Billstedt auf dem Pulverfass

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Der Prozess um Feuerwerkskörper und Sprengstoff wird fortgesetzt Symbolfoto: thinkstock

Ein 46-Jähriger hatte fast 67.000 Böller im Keller gelagert

Von Martin Jenssen
Billstedt/Hamm
Es war eine ungeheure Gefahr, der Billstedt Ende Dezember 2014 ausgesetzt war. Ein Funke, und ein ganzes Wohnviertel hätte in die Luft fliegen können. Der 46-jährige Handwerker Oliver R. (46) hatte in seiner Mietwohnung und in Kellerräumen in der Billstedter Hauptstraße 60 fast 67.000 Böller und Raketen mit einer „Netto-Sprengkraft“ von fast einer Tonne gelagert. Bei einer Razzia in seiner Wohnung und in seiner KFZ-Werkstatt im Borstelmannsweg 84 in Hamm wurden außerdem fünf Pistolen, eine russische Splitterhandgranate und Sprengstoff gefunden.
Vor dem Hamburger Landgericht muss sich Oliver R. jetzt wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz sowie das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz verantworten. In der Anklageschrift heißt es: „Der Angeklagte lagerte insgesamt 66.994 zum Verkauf bestimmte illegale Feuerwerkskörper mit einem Bruttogewicht von fast 3.400 Kilogramm und einer Netto-Explosivmasse von 864 Kilogramm in seinen Räumen. Auf Grund der großen Menge und der unsachgemäßen Lagerung der Feuerwerkskörper bestand eine erhebliche Unfallgefahr nicht nur für die direkt betroffenen Gebäude, sondern auch für die umliegenden Häuser und deren Bewohner.“ Einem der Freunde oder einem Kunden des Angeklagten war die „Sprengstoff-Geschichte“ kurz vor Silvester vergangenen Jahres wohl zu heiß geworden. Durch einen anonymen Anruf machte er die Polizei auf die drohende Gefahr aufmerksam.
Vor Gericht legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Obwohl er kein Freund von „Ballerspielen“ sei, hätten ihn Feuerwerkskörper und Waffen seit vielen Jahren ungemein fasziniert. Er habe deshalb immer mehr davon gekauft. Dann seien viele seiner Freunde zu ihm gekommen, um Böller und Raketen bei ihm zu erwerben. Oliver R.: „Die ganz Sache ist am Ende aus dem Ruder gelaufen. Immer mehr Leute wollte von mir Feuerwerkskörper haben. Zu meinen Kunden gehörten sogar Polizisten in Uniform und Feuerwehrmänner.“ Obwohl es ihm Straferlass bringen könnte, will Oliver R. weder die Namen seiner Lieferanten noch die seiner Kunden verraten.
Das große Geschäft mit den Raketen und Böllern, die aus Holland, Italien und
Tschechien nach Billstedt geliefert wurden, lief seit 2009. „Ausgesprochen übel“ fand die Vorsitzende Richterin, dass bei Oliver R. auch noch ein „Schießhandy“
(eine als Handy getarnte Pistole) gefunden wurde. Als Oliver R. während der Durchsuchung seiner Wohnung den Polizisten gestand, dass er in seinem Waffenschrank auch Sprengstoff gelagert habe, wurde sofort Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die Beamten mussten in der Nachbarschaft 200 Wohnungen evakuieren. Rund vier Stunden dauerte es, bis Feuerwerkskörper und Sprengstoff gesichert waren. Der Prozess wird fortgesetzt. Urteil voraussichtlich am 7. Mai.
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