Warum musste Yagmur sterben?

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Die Grabstätte der dreijährigen Yagmur auf dem Friedhof Öjendorf Foto: Röhe/wb

Mutter Melek Y. wegen Mordes vor Gericht. Vater Hüseyin ist auch angeklagt. Urteil im September

Von Martin Jenssen
Hamburg. Es ist der schwerste Vorwurf, den die Justiz gegen eine Mutter erheben kann: Mord am eigenen Kind. Diese Anklage erhebt die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen die 27 jährige Melek Y. aus Mümmelmannsberg. Sie soll monatelang ihre Tochter Yagmur geschlagen und gequält haben, bis das Kind am 18. Dezember 2013 innerlich verblutete. Durch die Schläge in den Bauchbereich war ihre Leber gerissen. Die kleine Yagmur (auch „Yaya“ genannt) muss in den letzten Monaten ihres kurzen Lebens höllische Qualen erlitten haben. Sie wurde nur dreieinhalb Jahre alt. Die Anklage gegen ihre Mutter lautet auf „Mord“, weil die Staatsanwaltschaft bei Melek Y. das Mordmerkmal der „Grausamkeit“ als erfüllt sieht.
Mit auf der Anklagebank vor dem Hamburger Schwurgericht sitzt der Vater des Kindes. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen vorgeworfen. Hüseyin Y. (25) soll seit Anfang August 2013 häufig zugesehen haben, wie die Mutter das Kind geschlagen und getreten hat. Er unternahm jedoch nichts. Die Staatsanwaltschaft: „Dabei war für ihn vorhersehbar, dass das Kind bei weiterer Gewalteinwirkung sterben könne.“

Eltern schweigen

Allein in den letzten vier Monaten ihres kurzen Lebens, zwischen August und Dezember 2013, soll die Mutter ihrer Tochter 83 Verletzungen zugefügt zu haben. Die Ärzte entdeckten am Körper des Kindes Kratzwunden, Hämatome und Schürfwunden. Im Oktober 2013 erlitt „Yaya“ einen Bruch oberhalb des linken Ellenbogengelenkes und innere Verletzungen im Bereich der Herzbasis und der Leber. Seit dem Todestag im Dezember 2013 sitzen die Eltern in Untersuchungshaft. Vor dem Eintreffen des Notarztes waren die blauen Flecken am Körper des Kindes dick überschminkt worden. Warum dieser Hass auf das eigene Kind? Was bewegt eine Mutter dazu, ihrem Kind so etwas anzutun? Fragen, die das Gericht versuchen wird, zu klären. Ob das gelingt, ist jedoch fraglich. Sowohl Melek Y. als auch ihr zwei Jahre jüngerer Mann Hüseyin wollen sich in dem Prozess, für den 22 Verhandlungstage angesetzt sind, nicht zu den Vorwürfen äußern. Am Eröffnungstag des Prozesses vergangene Woche nahmen sie die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft regungslos zur Kenntnis. Die schmächtig wirkenden Eheleute sitzen dicht nebeneinander, würdigen sich aber keines Blickes. Es liegt daran, dass die Ehefrau zunächst ihren Mann beschuldigt hatte, für die Verletzungen an der kleinen Yagmur verantwortlich zu sein. Erst im Laufe der Vernehmungen fiel der Verdacht, die Hauptschuldige zu sein, auf die Mutter.
Der Tod der kleinen „Yaya“ wirft ein schlechtes Licht auf die Jugendbehörden. Ein Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft versucht zu klären, was schiefgelaufen ist. Das Kind stand seit seiner Geburt unter staatlicher Obhut und wurde dennoch immer wieder zu den leiblichen Eltern gegeben. Mehrere Behördenmitarbeiter und Kindergärtner sollen in diesem Prozess als Zeugen vor dem Schwurgericht gehört werden. Sollte Melek Y. wegen Mordes verurteilt werden, droht ihr eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Vorsitzende Richter Joachim Bülter verlas den Eröffnungsbeschluss des Gerichtes. Demnach kommt auch eine Verurteilung wegen Totschlags oder Körperverletzung mit Todesfolge in Frage. In diesem Fall drohen beiden Elternteilen Haftstrafen zwischen einem und 15 Jahren. Das Urteil soll nach derzeitigem Stand am 25. September gesprochen werden.
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