Wie Javier die Chance in Hamburg nutzt

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Javier Carboneras (re.) und Mitbewohner Aleyandro kochen gerne gemeinsam Foto: ks

Ausbildung in Deutschland statt arbeitslos in Spanien: Weitgehend positive Zwischenbilanz

Von Klaus Schlichtmann
Billstedt
Eines vorweg: Er hat sich an der Elbe eingelebt – aber das Heimweh ist noch da, manchmal jedenfalls. Seit zwei Jahren lebt und arbeitet Javier Carboneras (25) in Hamburg. Bald kommt der junge Spanier ins dritte Lehrjahr, im „Jungen Hotel“ an der Kurt-Schumacher-Allee macht er die Ausbildung zum Hotelfachmann (das Wochenblatt berichtete). In seiner Heimat gibt es kaum Lehrstellen,dort ist auch die Arbeitslosenquote besonders unter jungen Erwachsenen hoch. Mit einem bundesweit beachteten Projekt wollten die Grone-Schule sowie die Arbeitsverwaltung von Kastilien-La Mancha (bei Toledo) mit der Unterstützung von Wirtschaft und Politik arbeitslosen Spaniern eine berufliche Chance in Hamburg geben. Und Javier qualifizierte sich mit 14 Landsleutenund zwei Portugiesen für den Neustart in Deutschland. Zu Hause hatte er nach dem Abitur seiner Mutter geholfen, sie führt ein kleines Restaurant.
Wir sind mit dem jungen Spanier in einer Tapas-Bar verabredet, um eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen. Javier hat „Kaninchen in Rotwein“ bestellt. Er hat zugenommen, so sieben, acht Kilo.Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Javier teilt sich in Mümmelmannsberg eine Zweieinhalbzimmer-Wohnung mit einem Landsmann. Aleyandro lernt Koch im Design-Hotel „Le Meridien“ an der Alster. „Aleyandro kocht gerne, auch zu Hause“, erklärt Javier. Und auch die manchmal kalorienreiche deutsche Küche macht er für die Gewichtszunahme verantwortlich...

Kontakt nach Hause


Hamburg gefällt ihm sehr gut – auch sein Job im Hotel. Küche, Service, Housekeeping, Rezeption – bisher hat Javier alle Ausbildung-Stationen gut gemeistert. Die erste Deutschprüfung ebenfalls. An Verständigungsproblemen kann es also nicht gelegen haben, dass er sich nach wenigen Monaten von seiner deutschen Freundin trennte. „Sie sprach von Heirat, Familie und so, das ging mir viel zu schnell. Ich muss mich auf meinen Beruf konzentrieren!“ Javier gehört zu denen, die das machen. Die ihre Ausbildung in Hamburg als Chance ansehen. 17 waren sie, als das Projekt vor zwei Jahren startete und Bürgermeister Olaf Scholz ihnen viel Erfolg wünschte. Jetzt sind es nur noch neun – alle anderen sind aus unterschiedlichen Gründen wieder abgereist - Heimweh, Sprachschwierigkeiten, die andere Mentalität der Deutschen. „Die verbliebenen neun Azubis aber haben das Ziel, die Prüfung im nächsten Jahr zu schaffen!“, erklärt Ulrich Wessels. Und auch für die weiteren Durchgänge ist der Grone-Geschäftsführer sehr zuversichtlich: „2014 begannen 24 Bewerber mit der Lehre – jetzt sind es noch 21 Azubis. In der Hotelerie/Gastronomie liegt die Abbrecherquote laut Handelskammer bei fast 50 Prozent. Unsere Abbrecherquote von bislang knapp 13 Prozent ist also als sehr positiv zu bewerten.“ Zum 1. August wollen 30 spanische Bewerber (18 Frauen, 12 Männer) mit der Ausbildung beginnen. Insgesamt betreut die Grone-Schule 30 Azubis und 30 Praktikanten, die in 21 Hotels und drei Restaurants arbeiten. 511 Euro netto erhält Javier im Monat, von der Agentur für Arbeit gibt‘s noch einen kleinen Zuschuss. Außerdem verdient er sich gelegentlich als Kellner in einer Gaststätte oder im Frühstücksservice im „Vier Jahreszeiten“ etwas hinzu. Trotzdem: Große Sprünge kann Javi, wie ihn die Kollegen nennen, nicht machen. Zumal er alle zwei, drei Monate nach Hause fliegt, um seine Mutter zu sehen und seinen „kleinen“ Bruder Adrian (22), der in der spanischen 3. Liga Fußball spielt. Wenn alles nach Plan läuft, wird Javier in gut einem Jahr die Prüfung zum Hotelfachmann ablegen. Anschließend möchte er gerne noch ein paar Jahre in „seinem“ „Jungen Hotel“ weiter arbeiten. „Wenn die Chefs mich denn wollen ...!“
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