Sprache und Kultur lernen

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Die Schüler lernen eifrig, haben aber auch viel Spaß im Elternkursus von Foto: Möller
 
Im Alphabetisierungskursus von Julia Roth sind zufällig nur Frauen vertreten Foto: Möller

„bilim“ bietet Integrationskurse für Frauen an. Personal und Räume gesucht

Von Christa Möller
Billstedt
„Alle dürfen in der Schule lernen: ich, meine Kinder und mein Mann.“ Diesen Satz hat eine Frau aufgeschrieben, die nicht aus Deutschland kommt, aber hier lebt – und lernt. Sie wird nicht nur die Sprache, sondern auch Kultur und Gesellschaft kennenlernen, denn sie besucht einen Integrationskursus beim freien Bildungsträger „bilim“. Vor zehn Jahren hat Geschäftsführerin Behice Aykurt mit Bilim einen der Integrationskursträger der ersten Stunde mitgegründet. Die 45-jährige Aramäerin weiß, was die Menschen bewegt, die zu ihr kommen, ist sie doch selbst als Zehnjährige mit ihrer Familie aus der Türkei nach Deutschland gekommen: „Ich habe einen Migrationshintergrund und weiß, wie schwierig es ist, in eine neue Kultur hineinzukommen.“ Bei bilim wird auf gleichberechtigte, wertschätzende und freundliche Lernatmosphäre Wert gelegt, ebenso wie auf eine aktive und regelmäßige Teilnahme.

Im Stadtteil vernetzt


In Billstedt war bilim zunächst Untermieter im Kulturpalast und hat inzwischen seit sieben Jahren eigene Räumlichkeiten am Schiffbeker Weg 18, wo es sechs Klassenräume gibt. Kurse finden zusätzlich unter anderem im Kulturpalast, in der Kreuzkirche und bei Verikom statt. Zweiter Standort ist Langenhorn, wo 2007 die ersten Kurse starteten. Aktuell laufen 27 Kurse – 21 davon in Bill-
stedt – mit insgesamt über 420 Kursteilnehmern. „Wir begleiten sie schon sehr lange“, sagt Behice Aykurt. Aber auch danach kommen die Teilnehmer manchmal noch vorbei, brauchen einen Tipp oder möchten sich für die Unterstützung bedanken. „Es ist eine Zusammengehörigkeit da“, weiß die Geschäftsführerin, die mit ihrer Familie im Stadtteil lebt, „wir sind sehr ortsgebunden.“ Die Kursteilnehmer kommen aus Billstedt, Mümmelmannsberg, Jenfeld, Horn und Rahlstedt. Aykurt: „Darunter sind EU-Bürger, alteingesessene Ausländer und Neuzuwanderer. Es kommen ganz viele Polen, Rumänen, Bulgaren und Spanier, die nach der Arbeit bei uns noch die Abendkurse besuchen.“ Bilim versucht, die Kurse so aufzuteilen, dass immer Europäer dabei sind. „Die Leute lernen auch voneinander. Die europäische Kultur mit einzubauen, ist ganz wichtig. Nur stupides Deutsch lernen bringt nichts.“
Die 25 Kursleiter, überwiegend Pädagogen, sind freiberuflich bei bilim tätig. Seit 2005 gibt es auf Wunsch der Teilnehmer einen Integrationskursus nur für Frauen. Neben der Sprache lernen sie die Geschichte Deutschlands kennen, und auch politische Bildung und das Thema Gesellschaft stehen auf dem Stundenplan. Dazu kommen frauenspezifische Themen wie Gesundheit, Familie, Kinder und Erziehung. Außerdem gibt es spezielle Kurse für Eltern. Für diese Kurse stehen innerhalb von 14 Monaten 900 Unterrichtsstunden auf dem Plan. Allgemeine Integrationskurse umfassen 600 Stunden. Daneben bietet bilim in Billstedt sieben und in Langenhorn drei Alphabetisierungskurse (1.200 Stunden), sowie Orientierungskurse (60 Stunden) und den Deutsch-Test für Zuwanderer sowie den Einbürgerungstest an. Das Bildungsangebot richtet sich hauptsächlich an Migranten, die die deutsche Sprache neu erlernen oder ihre Kenntnisse verbessern möchten. Die Teilnehmer müssen bestimmte Voraussetzungen mitbringen, um die Zulassung über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu erhalten.

Lange Warteliste für Interessenten


Dann können sie einen Einstufungstest machen und werden anschließend auf die Warteliste gesetzt. „Das kann bis zu drei Monate dauern“, sagt Behice Aykurt. Hintergrund: bilim fehlen Räumlichkeiten und Fachpersonal. Auf Stadtteilebene ist die staatlich anerkannte Sprachschule unter anderem eng vernetzt mit Beratungsstellen, Integrationszentren, Schulen und Kirchen. Bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen haben die Schüler sich aktiv beteiligt, Torten gebacken und Musik gemacht, während bilim den Rahmen beboten hat. „Sie waren unglaublich kreativ“, lobt die Geschäftsführerin ihre Schützlinge. Einige haben Plakate gestaltet, auf einem findet sich beispielsweise der Satz: „Alle dürfen in der Schule lernen...“

Weitere Infos: www.bilim-integrationskurse.de
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