Warten auf die Moschee

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Daniel Abdin, Vorsitzender der Al-Nour-Gemeinde, schließt aus, dass die Moschee 2014 fertig wird Foto: mt

Umbau ist aufwändig, das Geld knapp. 2014 Eröffnung ausgeschlossen

Von Marco Thielcke
Hamburg. Von außen können Passanten in Horn kaum eine Veränderung erkennen. Die frühere Kapernaumkirche an der Sievekingsallee sieht aus wie immer, inklusive goldenes Kreuz auf dem 44 Meter hohen Turm. Dabei wurde das Gebäude schon im November 2012 an die muslimische Al-Nour-Gemeinde verkauft. Und es sieht so aus, als ob noch Zeit vergehen wird, bis hier der erste Gläubige Richtung Mekka betet.
Nachdem der erste Termin für die Eröffnung im Oktober 2013 verschoben werden musste, schließt Daniel Abdin, Vorsitzender der Al-Nour-Gemeinde, nun auch aus, dass die Moschee in diesem Jahr fertig wird. Noch im Januar sagte der 51-Jährige dem Wochenblatt, dass die sunnitische Gemeinde noch dieses Jahr nach Horn ziehen wird.

Zwei Millionen Euro

Laut dem Gemeindevorsteher wurden bei den Bauarbeiten in der ehemaligen Kirche immer mehr Mängel sichtbar. So musste der Boden bis in eine Tiefe von zwei Meter ausgetauscht und die alten Mauern aufwendig saniert werden. „In den Anfangsplanungen gingen wir von acht Monaten Bauzeit aus“, sagt Abdin. Nun dauert es nicht nur länger, es wird auch teurer. Ging man ursprünglich von 1,5 Millionen Euro Kostenaus, rechnet Daniel Abdin nun mit „mindestens zwei Millionen Euro“. Schlechte Nachrichten für die islamische Gemeinde, die den Umbau der Kirche zu einer Moschee durch Spenden selbst trägt. Unklar ist auch, wie lange überhaupt noch gebaut wird, denn das bereits eingesammelte Geld reicht nicht aus. „Wir sammeln weiter Spenden und bauen parallel“, sagt der gelernte Telekommunikationskaufmann Daniel Abdin.
Im ehemaligen Kirchenschiff gehen die Arbeiten in kleinen Schritten voran. Nur das Sonnenlicht, das durch ein Kreuz-Motiv in den hohen, bunten Glasfenstern scheint, erinnert aktuell noch an die vergangenen Gottesdienste.
Auf der neuen Stahlempore, die erst seit zwei Wochen steht, sollen in Zukunft die Frauen der Gemeinde beten können. Gegenüber an der roten Ziegelwand ist bereits der Umriss der Gebetskanzel des Imams mit Kreide an die Wand gezeichnet. Sie liegt etwas erhöht, damit er zu den Frauen und Männern gleichzeitig sprechen kann.
Auch der alte Kirchenturm, auf dem das Kreuz bald durch die Kaligrafie des Wortes „Allah“ ersetzt wird, soll für die Metamorphose von der Kirche zur Moschee umfunktioniert werden. Hier entstehen auf zwei Ebenen moderne Waschräume, für die rituellen Gebetswaschungen der Gläubigen.
„Sie soll mal ein Schmuckstück werden“, beschreibt Daniel Abdin die geplante Moschee. „Zeit ist für uns nicht der wichtigste Faktor“, so Abdin weiter.
Der Vorsitzende hofft, dass die Moschee „ein Ort der Begegnung zwischen Muslime und Nichtmuslime wird.“
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