Wer hinter der 112 in Hamburg steckt

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Im Notfall hilft der Zufall: Gerhard Zufall ist unter der Notrufnummer 112 im EinsatzFoto: Jenssen
 
Sachgebietsleiter Kai Uwe Matzat Foto: Je

Hilfe via Hammerbrook: Täglich gehen 2.500 Notrufe ein

Von Martin Jenssen
Hammerbrook „Wo?“ Das ist das wichtigste Fragewort der Frauen und Männer der Hamburger Feuerwehr, die in der Einsatzzentrale in der Wendenstraße 251 in Hammerbrook arbeiten. Es sind die Frauen und Männer der Notrufnummer 112. Rund 2.500 Ma l am Tag fragen sie nach: „Wo ist es passiert?“ - Und sofort wird der Ort auf dem Stadtplan, den die Mitarbeiter von 112 immer aufgeschlagen auf ihrem Bildschirm haben, markiert. Erst dann werden die weiteren Fragen gestellt: „Was ist passiert? Wer ist betroffen? Wer ist der Anrufer?“ Ist das alles geklärt, rücken die Einsatzwagen raus und sind innerhalb weniger Minuten am Einsatzort, um die Soforthilfe zu leisten.

2.500 Anrufe täglich

„Aus den 2.500 Anrufen resultieren täglich rund 800 Einsätze, zu denen die verschiedenen Feuerwehren Hamburgs ausrücken“, erklärt Kai Uwe Matzat, Sachgebietsleiter in der Einsatzabteilung. Es sind weniger Einsätze als eingehende Anrufe, weil es oft mehrere Anrufe zu einem Unfall gibt. Einige Anrufe sind auch blinder Alarm.
Man sollte meinen, dass es bei 2500 Anrufen am Tag hektisch zugeht in der Einsatzzentrale. Aber in dem Großraumbüro schrillen keine Telefone und es brüllt niemand herum. Es geht es sachlich und ruhig zu. Die Mitarbeiter von 112 sitzen an einem Arbeitsplatz mit vier verschiedenen Bildschirmen: einer für den Stadtplan, einer für das Aufnahmeprotokoll, einer mit der Übersicht der Feuerwehren und der Einsatzfahrzeuge und einer für die medizinischen Einsätze. Tagsüber arbeiten 15 Mitarbeiter in der Notrufzentrale, nachts sind es elf.
Nur an wenigen Tagen geht es in der Einsatzzentrale turbulent zu. Es sind die Tage, an denen die Feuerwehren zu Katastropheneinsätzen ausrücken müssen wie etwa bei Hochwasser oder Sturm. Turbulent ist es natürlich auch in der Silvesternacht. „Da kann es innerhalb weniger Stunden bis zu 12 000 Anrufe geben“, sagt Kai Uwe Matzat. An solchen Tagen sind wesentlich mehr Kollegen im Einsatz. Insgesamt arbeiten 75 Frauen und Männer in der Notrufzentrale 112.

„Wer die 112 anruft, bekommt es immer mit äußerst erfahrenen Kollegen zu tun, die zuvor schon viele Jahre praktische Feuerwehrarbeit geleistet haben.“ Kai Uwe Matzat

„Wer die 112 anruft, bekommt es immer mit äußerst erfahrenen Kollegen zu tun, die zuvor schon viele Jahre praktische Feuerwehrarbeit geleistet haben“, sagt Kai Uwe Matzat. Die Mitarbeiter werden zuvor in der Fragetechnik geschult. Bei der Abfrage halten sie sich an ein Abfrageprotokoll, das vor drei Jahren eingeführt wurde. „Auch wenn es die Anrufer manchmal nervt, für uns ist das äußerst wichtig“, erklärt Matzat.
„Um so präziser die Abfrage, um so besser kann reagiert werden. Nur so erfahren wir genau, was am Einsatzort erforderlich ist.“ Die über den Notruf alarmierten Feuerwehren rücken am häufigsten zu Notfallrettungen, Feuer- und Gefahrstoff-Einsätze aus. Innerhalb von vier bis acht Minuten sind sie am Unfall- oder Gefahrenort. Das ist äußerst schnell. Doch selbst das kann in manchen Fällen zu spät sein. Die Einsatzzentrale hält deshalb bei schweren Unfällen den Kontakt mit dem Anrufer und erklärt ihm genau, was er tun muss. Sogar Anleitungen zur Reanimation gibt es über die Notrufnummer.
Gerhard Zufall ist seit 31 Jahren Feuerwehrmann. Seit 14 Jahren arbeitet er in der Einsatzzentrale und hat dort unzählige Anrufe entgegengenommen. Es ist ein Job, den nicht alle durchhalten. Über Telefon nehmen die Feuerwehrleute an vielen Schicksalen teil. Manchmal sind es sehr traurige Schicksale. Ein Anruf, den Gerhard Zufall nie vergessen wird: „Ich sprach mit einer Frau, deren Kind im Sterben lag. Über das Telefon konnte ich sie nur trösten. Die Kollegen die wenige Minuten später zu ihr kamen, konnten nicht mehr helfen.“
Das ist zum Glück die Ausnahme. Viel häufiger werden über die Notrufnummer Leben gerettet. Jüngstes Beispiel: Bei dem Brand an der Eimsbüttler Straße, bei dem tragischerweise eine Mutter und ihre zwei Kinder verstarben, sprach einer der Mitarbeiter aus der Einsatzzentrale lange auf einen Bewohner des Hauses ein, beruhigte ihn und hielt ihn davon ab, aus seiner Wohnung in das verqualmte Treppenhaus zu laufen, wo er vermutlich erstickt wäre. Der Retter am Telefon redete so lange mit dem Bewohner des brennenden Hauses, bis die Drehleiter an seinem Fenster war und er gerettet werden konnte. (je)
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