Sie baut Brücken zwischen den Kulturen

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Fatma Kestel mit den Kindern der Bastelgruppe, die sie im Nachbarschafshaus an der Kroogblöcke initiiert hat.
 
Als sie beim Bürgerfest auf Schloss Bellevue gemeinsam mit zahlreichen anderen Ehrenamtlern eingeladen war, traf Fatma Kestel auch Bundespräsidenten Joachim Gauck und seine First Lady Daniela Schadt. Foto: hfr/ ag

Ehrenamtlerin Fatma Kestel aus Horn besuchte Bundespräsidenten im Schloss Bellevue

Von Anne Gemeinholzer
Horn. Fatma Kestel versteht sich als Brückenbauerin zwischen den Kulturen. Um ihre ehrenamtliche Sozialarbeit in Horn zu würdigen, war die 52-jährige Muslimin kürzlich nach Berlin zum Bürgerfest von Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue eingeladen. „Das war schön für mich und eine Ehre“, freut sie sich.
Wenn Fatma Kestel strahlt, runden sich ihre hohen Wangen, ihr Blick wärmt. Im Nu hat sie so schon ein Vorurteil entkräftet, das sie häufig höre: „Du siehst so streng aus mit deinem Kopftuch.“
Vorurteile und Hemmungen abbauen möchte die Muslimin aber nicht nur gegenüber ihresgleichen: Sie möchte wertschätzende Begegnungen zwischen Menschen aller Kulturen im Quartier schaffen. Dazu nimmt sie auch Frauen aus ihrer muslimischen Frauengruppe Billstedt-Horn an die Hand, zieht sie mit – „damit sie herauskommen aus ihrer Ecke“.
Fatma Kestel engagiert sich auch deshalb, weil sie weiß, dass sie selbst Glück gehabt hat und gefördert wurde: „Ich beherrsche die Sprache, das ist wichtig. Wer sie nicht beherrscht, wird einsam“, sagt sie.
Bevor die zehnjährige Fatma als Gastarbeiterkind aus der Türkei 1970 in Hamburg in die Schule kam, brachte der Vater ihr und den Schwestern ein Jahr lang Deutsch bei. Davon profitiert Fatma Kestel heute noch.
Fatma Kestel und ihre Schwester Safure Soyak kümmern sich mit der Leiterin Zekiye Cankaya und fünf weiteren Frauen aus der muslimischen Frauengruppe um viele gesellschaftliche Gruppen im Quartier. Seit knapp einem Jahr sind sie im Nachbarschaftshaus Kroogblöcke aktiv. Ähnliche Gruppen bieten die Frauen auch im Nachbarschaftshaus Jenkelweg an. „Wir wollen einen Treffpunkt schaffen, wo die Türen für jeden offen sind“, beschreibt Fatma Kestel ihre Motivation.
Für ihre Arbeit sehen die 52-Jährige und ihre Mitstreiterinnen heute alle Türen weit offen stehen. Das war nicht immer so und zeigt, dass die Frauen mit ihrer hartnäckigen Freundlichkeit gegen jedermann schon viel bewegt haben. „Wenn ich hilfsbereit und gutmütig bin, stecke ich meinen Nachbarn auch an: Das ist mein Motto“, sagt Fatma Kestel.
Kinder von der Straße
Ihr ist wichtig, Kinder von der Straße wegzuholen, ihnen zu vermitteln, dass sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können. Dass aus „Horn stammend“ nicht gleichbedeutend ist mit: Aus dir wird nichts. „Wir versuchen den Jugendlichen zu vermitteln: Tut etwas für euch. Wenn ihr für euch eine Perspektive entwickelt, ist auch dem Stadtteil geholfen.“
Mit ihrem Engagement für die Quartiere Billstedt und Horn sind die acht Frauen inzwischen gesuchte Partnerinnen, wie kürzlich bei der Organisation eines gemeinsamen Sommer- und Ramadanfestes im Quartier Jenkelweg-Archenholzstraße.
Fatma Kestel ist dankbar dafür, dass heute viele Institutionen im Stadtteil ihre integrative Arbeit mittragen. Als Türöffner bezeichnet sie die Bürgerplattform „Impuls-Mitte“, die Kontakte auch zu christlichen Gemeinden wachsen ließ.
Trotz vieler Erfolge gibt es aber immer wieder auch Rückschläge, bedauert Fatma Kestel: „Den einen Tag erleben wir, dass wir für unsere Arbeit in der Gruppe akzeptiert werden.
Und dann wieder wird man draußen auf der Straße als ,Scheiß-Ausländer‘ beschimpft.“ Das schmerzt. Ist aber für die starke Frau auch eine Motivation, mit dem Ziel vor Augen weiter zu machen.
Nachbarschaftshaus Kroogblöcke
Ihr sehnlichster Wunsch ist jetzt, dass das Nachbarschaftshaus Kroogblöcke langfristig bestehen bleibt. Die Aktivitäten sind durch die Anschubfinanzierung vorerst bis Jahresende gesichert. „Wir brauchen diesen Raum, weil unsere integrative Arbeit erst so nach außen sichtbar wird.“ Auch andere Gruppen dürfen und sollen den Raum nutzen. Dadurch könnte dann, so hofft Fatma Kestel, der Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen noch einen Schub bekommen.
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