft in Hamburg Spaß!

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Buket Palabiyik hat die frühere Babybadewanne ihrer Tochter als Pflanzgefäß zweckentfremdet Foto: cm
 
Für Ältere wie diese Frau mit dem Gehwagen ist die Überquerung gefährlich Foto: Buket Palabiyik/wb

Feiern, pflanzen, klönen: Buket Palabiyik lebt und begeistert in Rothenburgsort

Von Christa Möller
Hamburg Ihre deutsch-türkische Frauenparty kürzlich in Rothenburgsort war ein toller Erfolg: Buket Palabiyik freut sich über das Zusammenwirken in der Nachbarschaft. 1977 kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland, seit 28 Jahren lebt sie an der Stresowstraße. In Rothenburgsort besuchte die Türkin Kindergarten und Schule, hier lebt sie mit ihrer eigenen Familie. Sie engagierte sich als Elternvertreterin in der Schule ihres inzwischen 25-jährigen Sohnes und seither auch in anderen Bereichen. Im Kindergarten ihrer Tochter regte sie eine Spendenaktion für Somalia im Rahmen des Zuckerfestes an, trat als einer von drei Clowns dort auf und freut sich, dass die Aktion nun regelmäßig stattfindet: „Wir haben gezeigt, dass Helfen Spaß macht.“ Weil sie schon fast 40 Jahre im Stadtteil lebt und viele Leute kennt, ergibt sich manches fast von allein, so auch die Frauenparty. „Ich habe die Idee gehabt und es waren ganz viele Leute da, die mit angepackt haben.“

Frauenfest organisiert

Die Rothenburgsorterin, die in der Altenpflege arbeitet, ist stolz auf ihre tollen Nachbarn. Dazu gehört auch Elke Matzen. Sie erzählt: „Buket hat Leute angesprochen, sich bemüht, einen Raum zu finden, die Musik organisiert.“
Zwischen 20 und 80 Jahre alt waren die Teilnehmerinnen, jede hat etwas mitgebracht.
Und es wurde eifrig getanzt - ob Bauchtanz oder Polonaise, die Frauen hatten ihren Spaß. „Das Schöne ist, dass jeder auch mit der Musik der anderen Kulturen in Berührung kam – es wurde einfach gefeiert“, stellt Buket Palabiyik fest. Fröhlich geht es auch vor ihrem Haus zu, wo eine Bank zum Hinsetzen einlädt, dank der farbenprächtigen Blumen, die sie dort hegt und pflegt, genau wie nebenan Nachbarin Renate Runge. „Das hat sich von selbst entwickelt“, meint sie bescheiden. „Jeder stellt mir da was hin, Blumenzwiebeln, Figuren oder kürzlich Ostereier.“ Und so ganz nebenbei kämen die Nachbarn dann auch schon mal ins Gespräch, während sie im Garten werkelt. „Auch bei dickstem Regen ist sie mit Gummistiefeln draußen und wir anderen freuen uns“, stellt Elke Matzen fest, die über ihre aktive Nachbarin sagt: „Sie ist die treibende Kraft und wir anderen machen mit.“ Jetzt möchte Buket Palabiyik allen engagierten Frauen Danke sagen: „Wir sind alle kleine Puzzleteilchen und wenn wir die zusammenfügen, ergibt sich ein Bild, und das wird immer schöner.“
Ein Problem vor der eigenen Haustür gibt es jedoch: Den Autoverkehr. Denn wer zum Rothenburgsorter Marktplatz gegenüber will, muss die Stresowstraße überqueren. Und hier behindern parkende Fahrzeuge regelmäßig die Sicht, während Autofahrer oft die Tempo-30-Vorschrift ignorieren, wie Buket Balabiyik weiß, und auch durch Radfahrer droht Gefahr. Ihre Tochter ist bereits angefahren worden. „Wir haben hier ein Altersheim und einen Kindergarten“, sagt die engagierte Frau, die für einen Zebrastreifen kämpft und dieses Anliegen bereits im Stadtteilbeirat vorgetragen hat, bislang erfolglos: „Weil es eine Tempo-30-Zone ist. Nun sollen wir eine Verkehrsnase bekommen“, sagt sie skeptisch. Die Stresowstraße sei lang und die Schilder schlecht zu sehen. „Manche geben hier noch mal extra Gas, da hat ein Kind oder ein älterer Mensch keine Chance“, sorgt sie sich.
Außerdem plant sie gerade einen Flohmarkt für Kinderkleidung und Spielsachen, dafür sucht sie noch einen Raum – und „verlässliche Mütter, die mitmachen“. Dort soll auch selbstgebackener Kuchen verkauft werden zugunsten der „ganz tollen Elternschule“ in Rothenburgsort, „die gerade alleinstehenden Frauen ganz tolle Unterstützung gibt.“
Buket Palabiyik stellt klar: „Es ist nicht so, das ich ständig etwas organisiere. Es entwickelt sich.“ Viele Ideen kommen aus der Nachbarschaft, zu der nicht nur Deutsche und Türken gehören, sondern auch Menschen aus Afghanistan, dem Balkan oder Italien: „Wir sind ein kunterbunter Haufen.“
Schon ihr Vater war „ein sehr redegewandter Mann, der die Leute überzeugt hat.“ Und von der Mama hat sie „dieses auf die Leute-zugehen. Sie hat immer gesagt: „Musst du fragen, mein Kind.“ (cm)
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