Spaß mit fatalen Folgen

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Wegen versuchten Mordes verurteilte das Hamburger Landgericht den Maurer zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten Symbolfoto: thinkstock

Ein Witz, ein Schuss, ein Urteil. Opfer quälen bis heute Angstzustände

Von Martin Jenssen
Billbrook/Billstedt
Hohe Strafe für John I. (33) aus Billstedt. Wegen versuchten Mordes verurteilte das Hamburger Landgericht den Maurer zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten. Am 22. November 2014 war es auf einer polnischen Feier im Vereinsheim des Kleingartenvereins Tiefstack-Süd in Billbrook zwischen dem Angeklagten und dem aus Polen stammenden Kleingärtner Ryszard Sch. (55) zu einem heftigen Streit gekommen. Auslöser des Streits war ein dummer „Polenwitz“ über geklaute Autos, den John I. gerissen hatte. Der angetrunkene Ryszard Sch. beleidigte den Maurer daraufhin als „Scheiß-Deutscher“ und wollte ihn aus dem Fest ausschließen. John I., der mit seiner aus Polen stammenden Ehefrau die Feier besucht hatte, verließ für einige Zeit die Gesellschaft. Er holte eine Pistole, die er in seinem Auto versteckt hatte. Gegen 0.40 Uhr kehrte er mit der Waffe in das Vereinsheim zurück. Er hielt Ryszard Sch. die Waffe entgegen. Doch der beachtete den Maurer kaum. Er hielt die Waffe, die John I. auf seinen Kopf richtete, für eine Spielzeugpistole. John I. drückte ab. Das Projektil traf Ryszard Sch. im rechten Wangenbereich, durchdrang den Hals und trat oberhalb des Schulterblattes wieder aus dem Körper aus. Die Kugel durchschlug dann noch die Rückenlehnen zweier Stühle und blieb danach unter einem Tisch liegen.
Das Opfer wurde lebensgefährlich verletzt, überlebte aber wie durch ein Wunder. Seine Halsschlagader war bei dem Durchschuss nicht verletzt worden.

Glück für beide


Der Vorsitzende Richter zu John I.: „Das Opfer hatte großes Glück, dass es überlebt hat. Aber auch Sie hatten Glück: Bei einer tödlichen Verletzung wäre die Strafe viel höher ausgefallen. Glück auch, dass keine anderen Personen verletzt wurden.“ Auf den beiden Stühlen, deren Lehnen durchschossen wurden, hatten kurz zuvor noch Gäste gesessen.

Schmerzensgeld


John I. flüchtete nach der Tat, versteckte sich unter anderem in einem Hotel in Wandsbek. Als er sah, wie aussichtslos die Flucht war, stellte er sich im Beisein eines Anwalts der Polizei. In seiner Einlassung vor Gericht hatte er behauptet, die Kugel habe sich durch Zufall aus der Waffe gelöst. Er habe Ryszard Sch. nicht verletzten wollen. Zusammen mit seiner Frau habe er das Fest verlassen wollen. Am Auto hätten sie jedoch festgestellt, dass seine Frau ihre Handtasche im Saal vergessen hatte. Er sei zurückgekehrt, um die Tasche zu holen. Nur zu seiner Verteidigung habe er die Pistole mitgenommen. Das Gericht wertete diese Aussage als „Schutzbehauptung“. Es verurteilte den Angeklagten außerdem dazu, an das Opfer, das seit der Tat an Angstzuständen leidet, ein Schmerzensgeld von 15.000 Euro zu zahlen.
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